Chaos auf Deponia / Review

By | 16 Oktober, 2012

Fans von Point & Click-Adventures kommen schon seit einiger Zeit nicht mehr an den Spielen von Daedalic Entertainment vorbei. Ob es die Harvey-Titel sind, The Whispered World oder zuletzt Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten – gute Adventurekost kommt derzeit einfach von Daedalic. So auch Deponia, welches vor knapp neun Monaten erschien. Am Ende hatte der Titel jedoch eine heftigen Cliffhanger, der einen Nachfolger quasi unabdingbar machte.
Da die Deponia-Reihe aber als Trilogie angedacht war, sollte dies kein Problem sein. Und nun kommt mit Chaos auf Deponia endlich der Nachfolger. Ob man auch hier wieder gewohnte Topqualität von Daedalic bekommt, oder ob der Müllplanet auf den Titel abgefärbt hat, das verraten euch die kommenden Zeilen…

 

Auch in Chaos auf Deponia dreht sich wieder alles um den selbstverliebten und vertrottelten „Helden“ Rufus. Fast nahtlos greift die Geschichte an die des Vorgängers, die Geschehnisse spielen nur wenige Stunden nach dem, was zuvor passierte. Damit Nichtkenner des ersten Teils trotzdem mit der Geschichte etwas anzufangen wissen, gibt es zu Beginn des Spiels eine kleine Rückschau. Diejenigen, die den ersten Teil gespielt haben, merken jedoch sehr schnell, dass diese Zusammenfassung „etwas“ geschönt wurde. Kein Wunder, denn Rufus himself berichtet von seinen Taten im Vorgänger, lässt daher unbequeme Details besser weg.

 

Auch im zweiten Teil wird man zuerst durch ein kleines Tutorial mit der Spielmechanik vertraut gemacht. Dieses Tutorial ähnelt stark dem des ersten Teils, was auch Rufus gleich zum Besten geben muss. Nach den wenigen Minuten sollten auch Nicht-Adventurespieler mit der Steuerung des Titels keinerlei Probleme haben.
Damit auch in Chaos auf Deponia die Sache gleich ins Rollen kommt, steckt Rufus auf der Suche nach einem Hammer erst einmal das Haus einer alten Omi in Brand und sorgt dafür, dass es deren Kanarienvogel nicht mehr ganz so gut geht, wie noch zuvor.

Dies sind jedoch nur kleinste Vorbereitungen auf das, was in Kürze geschehen wird. Rufus will noch immer vom Müllplaneten Deponia verschwinden und baut sich ein raketenbetriebenes Sägeblatt. Gefesselt an dieses zündet er schon bald die Lunte an und saust davon.
Rufus jedoch wäre nicht Rufus, wenn sein Plan klappen würde. So kommt das Sägeblatt mit Rufus als Fracht vom Kurs ab und bohrt sich mitten in die Rettungskapsel, in der Goal und Cletus (bekannt aus Teil 1) sitzen.
Die beiden wollten mit der Kapsel zurück auf den Organon-Frachter, durch den Einschlag des Sägeblattes wird daraus nun jedoch nichts. Ein Wort gibt das andere und schneller als man denkt, fallen Goal und Rufus aus der Rettungskapsel, geradewegs zurück auf den Müllplaneten Deponia.

 

Rufus hat die Landung recht gut überstanden, bei Goal sieht dies jedoch ganz anders aus. Sie nämlich verliert das Bewusstsein und muss operiert werden. Dafür soll Rufus einige Leer-Backup-Datasetten besorgen, auf die Goals Persönlichkeit gespielt werden soll. Das jedoch klappt nicht so, wie geplant. Zwar ist Goal wieder auf den Beinen, leidet jedoch ab sofort unter einer dreigeteilten Persönlichkeit. Dank einer Steuereinheit darf Rufus jedoch wählen, ob man es mit der versnobten, mit der vorlauten oder doch mit der schüchternen Goal zu tun bekommt.
Für den weiteren Spielverlauf ist das nicht ganz unwichtig, denn situationsbedingt muss man mal die eine, mal die andere Goal „zum Leben erwecken“.
Dass diese Persönlichkeitsspaltung für jede Menge Chaos sorgen wird, dürfte jedoch jedem klar sein…

