Dragon Ball Xenoverse 2

Ich habe mir viel Zeit mit meinem Test zu Dragon Ball Xenoverse 2 gelassen. Das liegt aber nicht nur an dem riesigen Umfang des Spiels, sondern auch an der Herangehensweise in Bezug auf dieses Review. Es ist eineinhalb Jahre her, seit Entwickler Dimps und Publisher Bandai Namco den ersten Ableger der damals neuen Reihe veröffentlicht hat und das ist keine besonders lange Zeit um einen Nachfolger zu entwickeln.

Aber es funktioniert – auch wenn viele Fans vielleicht von einigen Teilen enttäuscht sein werden – solange man sich über eines klar wird: In seinem Kern war schon Xenoverse ein Beat’em Up mit Story und kleineren RPG-Elementen und das bleibt eben auch im Nachfolger erhalten. Man sollte diesbezüglich keine großen Änderungen erwarten, sondern lediglich Anpassungen. Dementsprechend bleibe ich bei meinen Worten aus dem Preview, als ich schrieb: „Das Sequel macht eigentlich alles noch einmal besser, intelligenter und auf jeden Fall umfangreicher, als der ohnehin schon sehr gute Vorgänger.“ Das ergänze ich nun noch mit den Worten „Man sollte aber nicht allzu viel  Neues erwarten“ und schicke euch damit in unseren Test zum Spiel:

Auf gehts, Zeitpatrouille!

Der größte Wermutstropfen für Fans des Vorgängers dürfte wohl die Story von Dragon Ball Xenoverse 2 sein. Denn wie im ersten Teil seid ihr wieder ein Teil der sogenannten Zeitpatrouille, die es sich zur Aufgabe gemacht hat Veränderungen in der Zeitlinie zu finden und zu neutralisieren. Habt ihr euch euren eigenen Charakter erstellt, was nach wie vor eine wahre Freude ist, und die ersten Tutorial-Missionen erledigt, geht es eigentlich schon rund. Erneut haben es sich die Bösewichte Towa und Mira vorgenommen, die Dragon Ball-Zeitlinie zu verändern und somit ihre eigene Macht zu festigen. Wieder einmal sind euer Avatar und Fan-Liebling Trunks die einzigen, die ihnen dank der Hilfe der Kaio Einhalt gebieten können.

Und auch wenn sich die Bösewichte Hilfe von neuen Charakteren holen, wie dem Namekianer Slug und dem Saiyajin Turles, spielen sich die Story-Segmente doch weitesgehend genauso, wie in Xenoverse. Ich möchte nicht spoilern, aber wer den Vorgänger gespielt hat, wird sich wahrscheinlich nicht unbedingt darüber freuen, dass er alles, was er bereits gespielt hat, nochmals spielen muss. Klar, gibt es hier und da ein paar Abweichungen, aber unterm Strich bleiben diese minimal.

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Und natürlich kann ich auch nachvollziehen, dass die ursprüngliche Dragon Ball-Storyline abgeschlossen ist und man sich an dieser orientieren muss, aber Entwickler Dimps hätte zumindest versuchen können diese Geschichte in neue Bahnen zu lenken. Durch die Veränderungen in der Geschichte gäbe es genügend Möglichkeiten – wer einmal einen Zeitreisefilm gesehen oder ein entsprechendes Buch gelesen hat, wird mir da zustimmen – auch kleinste Veränderungen in gravierende Abweichungen münden zu lassen, statt dem Schema „Da ist eine Veränderung. Schnell hin und aufhalten.“ zu folgen.

Dennoch macht der Story-Modus Spaß. Und gerade für Neueinsteiger ist die von mir aufgeführte Kritik ja gar nicht relevant und selbst falls doch, sind da immer noch die brachial inszenierten Kämpfe, die auch langfristig bei Laune halten.

