Die Klinge bohrt sich in seinen Körper. Ein stechender Schmerz. Ein kurzer Schrei. Und dann die letzten an ihn adressierten Worte: Requiescat in pace. Lateinisch für Ruhe in Frieden. Noch bevor sein Leben erlischt, macht sich sein Mörder auch schon aus dem Staub. Der Assassine hat zugeschlagen. Ein weiteres Mal. Und es werden noch viele Attentate folgen, denn Assassin‘s Creed 2 ist endlich für die Xbox 360 und PS3 erhältlich.
Das Erbe des Assassinen
Gute zwei Jahre liegen nun seit der Veröffentlichung des Vorgängers zurück. Damals zog es den Spieler in die Wirren des zwölften Jahrhunderts, in eine Zeit, in der das Heilige Land vom Dritten Kreuzzug erschüttert wurde. Als einstiger Meister-Assassine Altair war es an Euch, die Länderrein vom Würgegriff zahlreicher Feinde zu lösen. Die Aufgabe hat auch in Assassin‘s Creed 2 weiter Bestand, allerdings in einem frischen Szenario und mit einem neuen Helden. Sein Name: Eizo Auditore da Firenze, Frauenheld und Sohn eines wohlhabenden Bankiers in Florenz des 14. Jahrhunderts. Eizo stürzt sich jedoch wiederwillig in die Rolle des Killers, als sein Vater mitsamt seiner Brüder verraten und hingerichtet wurden. Genährt von Rachegelüsten, akzeptiert er jedoch nach und nach sein Schicksal und kommt im Verlauf seines blutigen Feldzuges einer mysteriösen Verschwörung auf die Spur.
Der Nachkomme der Assassinen
Auch wenn Eizo der eigentliche Star des Spieles ist und Ihr rund 90 Prozent der gesamten Zeit in seiner Haut stecken werdet, ist es doch sein Nachkomme Desmond Miles, der die Interesse der Spieler auf sich zieht. Der einstige Barkeeper, der im 21. Jahrhundert lebt, hat die Gene seiner Vorfahren inne und verfügt damit im Unterbewusstsein Erinnerungen an seine Ahnen. Das ist dem Konzern namens Abstergo nicht entgangen, die auf der Suche nach einem mächtigen Artefakt der Vorzeit sind. Desmond wurde entführt, seine Erinnerungen mit Hilfe der Maschine Animus rekonstruiert und damit auch der Fundort des Artefakts bestimmt. Dann endet der Vorgänger mit einem bösen Cliffhanger.
Hier steigt Assassin‘s Creed 2 nahtlos ein. Desmond wird aus den Klauen Abstergo‘s befreit und in einen Unterschlupf einer Gruppe von Assassinen der Moderne gebracht. Um ihn fit für den bevorstehenden Kampf gegen das Unternehmen zu machen, wird sein Training kurzerhand in die Hände des verbesserten Animus gelegt. Desmond erlebt nun die wichtigsten zehn Jahre seines Ahnen Eizo – und Ihr mit ihm.
Das Leben eines Assassinen
Rache ist Blutwurst, sagt ein altes Sprichwort. Und so stehen in Assassin’s Creed 2 selbstredend Attentate im Mittelpunkt. Die Jagd nach den Drahtziehern am Tod seiner halben Familie führt Eizo von Florenz, über Toskana und Venedig hin zum grandiosen Finale nach Rom. Doch was nützen diese vielfältigen Spielabschnitte, wenn der Ablauf bis zum eigentlichen Attentat immer nach dem selben Schema verläuft? Die Frage war zu Zeiten des Vorgängers berechtigt. In Assassin’s Creed 2 nahm sich Ubisoft jedoch dem Problem an. Die immer gleich ablaufenden, langweiligen Nebenmissionen à la „Suche Informanten X, folge ihm und belausche sein Gespräch mit Person Y“ sind weitgehend passé. Stattdessen wurde diese Art von Aufträgen in spannende Zwischensequenzen verpackt und direkt in die Handlung integriert.

Der Lohn eines Assassinen
Fehlte es im Vorgänger nach einer angemessenen Belohnung für errungene Siege, wird man in Assassin’s Creed 2 geradezu damit überfüllt. Ubisoft Montreal integrierte in das Spiel ein einfaches Wirtschaftssystem. Eizo erhält nun für jede erledigte Aufgabe Bares. Geld, dass er beim flanieren durch die Stadt in den zahlreichen Läden wieder ausgeben kann. Etwa beim Schmied für neue Rüstungen, Schwerter, Dolche oder Wurfmesser. Oder dem Arzt für Medizinampullen, die Eizo’s Gesundheit auffrischen können, wenn es schlecht um ihn steht. Alternativ kann man beim Schneider gegen bare Münze sein Gewand umfärben, oder im Trödelladen Karten kaufen, die die Position von (kostbaren) Schätzen markieren.
Im Verlauf des Abenteuers kommt eine weitere Einnahmequelle hinzu, die eigene Stadt mitsamt dazugehörigem Anwesen. Anfänglich bietet das eigene Dörfchen eher ein trauriges Bild. Tätigt Ihr jedoch Investitionen, errichtet etwa eine Kirche und eröffnet Geschäfte, bekommt Ihr Rabatte und Steuereinnahmen.
Der kämpfende Assassine
Eizo ist genauso wie sein Vorfahre Altair ein erstaunlich guter Kämpfer. Das ist zum größten Teil der überstarken Konter-Attacke des Assassinen geschuldet. Gerade zu Beginn des Spieles kann so einem kein Feind etwas anhaben. Später wird es zwar mit robusteren und wendigeren Soldaten etwas kniffliger lebend aus den Scharmützeln herauszukommen, aber keines schwierig. Eizo verfügt nämlich über neue Bewegungsabläufe und kann etwa mit einem Ausfallschritt gegnerischen Attacken ausweichen. Dann reicht meist nur noch ein gut platzierter Hieb, schon schluckt der Gegner Staub.

