Torchlight 2 / Review

By | 2 Oktober, 2012

Noch vor einiger Zeit hätte man Blizzard nicht widersprochen, wenn der Entwickler dreist Diablo als die beste Hack & Slay Serie bezeichnete. Doch nach dem beachtenswerten Erfolg von Runic Games’ Torchlight und Blizzards verbocktem Diablo-3-Launch bleibt die Frage weiterhin offen, welches Spiel den am besten besagtes Gerne repräsentiert. Das nun veröffentlichte Torchlight 2 kommt hierbei ganz nah an den Thron ran.

 

Bereits auf der gamescom 2010 hat das Entwickler Runic Games auf der in Deutschland beheimateten Messe aktiv für den Nachfolger von Torchlight beworben. Schon der erste Teil wurde von den Fans, wie auch der Presse sehr positiv aufgenommen, nur hat eine Klitzekleinigkeit gefehlt: Der Mehrspieler. Mit Torchlight 2 liefert der amerikanische Entwickler ein weiteres Hack & Slay Abenteuer jedoch noch umfangreicher als jemals zuvor.

 

Doch wurde nicht alles komplett erneuert. Wie schon der Vorgänger bietet auch Torchlight 2 bekannte Elemente des Genres. Dazu zählt die riesige frei erkundbare Oberwelt sowie unzählige zufallsgenerierte Dungeons. Spieler, die sich in Torchlight besonders über die tierischen Begleiter gefreut haben, kommen erneut in den Genuß der vierbeinigen Fellträger. Anders sieht es hingegen bei den Charakteren aus. Hier geht das Spiel ungewöhnliche Wege und ersetzt die alten Helden mit neuen. Das Besondere daran ist jedoch, dass einer der ursprünglichen Helden nun zum Oberbösewicht mutiert ist und die Figuren in Torchlight 2 bedroht. Schuld für den überraschenden Sinneswandel ist das verdorbene Herz des Endbosses aus Torchlight. Dieses hat den Verstand des Alchemisten befallen und diesen so gegen seine einstigen Verbündeten wenden lassen. Doch wie heißt es so schön, wenn alte Helden fallen, müssen halt neue her.

Aus diesem Grund hat man zu Spielbeginn die Auswahl zwischen vier verschiedenen Charakterklassen. Diese tragen die Titel Engineer, Outlander, Embermage und Berserker und verfügen über unterschiedliche Fähigkeiten und Spezialisierungen. Der Outlander zum Beispiel verwendet im Kampf am Liebsten duale Pistolen, mit denen er seine Feinde auch aus der Entfernung über den Haufen schießen kann. Dennoch darf der Charakter auch im Nahkampf ran. Um den unendlich erscheinenden Monstern auch Herr zu werden, dürfen die Helden während des Kampfgeschehens auch auf verschiedene magische Fähigkeiten zurückgreifen. Hierbei stehen insgesamt drei verschiedene Talentbäume zu Verfügung.

 

Inhaltlich bietet das Spiel Genreüblich zahlreiche Quests und Aufgaben, die am Ende mit einer Belohnung sowie jeder Menge Gold winken. Besagtes Edelmetall kann dann beim Händler des Vertrauens gegen bessere Ausrüstungsgegenstände eingetauscht werden. Doch sollte man in manchen Situationen ein wenig sparsam mit dem Gold umgehen. Befindet man sich gerade auf einer fröhlichen Entdeckertour durch eine von unzähligen Giftspinnen besiedelte Höhle, kann es schon einmal schnell passieren, dass der Held seinen virtuellen Löffel abgibt. Daraufhin erhält der Spieler für einen gewissen Goldbetrag die Möglichkeit, sich direkt wieder vor Ort oder am Anfang des Areals wiederbeleben zu lassen. Dumm nur, wenn man keine Kohle für eine der beiden Optionen zu Verfügung hat. So bleibt einem gefallenen Helden nichts anderes übrig, als den langen Weg von der zuletzt besuchten Stadt hin zum Dungeon erneut zu bewältigen. Falls man sich als Spieler für den Normalen-Schwierigkeitsgrad entschieden hat, dürfte der Weg jedoch kein allzu großes Hindernis darstellen. Das ist leider auch einer der Kritikpunkten des Spiels. Falls man sich nicht für einen härteren Grad innerhalb von Torchlight 2 entschieden hat, kann man sich mit seinem Charakter ohne große Probleme förmlich durch Monster und Gegnerhorden durchfräßen, ohne groß Lebenspunkte zu verlieren. Hier wirkt auch das Pet ein wenig überpowert.

