Es gibt Tage eines Spieleredakteurs, da bündeln sich alle Fragmente zu einer Glückskeksintifada, die einen Rausch an Leidenschaft und Verliebtheit hervorrufen und den Rezensenten auf eine Reise durch die fragwürdigsten Gedankengänge einlädt.


Was erlaube Sega?

Da rechnete ich in jüngster Vergangenheit mit dem abnippeln des einstigen Musterknaben der Hard- und Softwareindustrie, erscheint plötzlich Urmel aus dem Eis, als Phoenix aus der Asche und zeigt Kritikern die lange Nase.

„Adriaan“ und wer möchte Ihnen nach dem Konsum von Bayonetta noch widersprechen, ich zumindest nicht.

Der Titel ist ein Jahrundertprodukt welches aus tiefstem Irrsinn geboren scheint. Wo mein Prozess der Wahrnehmung erst in Kraft trat, als alle Vorhänge fielen. Wie ein verfilmtes Reclam Heft mit 10facher Vorspulgeschwindigkeit im Rausch von Bild- und Tongewalt. Wie..schon vorbei?.

Bayonetta unsere bizarre Heldin in Stars und Stripes, legitimiert Gewaltobsession gegen Erzengel, göttliche Armeen oder Musterhausens WG. Sie folgt Ihren eigenen diffusen Zielen und will gar nicht als Zauberberg Romanvorlage herhalten oder ernst genommen werden.

Das überzeichnete Charakterdesign findet sich auch in allen anderen Protagonisten wieder. Nebendarsteller wandeln zwischen Wahnsinn und Realität und dies mit teils groteskem Overacting. Als bestes Beispiel dient der Höllenfürst der jedes Klischee ad absurdum führt, mit tiefschwarzem Teint und sonorer Barry White Stimme und ein Jazzlokal im Untergeschoss betreibt.

Bayonettas sexualisiertes Antlitz im karnevalistischen Sekretärinnen Outfit includierter Hornbrille konterkariert Ernsthaftigkeit. Jedweder Strasskitsch versammelt sich an/auf unserer schwarzen Witwe und verführt zu einem „WOW“.

Ihre mächtigen Waffen sind Ihr splissfreies dementoren Schwarzhaar und ihre SM Schuhabsätze, an denen dicke Wummen thronen – überzogen und obsolet? – nein krisensicher und Pornofeuerwerk.

Untermalt wird das opulente Spektralgewitter mit pompös verfremdeten Jazzklängen und schmissigem Japano Pop, der den Spieler zu einer Tanztee Darbietung verführt. Das Tempo der Beats per Minute variert von Tantra bis Speed Metal, ist meistens auf den Punkt gegaart und selten Englisch.

Bayonettas Universum kopiert-erschafft-verfälscht viele Elemente, setzt sie neu zusammen und zaubert dazu noch eine schmackhaft grandiose Spielbarkeit.

Mir war häufig nicht klar, wieso ich, wann, was drücken sollte, nur um eine ultimative QuatroKombo zu starten. Störte kaum; egal wie grobmotorisch ich vorging, die Darstellung der Manöver unserer Protagonistin sahen immer nach Pro-Gamer aus und nie nach Schluck Wasser in der Kurve; chapeau.

Unsere Heldin ist der Ursprung einer coolen Sau und Narziss Stief-Schwester die Wizard of Oz, Singing in the Rain und Devil Rejects als Charaktercoktail mixt.

Der Vorhang fällt mit tosendem Applaus. Adrenalinjunkies seien jedoch gewarnt, dem entgültigen letzten Akt folgt kalter Entzug und raumgreifende Leere.

Kompliment dem Entwicklerstudio und der Programmierkunst der werten Herren, die eine zauberhafte Liebeserklärung ohne Eitelkeit abliefern.

Wer bei Bayonetta nicht wenigstens Feuer oder Flamme ist, dem sei ein anderes Hobby oder der Batteriewechsel des Herzschrittmachers empfohlen.

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