Gemini Rue Verschwörung auf Barracus Testbericht

By | 9 November, 2011

Joshua Nuernbergers Gemini Rue soll an Blade Runner erinnern. Das tut es auch, mit seiner Mischung aus Film-Noir und Science Fiction.

Die Story

Die Story teilt sich in zwei Stränge.
Zum einen spielen wir Azriel Odin, einen ehemaligen Mafia Killer der mittlerweile geläutert ist und die Boryokudan, so heißt die Mafia in Gemini Rue, zur Strecke bringen will. Er sucht auf dem Planeten Barracus – eben der düstere Film-Noir Planet im Bladerunnerstil – nach seinem Bruder. Dabei muss er sich, ob er will oder nicht, mit der Mafia einlassen.
Im zweiten Handlungsstrang wachen wir als Delta 6 in einer geheimnisvollen Forschungseinrichtung auf. Wir erfahren durch Lautsprecher vom Direktor, dass wir unsere Gedächtnislöschung einem Fluchtversuch verdanken. Uns bleibt nichts anderes übrig, als das Training, das wir zu absolvieren haben, wieder aufzunehmen und aus den anderen Insassen herauszubekommen, wer wir sind oder – besser gesagt – , waren.
Die Wechsel zwischen den beiden Protagonisten hängen anfangs nicht logisch zusammen, da man die Verbindung der beiden Handlungsstränge nicht versteht. Das Timing der Wechsel ist aber perfekt
Die Story ist sicher die große Stärke von Gemini Rue. Auf sehr gelungene Art werden die Stränge miteinander verknüpft, Storytwists eingebaut oder Zeitstränge verwoben. Von Anfang bis Ende ist die Story packend und man will wissen wie es weitergeht und selten bis gar nicht ist man nicht überrascht über das Geschehen.

Die Grafik

Ich will die Grafik mal früh im Bericht erwähnen, da sie eine der Besonderheiten des Spiels ist. Sie ist nämlich in einem Retro-Pixel-Stil gehalten. Es erinnert damit an die frühen Teile von Police Quest oder Leisure Suit Larry. Die Entscheidung, das Spiel auf diese Art zu gestalten will ich nicht bewerten. Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass es irgendwie sehr gut funktioniert. Sowohl die düster gestalteten Grafiken auf Barracus, als auch das klinisch helle Ambiente der Forschungsstation sehen, wenn man sich an die Pixel gewöhnt hat, sehr gut aus. Manchmal sind Gegenstände etwas schwer zu erkennen, da man mittlerweile gewohnt ist einen Ast in einem Spiel auch als genau das zu erkennen, da er perfekt gestaltet ist. In Gemini Rue könnte z.B. dieser Ast alles sein, ein Arm etwa oder eine Pistole. Kleinere Gegenstände mit groben Pixeln darzustellen hat eben seine Grenzen. Zum Glück wird das aber selten zum echten Problem, da die Rätsel eigentlich alle so logisch sind, dass man immer relativ genau weiß, wonach man sucht.
Im Testteam waren wir uns uneinig. Ein Teil fand es gut, dass die Grafik reduzierter war und nicht dem Trend ‘immer besser, schärfer, schicker’ folgt. Der andere Teil hätte sich genau dieses Spiel mit dieser Handlung in allerfeinster HD-Grafik gewünscht. Man kann – und da waren wir uns einig – guten Gewissens beiden Argumentationen folgen.

Der Sound

Mindestens genauso wie die Grafik trägt der Sound zu der düsteren Atmosphäre bei. Donnerschläge, prasselnder Regen, automatische Türen, hämmernde Maschinen.
Auch die musikalische Untermalung ist sehr stimmungsvoll und passt immer zu den aktuellen Geschehnissen. Man hat wirklich das Gefühl, einen professionellen Soundtrack zu einem guten Film zu hören. Dieser Eindruck wird auch durch die hervorragend gesprochenen Dialoge unterstützt.
Erwähnenswert sind sicher noch die Möglichkeiten, das Spiel im englischen Original zu spielen und einen Audiokommentar vom Entwickler Joshua Nuernberger zuzuschalten.

Das Spiel

Die Steuerung ist ähnlich „Retro“ wie die Grafik, aber eigentlich ist es eine typische Point-and-Klick Steuerung. Sehr schön ist der Befehl „treten“. Entweder auf etwas oder gegen etwas, wirklich eine teilweise sehr ulkige Funktion. Ansonsten steuert sich das Spiel intuitiv.
Eine Besonderheit in der Steuerung sind sicherlich die Feuergefechte. Hier wird mit der Tastatur rumgeballert, was die Munition hergibt. Als sehr schöne Idee lernt man das Schießen in einer Simulation als Delta 6, um es dann als Azriel im Ernstfall anzuwenden. Besonders schwierig – und auch besonders aufregend – ist die Ballerei leider nicht, aber irgendwie eine nette Idee und eine schöne Auflockerung.
Die Rätsel in Gemini Rue sind gut. Sie sind logisch aber nicht langweilig. Mal muss man im Netz recherchieren, mal muss man Mafia Schlägern mit dem richtigen Timing entkommen, mal muss man klassisch kombinieren, mal muss man die Probleme in Gesprächen lösen. Längere Hänger hat man zum Glück nie, da man eigentlich immer weiß, was zu tun ist. Das Einzige was ein wenig nervig war, oder im Testteam zu Lachern führte, war die Beschränktheit der Spielwelt. So gibt es etwa nur ein frei zugängliches Wohnhaus und immer wenn man jemanden sucht wohnt er wo? Naja, eben in diesem Wohnhaus. Ein paar Bilder mehr wären da wirklich wünschenswert gewesen.
Minirätsel innerhalb des Spiels gibt es auch, nämlich eins. Das aber, ähnlich wie das Wohnhaus, nicht nur einmal beansprucht wird. Auch das war etwas schade.
Trotzdem muss man sagen, dass man sich schnell an die Welt gewöhnt hat und der Spaß absolut dominiert.

Fazit

Gemini Rue ist mit Sicherheit eine der größeren Überraschungen der letzten Jahre. Das liegt vor allem an der intelligenten Handlung, die keine Längen zulässt und nie langweilig wird. Auch die dichte Atmosphäre weiß von der ersten bis zur letzten Minute zu überzeugen. Zu kritisieren sind sicherlich die etwas spärlichen Spielbilder und die Gesamtlänge. Mit nur 6-8 Stunden Spielzeit ist man ziemlich überrascht, wenn das Spiel dann tatsächlich vorbei ist.
Trotzdem ist das Spiel vor allem Genreliebhabern absolut zu empfehlen.

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