Adventure „Die Säulen der Erde – Review

Säulen der Erde Review
Der Roman „Die Säulen der Erde“ des walisischen Schriftstellers Ken Follett ist einer der populärsten historischen Romane überhaupt: In 30 Sprachen übersetzt, konnte er sich seit seinem Erscheinen im Jahr 1989 mehr als 25 Millionen Mal verkaufen. Nachdem das Buch bereits als TV-Serie und sogar als Brettspiel umgesetzt wurde, wagte sich der bekannte deutsche Publisher Daedalic Entertainment jüngst an eine mehrteilige Computerspielumsetzung. Der Test verrät, ob dem Kathedralen-Drama der Sprung in das neue Medium gelungen ist.

Glaube und Anarchie

Genau wie der Roman, handelt auch das Computerspiel im England des 12. Jahrhunderts. Nach dem Tod König Heinrichs I. im Jahr 1135, welcher eine unklare Erbfolge zur Folge hatte, herrscht Bürgerkrieg im Land – in der Geschichtsschreibung als Anarchie bekannt, deren Auswirkungen auch die Protagonisten des Spiels nicht verschont lassen.

Inspiriert von der Entstehungsgeschichte der realen Kathedrale von Salisbury, erzählt Die Säulen der Erde die Geschichte des Prioren Philip, der im fiktiven Ort Kingsbridge eine Kathedrale in fortschrittlicher gotischer Bauweise errichten möchte, und Tom Builders, seines Baumeisters. Mit letzterem beginnen wir das Spiel und werden Zeuge der Geburt seines dritten Kindes, im Zuge dessen allerdings seine Frau – geschwächt von Hunger und Kälte – ihr Leben lässt. So geschieht es, dass Tom Builder fortan allein für seine Familie sorgen muss, was die Aufnahme einer einträglichen Anstellung noch dringlicher macht. Doch in den Wirren des Bürgerkrieges gestaltet sich der Bau der ambitionierten Kathedrale alles andere als leicht und bleibt vom Machtkampf um den englischen Thron, von Intrigen und Verschwörungen nicht unberührt.

Ein idealer Einstieg

Der im August erschienene erste Teil der Umsetzung umfasst den Prolog sowie Buch 1 mit dem Titel „Aus der Asche“. Daneben sind zwei Fortsetzungen geplant, die in den kommenden Monaten erscheinen sollen.

Fans der literarischen Vorlage brauchen nicht länger zu zögern: Daedalic ist eine erstaunlich überzeugende Adaption des monumentalen Historienromans gelungen, deren erster Teil zumindest einmal angespielt werden sollte. Das Spiel ist so zugänglich, dass selbst unerfahrene Spieler keine Probleme haben werden, das Abenteuer zu bestreiten. So ist Die Säulen der Erde nebenher ein idealer Einstieg in das Adventure-Genre für Gelegenheitsspieler ohne Vorerfahrungen.

Etwas anders verhält es sich mit Adventure-Liebhabern, die der Vorlage eher gleichgültig gegenüberstehen. Solche Spieler sollten sich der Tatsache bewusst sein, dass Die Säulen der Erde dem Ideal eines interaktiven Romans nähersteht als klassischen, rätselorientierten Point-&-Click-Adventures. So sind spielerische Herausforderungen zumindest im ersten Teil praktisch nicht vorhanden und auch die Bedienung folgt althergebrachten Adventure-Konventionen. Innovativ ist nur das Inventarsystem: Neben dem gewohnten Inventar für Gegenstände kommt ein zusätzliches Inventar für Informationen und Gedanken zum Einsatz – eine originelle Idee, die in den beiden Nachfolgern hoffentlich noch intensiver genutzt wird.

In jedem Fall dürfen sich Follett-Unkundige auf eine faszinierende und gut erzählte Geschichte mit sehr viel Tiefgang freuen, welche zwar komplex ist, aber auch ohne Kenntnisse der Romanvorlage stets nachvollziehbar und verständlich bleibt: Alle notwendigen Informationen werden im Spiel vermittelt, was zugleich bedeutet, dass Die Säulen der Erde relativ dialog- und textlastig daherkommt und vom Spieler das Lesen längerer Dokumente verlangt.

Malerisches Mittelalter

Entscheidenden Anteil an der dichten Atmosphäre und am Spielerlebnis hat auch die äußerst gelungene Grafik: Daedalic machen ihrem Ruf als handwerklich versierte Adventure-Experten alle Ehre und zaubern handgezeichnete Hintergrüne auf den Bildschirm, die mit schönem Stil und einer Fülle von Details überzeugen. In Bewegung sieht das Gebotene sogar noch besser aus als auf Screenshots, da erst dann die zahlreichen Animationen zur Geltung kommen, wie etwa das Sich-Wiegen von Bäumen im Wind.

Daneben lässt Die Säulen der Erde auch akustisch keine Wünsche offen: Die Sprachausgabe ist auf Deutsch verfügbar und so exzellent, dass selbst bei längeren Dialogen kein Eindruck von Monotonie entsteht, während die stets passende musikalische Untermalung die Soundkulisse hervorragend abrundet.

Die Säulen der Erde – mein Fazit

Publisher Daedalic bewies viel Mut mit seinem Vorhaben, einen mehr als 1000 Seiten starken Roman als Computerspiel umsetzen zu wollen. Der erste Teil des in Episodenform geplanten Spiels entpuppt sich allerdings als rundum gelungener Auftakt der Serie, der kaum Anlass zur Kritik bietet – zumindest dann nicht, wenn man nicht mit falschen Erwartungen an das Spiel geht: Die Säulen der Erde richtet sich auch und besonders an Genre-Einsteiger und ist eher eine interaktive Erzählung als ein vollwertiges Adventure mit Rätseln. Ein Roman zum Spielen also, mit der gelegentlichen Möglichkeit, Entscheidungen treffen zu dürfen, die von der Handlung der Vorlage abweichen. Das dürfte selbst bei Follett-Kennern für Spannung sorgen. Auf die beiden Fortsetzungen darf man sich unterdessen freuen. Und wer weiß: Wenn die Verkäufe stimmen, vielleicht kommen wir dann auch in den Genuss einer Versoftung der Roman-Fortsetzung „Die Tore der Welt“.

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