Kämpfen, Leveln, Ausrüsten

Die Kämpfe sind sowohl das Kernelement des Spiels, als auch das eigentliche Highlight. Auch wenn die Geschichte nett und die Nebenaufgaben – zu denen ich noch komme – unterhaltsam sind, sind es doch die beeindruckend inszenierten Kämpfe, die mich immer wieder zum Gamepad haben greifen lassen. Wer den Manga oder Anime kennt, darf sich über perfekt umgesetzte Moves, Animationen und Tricks freuen, die einen dank des tollen Cel Shading-Stils immer wieder beeindrucken. Die Movepalette stimmt auch diesmal, auch wenn sie „nur“ erweitert wurde. So lassen sich nach und nach immer neue Fähigkeiten und Skills freischalten, die genutzt werden wollen. Zudem wurde Feintuning bei den Spielmechaniken betrieben, was in neuen Ausweichmoves resultiert, oder es einfacher macht den Gegner auch mal auf Abstand zu halten. Die Kämpfe funktionieren einfach, sind intuitiv und äußerst flüssig inszeniert. Hervorragend!

Leider ist das Balancing noch nicht ganz perfekt, weswegen ich – und so ziemlich alle anderen, mit denen ich mich unterhalten habe – die Gewichtung auf Nahkämpfe gelegt haben. Hier läuft das Gameplay am besten, hier spielt es alle seine Trümpfe aus. Wenn man den Gegner mit Kombos eindeckt, sich hinter ihn teleportiert und eine Super-Attacke raushaut – die gerade in den ersten Spielstunden die Kämpfe auch sehr vereinfacht – ist das nicht nur fantastisch anzusehen, sondern man fühlt sich auch mittendrin im Gefecht.

Nachdem man eine Mission abgeschlossen hat, darf man sich über Erfahrungspunkte und Zeni freuen. Erfahrungspunkte lassen euch im Level aufsteigen, was euch in klassischer Rollenspiel-Manier Zugriff auf Attributspunkte gewährt, die ihr nach eigenen Wünschen verteilen könnt. Und auch wenn Gesundheit, Ausdauer und die Grundangriffswerte die wichtigsten Skillungen sind, könnt ihr euren Charakter so anpassen, wie es euch beliebt.

Auch optisch hat der Titel einiges zu bieten, denn in den entsprechenden Läden (mit Hilfe der erwähnten Zeni, die als Währung fungieren) oder durch Erledigen von Story-Missionen oder den sogenannten Parallel Quests – in denen ihr euch in Kämpfen mit Computergegnern entweder alleine, mit KI-Unterstützung oder anderen Spielern messen müsst – könnt ihr Ausrüstungsgegenstände erwerben, die von Handschuhen, Stiefeln, Hosen und Oberteilen über Schwerter, Brillen und Kopfbedeckungen reichen. Und auch wenn man lediglich eine optische Veränderung mit sich bringen, wird der meiste Teil eure Stats nochmals pushen. Hier muss abgewägt werden, wie man seinen Charakter aufbauen will. So oder so, es bringt mehr Vielfalt in ein ohnehin umfangreiches Spiel.

Nebenaufgaben und Beschäftigungen

Auch wenn ihr euch keinesfalls langfristig vor den Kämpfen drücken könnt, gibt es auch jenseits der Prügeleien einiges zu erleben. Allen voran natürlich Conton City, das nicht nur größer ist als die Tokitoki Stadt des Vorgängers , sondern dank verstreuter Gegenstände, Trainer und unterschiedlicher Gebiete auch zur Erkundung verleitet. Die Online-Lobby/Hub des Spiels ist von zahlreichen NPCs und echten Spielern, deren Avatare sichtbar sind, belebt und mit vielen kann auch gesprochen werden, um kleinere Nebenaufgaben (sprich Kämpfe in diesem Fall) oder Items zu erhalten. Zusätzlich gibt es noch Traineraufgaben, die als Mini-Spiele fungieren. So wirft Yamchu beispielsweise Steine in die Ferne, die zu finden schließlich Aufgabe des Spielers ist. Je nach Dauer fallen die Belohnungen auch unterschiedlich aus.

