Review TROPICO 3

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, eine eigene Insel zu besitzen, das Volk zu unterdrücken und gegen Rebellen mit Gewalt vorzugehen? Okay, vielleicht nicht der meistgewählte Lebenstraum, aber wenn man schon einmal die Möglichkeit hat, wieso dann nicht ausprobieren? Vermutlich habt ihr es bereits erraten: Genau dies steht euch in Tropico 3 bevor. Ihr erhaltet eine Insel und seid der „El Presidente“, um die ganze Erde zu unterjochen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter, weiter Weg.

Die erste eigene Insel

Um in Tropico 3 nicht gleich bei einem Aufstand der Rebellen unter zu gehen, solltet ihr zuerst das Tutorial ausprobieren. Bei diesem bekommt ihr Schritt-für-Schritt die Steuerung des Spiels erklärt, welche leider alles andere als intuitiv ist. Wer die Steuerung von „Die Siedler“ oder „Anno“ gewohnt ist, wird sich hier leider umgewöhnen müssen. Das Tutorial fällt kurz und leider auch knapp aus, denn kaum hat man halbwegs die Steuerung verstanden, ist das Tutorial auch wieder vorbei. Wie man seine Insel später zum Erfolg führt, muss man leider selbst herausfinden.

So einfach ist es aber nicht, El Presidente!

Nun ist es Zeit, seine eigene Insel komplett alleine zu managen. Bis auf den Regierungspalast, ein paar Wohnhütten und einem Holzfällerlager ist die Insel unbewohnt und unbebaut. Man baut sich nun erst einmal die Grundversorgung aus: Genügend Farmen müssen her, um das Volk zu ernähren, Wohnhäuser, Klinik und Polizei um die Lebensqualität zu steigern. Und schon fängt der Stress auch schon an: Wenn die Löhne zu niedrig sind, bleiben Arbeitsstellen unbesetzt und die Einrichtung geschlossen. Wenn sie zu hoch sind, ist man schnell pleite und die Auslandsverbindungen verschlechtern sich. Ehe man es sich versieht, ist man mit 10.000$ verschuldet, kann keine neuen Gebäude errichten und muss versuchen mit den bestehenden Mitteln irgendwie wieder zu Geld zu kommen. Der Einstieg bei Tropico 3 ist auf keinen Fall einfach, nach einiger Zeit sollte aber zumindest die Grundversorgung gesichert sein.

Und das ist noch lang nicht alles…

Nachdem ihr nun wenigstens genügend Geld habt, um eure Insel zu erweitern, kommen aber noch mehr Probleme auf: Ein protestierendes Volk fordert den Mindestlohn – akzeptieren oder gewaltsam die Demonstration unterschlagen? Mit ein wenig Geld ist dieses Problem noch schnell bewältigt, da bahnt sich die nächste Gefahr auf: Die Rebellen greifen an. Diesmal ist eine friedliche Einigung undenkbar, da hilft nur noch eingreifen mit den härtesten Mitteln. Und schon hat die Insel kostbare Einwohner verloren. Eines muss man den Entwicklern „Haemimont  Games“ lassen: Einfallsreichtum bei Problemen besitzen sie zweifelslos, aber nicht immer wird dadurch die Langzeitmotivation aufrecht erhalten. Bereits nach wenigen Stunden tritt Frustration auf, wenn die Insel nicht so floriert, wie man gerne möchte. Der Schwierigkeitsgrad ist für den Anfang auf jeden Fall zu hoch angesetzt und wird von dem ungewohnten – und meines Erachtens schlechten – Interface vereinfacht.

Immerhin: Die Grafik stimmt!

An der Grafik gibt es wohl relativ wenig auszusetzen: Viele Details, stufenloser Zoom bis man fast die Gesichter der Personen ablesen könnte und stimmungsvolle Farben lassen Tropico 3 im Glanz erstrahlen. Hier und dort gibt es ein paar Grafikfehler und manchmal fahren Autos einfach auf der Straße stehenden Menschen hindurch, aber insgesamt kann man den Entwicklern hier keinen Vorwurf machen.

tropico_shot

Auch die Hintergrundmusik ist ausreichend und zumindest nicht so nervig wie bei manch anderem Spiel. An „Anno“ oder „Die Siedler“ kommt sie meines Erachtens aber nicht herran.

Unerfreulicher sind dagegen Spielabstürze, die von Zeit zu Zeit ohne Ankündigung passieren. Ob es an unserem Testsystem lag, können wir leider nicht sagen, aber um auf Nummer sicher zu gehen, solltet ihr zumindest jede Stunde einmal speichern. Denn nichts ist langweiliger, als den gleichen Aufstand das dritte Mal zu unterschlagen.

Fazit:

Schicke Grafik, nette Sounds und umfangreiche Möglichkeiten bei der Bebauung der eigenen Insel werden das Herz jeden Wirtschaftsstudenten höher schlagen lassen. Für Fans des Genres auf jeden Fall einen Kauf wert. Wer jedoch von „Die Siedler“ bereits überfordert war, oder auf actiongeladene Kämpfe Schlachten steht, wird von Tropico 3 leider weitesgehend enttäuscht. Das ungewohnte Interface und das viel zu knappe Tutorial, machen den Spieleinstieg nicht leicht. Wer sich aber der Herausforderung stellen möchte und den Einstieg meistert, wird auf jeden Fall seinen Spaß mit dem Spiel haben.