The Witness – Review

the witness review

Eine alte Weisheit besagt, dass man ein Buch niemals nach seinem Einband beurteilen sollte. Auf kaum ein anderes Spiel, das in der näheren Vergangenheit veröffentlicht wurde, trifft dieses Sprichwort mehr zu als auf den Puzzler The Witness.

Oder wie wäre es sonst zu erklären, dass plötzlich ein Werk, das den Spieler nicht nur in regelmäßigen Abständen vor die Wand laufen lässt, sondern sich darüber hinaus ausschließlich auf das Lösen von zweidimensionalen Labyrinthen als tragendes Gameplay-Fundament verlässt, plötzlich als neuer Puzzle-Heiland gefeiert wird? Ganz einfach: Hinter der zunächst recht trocken wirkenden Fassade versteckt sich ein unterhaltsamer Entertainment-Cocktail, zu dessen wichtigsten Zutaten zum Teil brutale Kopfnüsse, eine malerische Spielwelt und Belohnungs-Momente, wie sie zuletzt allenfalls „Dark Souls“ zu bieten hatte, gehören.

Die Parallelen zum düsteren Rollenspiel von Form Software werden schnell deutlich. Auch in The Witness werden die Spieler nicht an die Hand genommen, sondern stehen vor der Aufgabe, sich selbst ein Bild von dem zu machen, was an Herausforderungen vor ihnen liegt. Spielerisch präsentiert sich das aktuelle Projekt von Jonathan Blow als ein Puzzler, der aus der First-Person-Perspektive gespielt wird. Angesiedelt wurde das Abenteuer auf einer malerischen Insel, die kaum abwechslungsreicher ausfallen könnte und in regelmäßigen Abständen mit neuen Settings und Eindrücken lockt. Der Haken an der Sache: Tutorials oder NPCs, die nützliche Tipps bereithalten, wird man vergebens suchen.

Stattdessen liegt es am Spieler, die Insel zu erkunden und herauszufinden, welches Rätsel als nächstes gelöst werden muss, um beispielsweise eine Tür öffnen und den eigenen Weg fortsetzen zu können. Nicht immer sind diese auf den ersten Blick zu finden. Im Gegenteil: Mitunter zieht die eine oder andere Stunde ins Land, ehe man auf das richtige Rätsel stößt. Von diesen gibt es rund 600, die allerdings nicht alle geknackt werden müssen, um „The Witness“ abschließen zu können. Perfektionisten, die sämtliche Kopfnüsse meistern möchten, werden laut Entwicklerangaben zwischen 80 und 100 Stunden Spielzeit einplanen müssen. Ein normaler Spieldurchlauf hingegen sollte in 15 bis 20 Stunden zu realisieren sein.

Doch was hat es mit den Puzzles im Detail auf sich? Diese Frage ist schnell beantwortet. In The Witness warten sogenannte Linien-Puzzles auf die Spieler, in denen es darum geht, einen Start- und einen Endpunkt mittels einer Linie zu verbinden. Klingt simpel? Das mag anfangs stimmen. Mit zunehmender Spieldauer legen die Rätsel jedoch zu und konfrontieren selbst Puzzle-Veteranen mit Kopfnüssen, die es in sich haben. Wie wäre es beispielsweise mit zwei Linien, die gleichzeitig gezeichnet werden wollen, oder Momenten, in denen Linien aus dem Kopf heraus gezeichnet werden müssen? In einer gespiegelten Version, versteht sich. Die Aufgaben sind so facettenreich wie interessant gestaltet. Das Schöne daran: Dank der offenen Spielwelt bleiben Frustmomente fast gänzlich aus. Lässt sich ein Puzzle auch nach mehreren Anläufen nicht lösen, nimmt man einfach ein anderes in Angriff und kehrt zu einem späteren Zeitpunkt zurück, um es noch einmal zu versuchen.

Auf Lösungen aus dem Internet sollte man aller knackigen Aufgaben zum Trotz nicht zurückgreifen. Da es den Entwicklern von Thekla auf hervorragende Art und Weise gelang, den Spieler in The Witness nach und nach an neue Aufgaben und Elemente, mit denen die Rätsel aufwarten, heranzuführen, würden sich Komplettlösungen und Walkthroughs negativ auf die allgemeine Spielerfahrung auswirken.

Nicht nur spielerisch, auch technisch gibt es bei The Witness nichts zu beanstanden. Die farbenfrohe Insel fungiert als atmosphärisches Grundgerüst des Abenteuers und überrascht selbst nach zunehmender Spieldauer noch mit kleinen optischen Schmankerln. Auf den Bildschirm gezaubert wird die PS4-Fassung des Open-World-Puzzlers in der nativen 900p-Auflösung und butterweichen 60 Bildern die Sekunde.

Über den Autor

Chefermittler
Chefermittler
Spiele spielen und dann noch spielen!

Kommentar hinterlassen zu "The Witness – Review"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*