Retrospektive:

Als die Kabelsender und damit das Privatfernsehen dem Volke vorgeführt wurden, war ein seltsames Raunen im medialen Wald. Eine Werbeunterbrechung zwischen einem gespielten Film und einem gespielten Film. Erst leise dann immer lauter werdende ‘Ahs und Ohs’.

Der Untergang des feuilletonistischen Bildungsfernsehens und die Wurzel des zukünftigen Bösen.

Nun würden rechteckige Augen nicht mehr nur durch das laufende Band hypnotisiert, sondern auch durch Tesafilm.

1 Wurmloch oder aber 25 Jahre später, ist der Spielfilm die Werbung und die Spots dazwischen mittlerweile das Highlight, da die Kirchenreuther Laienspielgruppe mit ‘Alles was zählt’ nur den Dagobertschen Geldsilo meinen und nicht die Qualität der Soap.

Aber ist Fernsehwerbung das Superlativ, gleich dem nerv tötenden Gepiepse bei MC Donalds, wenn mal wieder Shrimps, Pommes und Hirn zeitnah gar sind?

Nein, die Steigerung der Marketingintifada ist der Auftritt im Raum der unbegrenzten Möglichkeiten. Im Raum des Web 2.0, wo Kunde ‘Hase’ nur die Information ‘Igel’ finden möchte, aber das hohe Gestrüpp ‘Werbung’ dazwischen, die Erreichbarkeit verhindert.

Um dem uniquen Werbeauftritt gerecht zu werden, hier meine 3 beliebtesten Hass Marketing Strategien, die noch nicht mal auf 3 Kuhäute gehen.

6 aus 6 Richtigen, ohne mitzuspielen

Pling: „Sie sind der 10.000 Kunde und haben gerade 3 nackte Frauen, einen Koenigsegg Trevita und das Häuschen von Verona gewonnen“, „kein Scheiß übrigens“, alles echt und in Farbe, wie die Wetternachrichten auf ARD.

Warum aber ich – kenne ich den Betreiber der Seite oder habe ich in den letzten Tagen an ‘ner dollen Lotterie teilgenommen?

Nö, aber ach wieso, man kann ja auch mal so gewinnen, ohne überhaupt einen Handschlag getan zu haben. Entspricht ja schließlich auch der neudeutschen Formulierung von Fleiß.

Jetzt aber:

Keine Flunkerei, sie sind der 1.000.000 Kunde, klicken sie nur mal eben hier, oben,unten,links,rechts“, der Menge an Kunden sind genauso wenig Grenzen gesetzt, wie der Unverschämtheit dieser Lüge.

Eine virtuelle Kaffeefahrt auf eine Internetzseite, die nur mich beschenken möchte, ja ne is klar!. Naivität ist was Feines bis man feststellt, dass die Realität weniger DSDS und mehr ‘Schaffe Schaffe Häusle baue’ ist.

…und tschüß zum…

Ein Quadrat für ein X vormachen

Eigentlich ähneln sich ja beide Zeichen, haben jeweils 4 Ecken und haben Mr. und Mrs. Online fest in Ihren Krallen.

Das eine für die Neugierde, dass andere für die daraufhin folgende Langeweile:

…Öffnen – Schließen – Öffnen – Schließen…

Irgendwann kam mal ein pfiffiger Stratege auf die glorreiche Idee eines Rollentausches und dachte sich eventuell:

„Toll, da freut sich doch das ganze Internetz jetzt dran, dass ich so’n  schlaues Kerlchen bin und die Kunden bespaße“

dachte er sich natürlich nicht, sondern eher:

„Die degenerierte Internetz-Bagagge muss ich zum Verweilen und klicken der Verlinkung einer Seite bringen und da verarsch’ ich doch mal den geneigten Zweipunktnull User.

Flux wurde aus einem X ein Quadrat und als Absolution noch ein kleines x unter dem Quadrat, nur so zur eigenen Rechtfertigung des Schmierentheaters.

Sorry Werbeindustrie, dieses Schema klappt vielleicht 3x mal und dann hats die Seriösität einer E-Mail ‘Mahnung’ von Absender ‘Mahnung’.

…auf zu…

Der intelligente Werbebanner

Nintendogs zeigt ja unsere Liebe, Dinge zu beherrschen und Ihnen den Rhythmus unseres Lebens zu  oktroyieren. Hol Bällchen, sitz’ und wedel mit dem Schwänzchen. Falls jedoch eine Webseite meinem Mauszeiger habhaft wird, nehme ich’s persönlich.

Die Steigerung von allen Hasskappen, die mir das Internet beschert, ist Werbung die mir nicht gestattet, die eigentliche Nachricht zu lesen. So wandert der bescheuerte Werbebanner, mit meinem zu lesenden Text mit. Geh ich nach oben geht der nach oben, geh ich nach unten geht der nach unten. Wem bringt das was und wer hat Spaß dabei? Ganz so wie ein Ritalin Männchen, welches Tourette artig vor ‘ner Kinoleinwand mit den Armen winkt, nur um mir den Filmspaß zu versauen.

…und dieser ganze Irrsinn mit selbstinszenierter Methodik kann sich doch nicht lohnen,oder?

Wohl ja, sonst würde ein solch penetrantes Guerilla Marketing, welches ich zum Teil schon in der Grauzone zwischen legal/illegal sehe, nicht funktionieren.

Werbung ist wichtig, sonst könnten keine Internetseiten betrieben werden und keine Botschaften verbreitet, es gibt halt selten ein Abo-System, aber maßhalten wäre an der Zeit und Fairness gegenüber seinem Leser, der schließlich den Inhalt konsumiert.

Nur weil man viel kann, bedeutet dies nicht, dass man’s auch muss.

Wenn ich mich durch ein Moloch von Pop-up Fenstern, Filmen oder blinkenden Buchstaben quäle, wird halt die Internetfernbedienung bedient und der Betreiber verschwindet von den Lesezeichen, wie ein Staubkorn in der Wüste.

Erfordert nur einen Klick…

!Öffnen, Schließen!