Außerdem wurden Teile der Welt in Zeitspalten gefangen, was für abwechslungsreiche Nebenquests sorgt, während man versucht herauszufinden, wieso diese Gebiete sind, wo sie sind. Dort kann man beispielsweise versuchen der Leibwächter des legendären Mr. Satan zu werden, oder füttert Boo, um ihn abzulenken und ihm nach und nach eine Familie zu erschaffen. Klingt seltsam? Ist es auch, macht aber dank des skurrilen Humors durchaus Spaß!

Und wer einmal in die Welt der fiesen Gegner schnuppern möchte, kann sich auch Freezers Armee anschließen. Schade dabei ist, dass es keine Auswirkungen auf die Story hat, aber zur Abwechslung trägt es auf jeden Fall bei.

Technik, Sound und Grafik

Da die Engine des Vorgängers beibehalten wurde, darf man auch hier keine allzu großen Veränderungen erwarten. Aber warum auch? Der Comic-Look sieht bei den Charakteren fantastisch aus, während die Umgebungen leider etwas steriler ausfallen. Das Spiel läuft flüssig mit 60fps und ohne spürbare Einbrüche in der Framerate.

Der Soundtrack ist Geschmackssache, konnte mich aber nicht überzeugen. Zu oft wirkten die Melodien austauschbar und im Fall der Stadt, in der man sich nunmal häufig aufhält, nervten sie mich sogar irgendwann. Dafür überzeugen die englischen Synchronsprecher. Schade ist allerdings, dass der eigene Avatar weiterhin stumm bleibt. Da hätte man mehr rausholen können und müssen, denn die gebotenen Mimiken und Gestiken sind auf  sehr niedrigen Niveau, was Abwechslungsreichtum angeht.

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Xenoverse 1.5?

Bevor wir ins Fazit übergehen, möchte ich noch eins, zwei Dinge ansprechen, die Auswirkungen auf die Wertung haben. Bereits erwähnt wurde die Story des Spiels, die der des Vorgängers sehr ähnelt und an vielen Stellen den gleichen Ablauf bietet. Das ist sehr schade und sollte für einen eventuellen dritten Teil unbedingt geändert werden. Denn noch einmal werde ich nicht (leichte Spoiler folgen) zusehen wollen, wie Piccolo dank meines Eingriffs mit der Höllenspirale den richtigen tötet, Vegeta in seiner Affenform besiegen, oder auf Namek gegen das Ginyu-Kommando antreten wollen. Mehr Kreativität bei der Story-Gestaltung wäre defintiv erwünscht.

Was mich allerdings besonders stört, sind die vielen recycelten Umgebungen und Stages. Diese wurden größtenteils aus dem Vorgänger übernommen und um einige wenige ergänzt. Das erscheint wömlgich vielen Käufern des Vorgängers und Nachfolgers als besonders dreist und man muss ihnen da einfach recht geben. Auch hier muss in Zukunft mehr kommen!

Auch wurden nicht alle Probleme des Vorgängers ausgemerzt: Auch in Dragon Ball Xenoverse 2 fliegt die KI mitunter nutzlos neben einem her und in engen Räumen sorgt die Kamera für nervige Übersichtsprobleme. Da muss man die Stages einfach vergrößern, denn so machen diese Auseiandersetzungen nur wenig Spaß.

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FAZIT

Doch trotz der nur kleinen Evolution innerhalb der Reihe macht Xenoverse 2 noch einmal mehr Spaß als der erste Teil. Der Umfang ist vergößert worden, es gab Feintuning in den Kämpfen und die Nebenaufgaben und das Aufleveln überzeugen auf ganzer Linie.

Wer auf der Suche nach einem richtig guten Anime-Kampfspiel ist, dessen Mechaniken wunderbar funktionieren und das zusätzliche Online-Modi bietet, der kommt um Dragon Ball Xenoverse 2 aktuell nicht herum. Wer den Vorgänger nicht kennt oder sich nicht daran stört, dass die Story kaum Neues bietet, sollte unbedingt mehr als nur einen Blick riskieren!

Dragon Ball Xenoverse 2 wurde auf der PlayStation 4 getestet, dank eines von Bandai Namco bereit gestellten Codes!

 

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