Schauplatz in Chaos auf Deponia ist diesmal der Schwarzmarkt, der jedoch mehr zu bieten hat, als man annehmen könnte. Der Schwarzmarkt ist eine riesige Siedlung mit Geschäften, Kneipen und Häusern, die es zu entdecken gilt. Dabei zieht sich die Story immer wie ein roter Faden durch das Spiel, sollte man einmal diesen Faden verlieren, wird eine auftauchende Nebenaufgabe wieder zu ihm führen.
Im Laufe des Spiels gilt es natürlich, diverse Rätsel zu lösen. Hier bietet Chaos auf Deponia alles, was das Adventurespielerherz begehrt. Vom einfachsten Rätsel bis hin zu sehr komplexen Rätselpassagen ist alles vorhanden, was man sich erhofft. Gegenstände müssen gesammelt und kombiniert, oder aber am richtigen Schauplatz eingesetzt werden. Die Schauplätze verändern sich hierbei im Laufe des Spiels, es ist also zwingend notwendig, mehr als einmal bestimmte Orte zu besuchen.

 

Neben den Rätseln warten auch einige Minispiele auf den Spieler. Die meisten davon sind sehr schnell erledigt und können auf Wunsch auch übersprungen werden. Die epische Schnabeltier-Schlacht sollte sich jedoch keiner entgehen lassen…
Nach und nach trifft Rufus auf immer mehr Charaktere, mit denen er natürlich auch sprechen darf. Teils recht lange Dialoge treiben die Story zusätzlich voran und geben dem Spieler zudem neue Aufgaben oder Hinweise, wie dies und das zu bewältigen ist. Die Charaktere sind hierbei allesamt recht abgedreht. Selbst auf Gronkh – er dürfte den meisten ein Begriff sein – trifft man während des Spiels. Dieser hat nichts besseres zu tun, als mit Rufus um die Wette zu rappen.

 

Das Highlight im Spiel ist – neben der guten Story und den ausgeklügelten Rätseln – ganz klar der Humor. Daedalic schafft es, wie kein Zweiter, den Spieler von Anfang bis Ende bei Laune zu halten, denn Langeweile kommt nie auf. Ob es nun die witzigen Dialoge sind, die abgedrehten Charaktere oder einfach nur der trottelige Rufus, der jedoch vollkommen von sich und seinem Können überzeugt ist, es passt einfach alles zusammen.

 

Optisch kann Chaos auf Deponia vollkommen überzeugen. Die handgezeichneten Hintergründe wurden mit vielen liebenvollen Details verziert und stellen schon wahre Bildschirmkunst dar.
Die Charaktere runden diesen Eindruck zusätzlich ab, es passt einfach alles gut zusammen.
Das gilt auch für den Sound. Die Sprecher waren sehr gut bei der Sache und vertonen die Charaktere wunderbar. Auch der Soundtrack ist wieder sehr gelungen und bringt noch einen Tick mehr Atmosphäre ins Spiel, als eh schon vorhanden ist.
Auch Jan Müller-Michaelis, Creative Director des Spiels, bekommt wieder seinen Auftritt, denn zwischen den Kapiteln singt er dem Spieler vor, was er von all dem hält…
Die Steuerung ist denkbar simpel und sollte für niemanden ein Problem darstellen.

Fazit:
Mehr Spielzeit, umfangreichere Rätselkost und viele neue Schauplätze – das sind nur drei Dinge, die Chaos auf Deponia im Vergleich zum ersten Teil zu bieten hat. Der umwerfende Humor, der sich durch das komplette Spiel zieht, sorgt dafür, dass zu keiner Zeit Langeweile aufkommt.
Die Rätsel sind logisch aufgebaut und nur selten muss man diese durch reines Rumprobieren lösen. Wer aufpasst, bekommt quasi an jeder Ecke hilfreiche Infos von den Charakteren Deponias.
Und auch sonst stimmt das Gesamtbild von vorne bis hinten. Die Hintergründe sind wunderschön gezeichnet, die Charaktere liebevoll erstellt, die Vertonung dieser passt einfach, der Soundtrack reiht sich wunderbar in diesen Reigen ein und die Story unterhält auch noch.
Chaos auf Deponia
zieht nicht nur auf gleiche Höhe mit den Lucas Arts-Hits wie Monkey Island oder Day of the Tentacle, sondern lässt diese Adventure-Highlights einfach mal hinter sich.
Daher gibt es für Chaos auf Deponia eine ganz klare Kaufempfehlung!

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