…Geschüttelt nicht gerührt..

Der Handlungsbogen von Bionic Commando ist typisch zäh und zeigt eine verkommene Institution, die Ihrem Heros erst den starken unnachgiebigen Arm eines Imperiums zeigt, nur um ihn dann wieder Kleinlaut an seine Rabenmutterbrust zu führen.

In diesen Unwirren des Krieges wird unser Held zum Held, um einen unsympathischen Kriegstreiber gegen einen anderen auszutauschen.

Szenario

Das gesamte Setting ist ästhetisch und farbenfroh inszeniert. Die Texturen sind knackscharf und extrem abwechslungsreich. Die Framerate ist stabil.

Nathan ist optisch eine Wucht und begeistert mit vielen Details an Kleidung und eigener Erscheinung.

Besonders beeindruckend ist der Schärfe/Unschärfe Filter, welcher zwar mittlerweile pandemisch eingesetzt wird, Bionic Commando hier jedoch den Golddukaten-Esel darstellt und von Position 1 startet. Der Effekt ist klasse und schenkt dem Spiel eine beeindruckende Tiefenwirkung.“

Klirrfaktor

Wunderbar direktionale Effekte die wuchtig aus allen Boxen klingen. Die Sprechergarde wurde gut gewählt und deren Emotionen glaubhaft ins Spiel transportiert.

Zu Mäkeln wären fehlende sonore Waffenklänge, die mich mehr an Blechpistolen, als an futuristische Endzeitstimmung erinnern.

Dies soll das Gesamtpaket jedoch überhaupt nicht schmälern, da hier -unisono- die perfekte Beschreibung der tollen Atmosphäre ist.

Spielbarkeit

Nach militanter Lobhudelei entführt mich Capcom zur dunklen Seite der Macht und sorgte mehr als einmal für Beißkerben im Pepitasessel.

Nathan steuert sich suboptimal; in den Hangelpassagen wie ein störriger Gaul, im Trab fast -Bullet Time- Niveau. Sein Zielkreuz ist auf Grobmotorik getrimmt und verkommt so zum Jahrmarktbudenzauber mit Glücksspielgarantie.

Mit seiner Körperpeitsche entsteht leider zu keiner Zeit eine ähnliche Symbiose wie in Mirrors Edge oder Prince of Persia. Der Ansatz ist gelungen, die Filigranität ist jedoch weit weg von Gut und Böse.

Besonders die Sprungpassagen über radioaktive Krater, respektive auf Hochhäuser führten nicht selten zum Spontantod, da man während des Hochhangelns stirbt, ohne jegliche Möglichkeit der Reaktion…failed.

Wieso zum Beispiel im ersten Drittel eines Spieles gleichzeitig tödliche Gefahr von Scharfschützen, kniehohem Wasser, Radioaktivität und „unfair versteckten Symbolen“ ausgeht wurde mir nie klar.

Falls hier wenigstens faire Rücksetzpunkte gesetzt wären, nö. Das Spiel zeigt mir die lange Nase und als Negativgoodie darf ich alle Objekte eines Abschnitts erneut finden und jede sekundär Mission nochmal bestehen. Capcom bleibt seinem Progamer-Stil treu, vergrämt es sich jedoch mit Neukunden ohne großem Zeitfenster.

Gut finde ich in RPG Anlehnung den Energiebalken des Feindes, wenn man die Trefferanimation optisch schon nicht wahrnimmt, dann sollte man wenigstens wissen, wann der Feind ins virtuelle Gras beißt.

Die Argusaugen meiner Widersacher wiederum müssen genetisch manipuliert sein. In einem Weltuntergangsszenario meinen Charakter auf solch weite Distanz unter Schutt und Geröll zu identifizieren ist zumindest diskussionswürdig.

Ergebnis

Nathan ist ne coole Sau, hat als Platzhirsch seine vollkommene Daseinsberechtigung und mehr als einmal war ich als Mad Max Jenseits der Donnerkuppel..

Ascension City ist ein wunderbarer Ort der trotz tödlicher Bedrohung zum depressiven Verweilen einlädt und gerade den Einheitsgrau des typischen Armageddon Szenarios die kalter Schulter zeigt.

Capcom schüttelt sich und rüttelt am Alphatiergehege westlicher Entwickler und präsentiert mit Bionic Commando ein wirklich gutes Endzeitszenario mit gigantischen Endbossen, dem nur im Feinschliff etwas weniger Radioaktivität gut getan hätte.

Mit viel TamTam wurde der Titel durch die Journalie gejagt und somit der Hype ins Unermessliche getrieben.

Gerade aber hier gelangt Capcoms -Eckige nicht ins Runde- und scheitert so in der Kumulation kläglich.

Wertung_73