Bei den gefühlten zehn Millionen Sport- und Minispiele- Sammlungen für die Wii hat man unweigerlich das Gefühl, als gäbe es auf der Nintendo-Konsole kaum noch etwas Vernünftiges für den etwas anspruchsvolleren Gamer. Glücklicherweise ist das noch nicht ganz der Fall, wie Pixonauts beweist. Denn mit „The Kore Gang: Invasion der Inner-Irdischen“ hat das deutsche Unternehmen ein waschechtes Action-Adventure der klassischen Art im Programm.
Sympathische Story
Bei „The Kore Gang“ geht es gleich in den ersten Minuten zur Sache. Das athletische Mädel Pixie wollte eigentlich nur auf dem einen oder anderen Wolkenkratzer in Manhattan herum klettern, doch aus Versehen stürzt sie in die Tiefe…und landet durch einen Gullydeckel mitten in den Tiefen unserer Erde. Völlig unverletzt entdeckt sie plötzlich den Kore-Suit, einen schicken Mech-Anzug, der ihr ungeahnte Kräfte verleiht. Und als plötzlich noch der Doktor Samuelson über die integrierte Funkanlage des Kore-Suits auftaucht und um Hilfe bittet, nimmt das Abenteuer seinen Lauf. Pixie erfährt nämlich, dass die bösartigen Krank-Brüder eine Maschine besitzen, mit der sie endlich ihren fiesen Plan in die Tat umsetzen können: Sie wollen aus dem Inneren der Erde ausbrechen, um die Oberfläche des blauen Planeten zu erobern und die Menschheit unter zu jochen. Das kann Pixie freilich nicht zulassen, auf der Suche nach Dr. Samuelson, der die Vernichtung der Zivilisation noch aufhalten kann, trifft sie auf weitere Unterstützer, nämlich auf Madboy und seinen treuen Hundefreund Rex.
Was spaßig klingen mag, stellt sich schnell als eher seichte Unterhaltung für die ganze Familie heraus. Logikfehler gibt es etliche, trotzdem strahlt „The Kore Gang“ ausgesprochen viel Charme und Liebe zum Detail aus. Dies liegt auch daran, dass die Macher bei der Lokalisierung und Ausgestaltung der Figuren keine Kosten und Mühen scheuten. Die etlichen Gegner und auch skurrilen Freunde, denen ihr nach und nach begegnet, sind knuffig, schräg und erinnern an den einen oder anderen Tim Burton-Animationsfilm wie „Nightmare before Christmas“. Dazu kommen motivierte Sprecher, dank dieser komische Situationen prima zur Geltung kommen, zum Beispiel wenn eine geheime Widerstandsbewegung plötzlich mit dem Singen beginnt. Sicher, manche Späße sind ziemlich kindisch, andere dagegen zeugen von einem gewissen Niveau, das ältere Semester erwarten. Schade, dass dies etwas die klare Linie zerstört, es also etwas an Konsequenz der Story-Schreiber fehlt.
Spaßige Action
Abseits der Handlung hat „The Kore Gang“ natürlich jede Menge zu bieten. Besagter Kore-Suit dient einem konkreten Zweck: Ihr steuert nämlich sozusagen den Anzug, in dem Pixie, Madboy und Rex stecken. Abhängig davon, wen ihr gerade ausgewählt hat, erhält der Suit passende Fähigkeiten. Mit Pixie könnt ihr besonders hoch springen und euch über Abgründe winden, mit Madboy zerlegt ihr mittels großer Fäuste und stylischer Moves die Feinde und Rex erschnüffelt hilfreiche Objekte, betäubt Kontrahenten oder lauscht nach Dingen in weiterer Entfernung. Die Balance aus den ganzen Talenten funktioniert tadellos, ebenso müsst ihr manchmal überlegen, welche Eigenschaft ihr benutzen solltet, um weiter zu kommen. Denn mit nett gemachten Puzzles geizt „The Kore Gang“ nicht, obwohl diese jetzt nicht außergewöhnlich anspruchsvoll sind. Genre-typisch und häufig wenig sensationell, aber dennoch stets spaßig und nicht selten fordernd. Jedoch empfiehlt es sich, eine gewisse Vorliebe für viel Hüpferei, Schalter-Rätsel und Geschicklichkeitseinlagen zu haben, sonst wird man mit „The Kore Gang“ kaum Freude haben.
Technische Ungereimtheiten
Fraglos erkennt man „The Kore Gang“ an, dass es ursprünglich vor acht Jahren für die alte Xbox vorgesehen war. Wenig detailreiche Schauplätze, verschwommene Texturen und teils nicht schön animierte Charaktere machen heutzutage nicht mehr so viel her. Auf der Habenseite wird euch visuelle Abwechslung geboten, die sechs Welten mit ihren 30 Levels haben etliche Überraschungen parat, zum Beispiel riesige Kreaturen und wunderbare Gebäude, auf die ihr kraxeln dürft. Dabei verliert ihr nie den Überblick, denn der Titel ist sehr linear gehalten und die Größe der Abschnitte überschaubar.
Wirklich störend ist die suboptimale Steuerung. Das Ändern der Perspektive erfolgt über das Steuerkreuz oder Wiimote-Fuchtelei bei gedrückter Z-Taste, so richtig überzeugend klappt das nie. Das gilt auch für ein paar Spezial-Manöver, die Madboy und Pixie starten können. Hier hätte man sich etwas mehr Feintuning gewünscht, die Entwickler hatten doch genügend Zeit?! Aufgrund des fairen Schwierigkeitsgrades ist das nicht gravierend, störend tut es aber allemal – vor allem dann, wenn ihr unzählige Male in den Tod stürzt oder von an sich simplen Feinden vermöbelt werdet.
Potential verschenkt „The Kore Gang“ beim Soundtrack. Die Melodien gehen flott ins Ohr, wiederholen sich jedoch ständig. Und es beschleicht das Gefühl, als gäbe es nur ein Stück pro Level. Das ist etwas wenig.
Fazit: Unterhaltsam
Sicher gewinnt „The Kore Gang“, gerade im Vergleich mit einem „Mario Galaxy“, keine Schönheitswettbewerbe, aber deshalb ist das Werk von Pixonauts noch lange nicht schlecht. Die manchmal lästige Steuerung mal zur Seite geschoben, erwartet Freunde klassischer Hüpf-Abenteuer ein wirklich guter Genrevertreter, der etliche gute Ideen zu bieten hat und durch eine sympathische Geschichte positiv auffällt. Rund sechs Stunden Spaß sind sicher, wenn ihr über die kleinen Makel hinwegsehen könnt. Ein paar Gags sind zwar zu flach und auch die Grafik ist nicht mehr zeitgemäß, dafür funktioniert der Rest. Und die Idee mit dem Kore-Suit ist prima und sorgt für die gehörige Portion Abwechslung. Was will man also mehr?



