Unverbindlichkeit der Verbindlichkeit

Nov 22nd, 2009 | By Gilbert Stramm | Category: Kolumne
Kolumne Kritik Web 2.0

Kolumne Kritik Web 2.0

Geht’s euch so wie mir?

Zum Glück gibt’s Web 2.0, sonst wüsste ich gar nicht wie man Leute kennenlernt, geschweige denn Verabredungen verabredet. Völlig hilflos wäre ich; auf mich allein gestellt in einer kalten und menschenverachtenden Gesellschaft.

Da ists in der Wohnstube schon muckeliger und kein Trottel kann mir vorm Penny mit nem Regenschirm ein Auge ausstechen, Rücksichtnahme 1.0.

Sobald ich on Air bin, empfängt mich die Community mit Luftschlangen, wie der halbe örtliche Dorfverein. Hier bin ich Heim und der Mensch noch Mensch, trotzdem fällt mir folgendes immer häufiger auf…vielleicht kennt Ihr das, vom hören sagen natürlich nur:

Sofort nach Veröffentlichung eines neuen Spieletitels, der auch nur ansatzweise etwas mit Mehrwehrtmodus am Hut hat, krabbelt das komplette Web aus seinem Winterschlaf und möchte sofort mit jedem überall, immerzu eine platonische Einheit bilden.

Freundschaftsanfragen werden ausgetauscht wie Visitenkarten anno tobak und alle haben sich aber so was von Lieb. Sozusagen der fleischgewordene scheinheiligen Antrophosoph, mit spritzigem Flow und mächtiger Attitüde.

Ein Flashmop ohne Mop, nur in 0 und 1.

Dann jedoch geschieht sonderbares und die Stimmung wandert auf „Domino Day“ spuren.

Ich wart dann bis das erste Bauernopfer fällt, meistens mit „EEECHT?? heut Abend wollten wir xyz im Team zocken?“

„Sorry aber Jenny, Petra und Chantal konnte ich jetzt echt nicht alleine mit sich selbst spielen lassen, werds aber bestimmt am 6., 11., 18., spätestens aber 2012 nachholen“.

Das merkwürdige ist der Ansteckungsgrad und die Inkubationszeit. Jubilieren würden hierüber definitiv Pharmakonzerne, solch eine Pandemie wäre in Echt und in Echtzeit mal ein Jungbrunnen für Investmentbanker.

Jeder und fast alle sind jetzt auf DefCon 1, haben einen wichtigen Termin im Süd-Sudan, auf dem K2 oder bei Mutti zum Essen.

Kann ja mal passieren, bis 2012 sinds ja noch n paar Tage…

Aber wo ist der Sinn des Lemmingverhaltens, wenn das Gemeinsamkeitsgefühl nur eins macht, einsam?

Verkommt das Blind Date nicht so zu einem verqueren Versuch, Brüderlichkeit unter Unbekannten zu schaffen?

Da Lob ich mir ne LAN Party, wenn du hier in einer Gruppe auf Fuchsjagd gehst, wird Man es sich 2.0 mal überlegen, ob der Herd zu Hause wirklich noch an ist.

Na gut kann man sagen, amnesisch ist jeder mal zuweilen, besonders wenn am nächsten Morgen anstatt der eigenen Kotze eine Schüppe Würmer in Löffelchenstellung neben einem liegt, ne, ne, dann lieber n Leck in der Gasleitung vom Herd.

Nichtsdestotrotz meine Empfehlung an alle Wackeldackel und -kandidaten, die im Zeitmanagement ne Niete sind, oder spontan die Welt retten:

Denken 2 – Reden 0.

Gilbert Stramm

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