Doch auch der beste Begleiter, der zudem als Lastesel missbraucht werden darf, ist vor einigen Wegfindungsproblemen gefeit. Während des Spielens ist uns aufgefallen, dass unser zotteliger Gefährte ab und zu von Höhenunterschieden verwirrt ist. So erkennt er zwar, dass sich ein Monster vor ihm befindet, jedoch auch eine Etage höher. Während unser Held also versucht alle Gegner platt zu machen, steht der Fellträger bewegungslos vor dem Felsvorsprung und wartet. In den meisten Fällen kann man sich jedoch auf seinen Begleiter verlassen.

 

Eine weitere Neuerung von Torchlight 2 ist die sogenannte Charge-Leiste. Diese füllt sich während der Kämpfe mit Energie auf. Ist das Ende der Leiste erreicht, bekommt der Spieler für kurze Zeit einige Boni verpasst. Zum Beispiel kann sich so die Chance erhöhen, mehr krischen Schaden zu verursachen. Das ist besonders bei Bosskämpfen und anderen Auseinandersetzungen mit Gegnerhorden von Vorteil. In der Erzählweise der Geschichte wirkt Torchlight 2 so, als hätten die Entwickler nicht wirklich Lust darauf gehabt, irgendeinen Grund für das Ganze Kill & Loot zu erfinden. Zum Beispiel wurden nur die Main-Quests mit einer Sprachausgabe versehen, während die restlichen Aufträge rein als Text in einem Kasten angezeigt werden. Das reist den Spieler nicht nur aus der Spielwelt, sondern langweilt zumeist auch noch. Meistens besteht eine Aufgabe sowieso darin, dass man von Punkt A nach Punkt B marschieren muss, alle Monster auf dem Weg dahin umbringen und anschließend irgendeinen Superboss besiegen oder ein bestimmtes Item finden muss. Aufgabenvielfalt sucht man hier vergebens. Doch muss man dem Spiel zugutehalten, dass es auch nicht das ist, was die Spieler begeistert. Unzählige verschiedene Gegenstände, Objekte, Waffen, Tränke und, und, und warten nur darauf aufgesammelt, getauscht, verkauft, integriert, aktiviert, eingesetzt und getragen zu werden.

 

Viele der eingesammelten Objekte können, egal ob Waffe- oder Rüstungsgegenstand, ähnlich wie bei Diablo 3 mit verschiedenen Runen magisch aufgewertet werden. Anders als bei der Teufelshatz von Blizzard, wird der Spieler bei Torchlight 2 förmlich mit Runen und Edelsteinen überhäuft. Da kann einem die Auswahl ganz schön schwerfallen. Doch selbst wenn man sich einmal falsch entschieden und eine schwächere Rune eingesetzt hat, macht das überhaupt nichts. Bereits das nächste Monster könnte eine stärkere Waffe oder härteres Rüstungsteil mit sich herumschleppen. Gleiches Prinzip gilt auch bei den bereits erwähnten Skilltrees. Wie in so manchem Onlinerollenspiel können sich Spieler auf die gute alte Weise verskillen und die falschen Fähigkeiten erlernen. Hat man jedoch das nötige Kleingeld, kann man sich beim Hexer seines Vertrauens einen Skill-Reset kaufen.

 

Apropos Online. Endlich können Spieler nicht nur dank Modifikationen mit anderen Personen auf Loot und Item Jagd gehen. Runic Games hat einen Ko-op-Modus in Torchlight 2 eingebaut, bei dem bis zu sechs Spieler gleichzeitig Monster plätten und sich um die verschiedenen Schätze streiten dürfen. Besonders lustig ist das, wenn eine Gruppe im Spiel schon ziemlich fortgeschritten und einen hohen Level erreicht hat. Wenn es dann gegen eine ganze Horde von Monstern geht und jeder seine Zauber auspackt, kann so mancher bei dem ganzen Effektfeuerwerk schnell mal den Überblick verlieren. Doch die meiste Zeit lässt sich alles, trotz fester, Kamera auf dem Bildschirm gut erkennen. Auch Feinde hinter Objekten werden deutlich rot gekennzeichnet und können so leicht attackiert werden. Optisch baut das Spiel erneut auf einen Comic-Look, der wiederum auf der Open-Source-Grafikengine OGRE basiert. Diese wurde bereits beim Vorgänger verwendet.

[box type="tick" size="large"]Fazit: Torchlight 2 bügelt die Fehler seines Vorgängers aus und liefert den Fans genau das, was sie wollen. Ein vermeintlich stumpfes Hack & Slay Abenteuer mit soviel Items zum Looten, dass der Spieler bald nicht mehr weis wohin mit dem ganzen Zeug. Besonders viel Spass macht Torchlight 2 in dem neuen Ko-op-Modus. Hier können die Spieler gemeinsam das Abenteuer und die verschiedenen Quests bestreiten und im Grunde einfach jede menge Spaß erleben. Alle, die von Diablo 3 enttäuscht sind, sollten unbedingt einen Blick in Torchlight 2 werfen. Alle anderen natürlich auch![/box]

 

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