Durch diese Überstärke Eizo’s stellt die Flucht meist keine wirkliche Option dar, zumal ihr dabei viel schneller in Gefahr läuft zu sterben. Etwa bei Fluchten über die Dächer der Stadt. Ein falscher Sprung führt da meist zum vorzeitigen Exitus des Robenträgers. Besser ist es da schon auf den Straßen zu bleiben oder in umliegende Gewässer zu springen. Eizo’s Häscher können nämlich – aus welchem Grund auch immer – nicht schwimmen und brechen die Verfolgung nach kurzer Zeit ab.
Das Gewand des Assassinen
Es ist nicht von Hand zu weisen, dass Ubisoft Montreal viel Zeit mit dem Studium der kunstgeschichtlichen Epoche der Renaissance verbrachte. Ihre Mühen spiegeln sich augenscheinlich in der Levelarchitektur wieder. Ob Florenz, Venedig oder die umliegenden Provinzen: Selten wurden die Eigenheiten eines Zeitalter so schön und akkurat auf dem Bildschirm eingefangen. Bekannte Sehenswürdigkeiten, wie die florensische Kathedrale Santa Maria del Fiore entsprechen in beindruckendem Maße ihren realen Vorbildern. Gebräuche und Feste, wie der venezianische Karneval mit seinen schmucken Masken und Kostümen, wurden hervorragend in das Spiel integriert. Auch bei der Musik überließ man nichts dem Zufall. Für den Soundtrack zeichnet sich erneut Komponist Jesper Kyd (Hitman, Assassin‘s Creed) verantwortlich. Sein Wechselspiel aus ruhigen Melodien bei Erkundungsgängen durch die Städte und härteren Rhythmen in Kämpfen sorgt für Atmosphäre.

Gänzlich ohne Makel ist die grafische Präsentation jedoch nicht. Starkes Tearing und aufpoppende Objekte, besonders in Gegenden außerhalb der Stadtmauern, trüben den sonst positiven Eindruck. Ferner hätten einige Spielfiguren mehr Polygone vertragen können.
Fazit:
Wer den Vorgänger mochte, wird Assassin’s Creed 2 lieben. Ich zücke diesen abgedroschenen Spruch nur ungern aus meinem Vokabular, doch trifft dieser Satz wie kein anderer ins Schwarze. Ubisoft Montreal hat die Kritik von Presse und Spielern angenommen, Schlussfolgerungen gezogen und ein rundum verbessertes Spiel abgeliefert. Ein dickes Lob an das Team. Höhere Wertungsregionen kann Eizo trotz seines Charmes nicht erklimmen. Dafür setzt sein blutiger Rachefeldzug zu wenig frische Impulse im Genre. Eine grafische Generalüberholung wäre für den Nachfolger auch nicht verkehrt. Bleibt zu hoffen, dass sich Ubisoft bei der Handlung des nächsten und wohl letzten Serienablegers nicht verzettelt und die vielen aufpoppenden Fragen angemessen beantwortet. Dann bleibt von Assassin’s Creed mehr übrig, als eine Erinnerung.

5 comments
Assassins Creed 2 Fan says:
Dez 27, 2009
Nette Artikel
Zocker says:
Jan 9, 2010
Na also ich habe schon den Vorgänger geliebt. Wie weit soll das dann beim zweiten Teil gehen?
Stephan says:
Jan 13, 2010
das möchte ich gar nicht ahnen…;-) den 2ten Teil wirst du wahrscheinlich dann vergöttern…
4aea says:
Jan 14, 2010
naja hab ihr das spiel überhaupt gespielt? ansonsten kann ich mir diesse wertung nicht ganz erklären.
nur mal zum gameplay: das machen andere spiele weitaus besser. vorallem in den katakomben ist es schrecklich. und mal ein wirklch assasinen mässiges töten wie in batman, splinter cell und co wär auch mal angebracht.
ihr sollten auch bei den großen titel ein bischen kritishcer an die sache heran gehen.
Stephan says:
Jan 15, 2010
Hallo 4aea!
Vielen Dank für dein Feedback. Oh ja, wir haben das Spiel in vollen Zügen gespielt und uns sozusagen verliebt. Aus unserer Sicht ist eine Steigerung bzw. Verbesserung zu Teil 1 zu erkennen. Klar, es gibt kein Perfekt also die 100% – und AC2 hat auch seine Schwächen. Dennoch muss man das Gesamtbild betrachten. In Bezug auf die angesprochene “Action” konnte ich bei Batman oder Splinter Cell nicht mehr Assassinenhaftiges erkennen. Wir müssen immer im Hinterkopf behalten das Titel schleißlich durch eine USK durch muss.
Generell möchten dennoch auch großen Titel gegenüber kritisch sein/bleiben.