Big Bang
Weihnachten 2.0 im Februar 010 auf der Normandy mit Shepard und seiner Besatzung. Unser Held des ersten Teils ist zurück und beweist ein zweites Mal, dass monumentale Geschichten nicht nur im Völkerreich der Literatur oder des Celluloids existieren, sondern auch im Videospiel. Das hier Method Acting genauso existent ist wie Timing und angekratzte Egos.
Die Welt um und über unseren Protagonisten, ist ein in sich geschlossenes und dynamisches Subuniversum, voll verquerer Rassen und deren Ressentiments untereinander.
Wo vieles scheint und manches ist. Die Andockstation des Nachfolgers berichtet von einem Shepard, dessen überleben in den Händen eines Großindustriellen lag und seiner Institution „Cerberus“, deren Handeln so diffus wirkt wie sein Besitzer „der Unbekannte“ selbst.
Auf seinem Weg zur Wahrheitsfindung warum jemand, wie beim 6 Millionen Dollar Mann, ein Heidengeld zu seiner Rekonstruktion spendet, beweist er Überlebensgeschick. Sodann begleitet er gescheiterte Existensen, schlichtet und liebt.
Ob die Aufträge seines Lebensretters here Ziele verfolgen oder nur für Bombenstimmung sorgen, lege ich in die Hände des Spielenden.
Ereignishorizont
Bioware hat an den richtigen Draht zu Modern Times und verbessert an kalten Lötstellen des Vorgängers. Schärfere, detailreichere Architektur, weniger stereotype Areale, keine sich aufbauenden Texturen oder verspätete Nachlader selbiger.
Ruckeln und Tearing hat Hausverbot, dafür gibt’s aufgebohrte exzellente Gesichtsanimationen, die zu süperber Mimik/Gestik einladen und dadurch eine glaubhafte Welt aus Bits & Bytes erschaffen.
Mass Effect 2 ist optisch die perfekte Tauschmutti fürs reale Leben, wobei hier keine Grafikreferenz abgeliefert wird, welches auch nicht erforderlich ist, da das visuelle Gesamtkonzept überzeugt.
Schwerelosigkeit
Mass Effect 2 wird geprägt von elektronischen, Ambient und klassischen Klangelementen, die einen wunderbaren Spannungsbogen erzeugen. Melancholische Passagen tragen zur Wahrnehmung von Unendlichkeit bei und laden den Zuhörer zu einer geistigen Tingelei ein.
Die deutsche Sprachausgabe ist fantastisch und wurde mit viel Chuzpe synchronisiert. Alle Rassen haben Ihre Eigenarten und einen unverwechselbaren Charme, gerade die glaubhaften Dialekte und Stimmlagen erfreuen das Herz des Zuhörers.
Die Effekte untermauern den exzellenten Ton und bilden einen krönenden diplomierten Dolby Digital Abschluss.
Anziehungskraft
Le roi est mort, vive le roi
Die Citadelle ist Anlaufpunkt für Up Tempo Aufträge und gepflegte Langeweile.
Hier verweilt ein variantenreiches Konsortium an Sience/Fiction und auch wenn niemand „Mass“ geschrien hätte, „Effect 2“ ist Platzhirsch, der jedwede Konkurrenz wie Streubenzin im Fegefeuer pulverisiert.
Endlich wird wieder empathische Geschichte geschrieben und man verweilt Gedankenverloren auf extraterestrischen Planeten.
Mühselig empfand ich nur das Wagniss des Mehrshooteranteils und der Platzhalter MB Minispielchen. Wieso Mikrofilme verglichen werden oder ich Memory und Minesweeper spielen soll, erschloss sich mir nicht. Hier bekommt der pompöse Lack Risse und man schaut auf ödes Weiß.
Jedoch sind diese Seitenstich-Ausflüge marginal und schmälern das Gesamtwerk nicht. Shepard und die Crew der „Normandy“ brennen sich in Aug und Ohr.
Messis auf gemerkt: Wer allen Bewohnern sein Wohlwollen schenkt und sich jeder Nebenaufgabe widmet, braucht einen langen Atem der Zeit.
Das schlechteste was Mass Effekt einem zumutet ist die Verweildauer auf den dritten Teil, hier wünschte man sich ein echtes Wurmloch um der langen Wartezeit keinen Raum zu schenken.


