Alien vs. Predator – Test

Das Schicksal der zwei gefürchtetsten Monster der Film – und Videospielgeschichte liegt wieder in den Händen der Entwicklerschmiede Rebellion. Die Briten schufen mit dem ersten Alien vs. Predator, der nur für den PC erschien, den wohl gruseligsten Ego-Shooter des letzten Jahrzehnts. In Punkto Spannung konnte der Nachfolger, mit dessen Umsetzung jedoch Monolith (F.E.A.R.-Reihe) betraut wurde, nochmal einen Zahn zulegen. Jetzt ist es an dem Altmeister Rebellion, der sich zuletzt mit Gurken wie Rogue Warrior und Shellshock 2, nicht gerade mit Ruhm bekleckerte, die Serie glorreich fortzuführen.


Überlebender

Zunächst Erleichterung: Alle drei Rassen sind komplett spielbar und bekamen ihre Kampagne spendiert. Mit welchem Solo-Feldzug ihr dabei beginnt, schreibt euch das Spiel nicht vor. Der größte Gruselfaktor stellt sich jedoch nach wie vor ein, wenn ihr mit dem Marine in die Schlacht zieht. Rookie, so der Name des Protagonisten, wurde bei einem Angriff von seinem Squad getrennt. Zunächst allein, muss er Anschluss an sein Team finden. Doch der Weg führt die alienverseuchte Kolonie. Schnell stellen sich die Nackenhaare auf, allerdings weniger aufgrund der atmosphärischen Sound – und Musikkulisse.  Das Synonym für Angst und Schrecken findet sich vielmehr allseits präsent auf eurem HUD, gemeint ist der Bewegungsmelder – das Markenzeichen der Franchise. Jede kleinste Bewegung, sei es selbst Gas, das aus einem Rohr austritt, wird registriert und mit markantem Beep-Ton ausgegeben. Außerdem tappt der Marine sprichwörtlich im Dunkeln. Mit dem kümmerlichen Licht der Taschenlampe lassen sich die düsteren Areale nur schlecht ausleuchten. Auch die Fackeln, von denen ihr zwar eine unbegrenzte Anzahl mitführt, aber nur eine gleichzeitig werfen dürft, sind keine große Hilfe.

Jäger

Fast schon übermächtig fühlt man sich hingegen in der Haut eines Predators. Diese hochtechnologisierten Wesen haben selbst Actionikone Arnold Schwarzennegger fast in die Knie gezwungen. Ihre Gefährlichkeit sowohl im Nahkampf als auch aus der Ferne, sowie die Möglichkeit für eine begrenzte Zeit unsichtbar zu agieren, macht sie zu perfekten Jägern. Da sie ihre Beute mittels verschiedener Sichtmodi bestens ausspähen können, macht dieser Spezies selbst die Dunkelheit nichts aus. Doch wo Licht, ist bekanntlich auch Schatten. Plasmawerfer, Wurfdiskus und andere Schießprügel zehren an dem Energievorrat des Predators. Ist dieser aufgebraucht, bleiben ihm nur seine Klingen. Nur damit ausgestattet endet ein Kampf gegen mehrere, bewaffnete Marines selten für den Predator. Daher muss er hin und wieder Energiequellen anzapfen, die spärlich in den Levels verteilt sind. Kontrovers sind die spielerisch überflüssigen Finishing-Moves, bei denen die Pixelfeinde schon mal in einer detaillierten Animation den Kopf verlieren. Das sah die USK ebenso und verweigerte Alien vs. Predator die Kennzeichnung. Fortan droht die Indizierung durch die hiesige Bundesprüfstelle für jugendgefährdete Medien (BPjM).

Opfer

Dann wäre da noch das Alien. Dieser Rasse ist eigentlich die Opferrolle zu zuschreiben, verlassen sich die Kreaturen bei der Beutesuche doch einzig und allein auf ihre scharfen Klauen und den langen, sichelförmigen Schwanz. Diese Annahme ist aber bedingt richtig. In offenem Gefecht gegen Marine und Predator ziehen diese insektenähnlichen Wesen tatsächlich den Kürzen. Ihre Stärke ist aber ihre enorme Wendigkeit. Nur Aliens können Wände und Objekte hochklettern und sich in Rohren und Nischen verkriechen, um dort auf Opfer zu lauern. Um die flinken Biester effektiv in Reichweite der Feinde zu dirigieren, benötigt es jedoch einiges an Eingewöhnungszeit. Die Steuerung fällt besonders konfus aus, wenn man seine räumliche Position wechseln möchte, etwa von der Decke auf den Boden landen möchte.

Déjàvu

Egal wie eure Wahl letztendlich ausfällt, ein Gefühl werdet ihr beim Spielen der Kampagnen garantiert nicht los: Nämlich alle Levels schon einmal gesehen zu haben. Rebellion schickt euch nämlich stets in die selben Areale, nur in veränderter Reihenfolge und mit einer anderen Aufgabe. Als Alien büchst ihr etwa zu Beginn aus einer geheimen Forschungseinrichtung aus, der Marine und Predator betreten nur wenig später in ihrer Kampagne den baugleichen Level. Das Backtracking könnte man ja noch verschmerzen, gäbe es einen spannenden Storyunterbau. Doch die dünne, vorhersehbare Handlung mitsamt seiner austauschbaren Charakteren (einzige Ausnahme: Lance Henriksen, der  erneut dem erfolgshungrigen Unternehmer Karl Bishop Weyland seine Stimme leiht) wird die Spieler kaum vor den Bildschirm fesseln. Ferner ist es schade, dass es Rebellion versäumt hat, die Franchise konsequent weiterzuentwickeln, geschweige denn einen eigenen Stempel aufzudrücken. Stattdessen wird mit altbekannten Elementen aus den Vorgängern gekocht. So fühlt sich Alien vs. Predator genauso an, wie die letzten zwei Spiele zuvor.

Survival of the Fittest: Der Mehrspieler-Modus

Längst nicht alle Fans von Alien vs. Predator interessieren sich zwangsläufig für die Solo-Kampagnen. Denn die weitaus größere Popularität genießt ohnehin der Mehrspieler-Modus, in dem ihr selbstverständlich in die Rollen aller drei Rassen schlüpfen könnt. Nachdem mittels Matchmaking die passenden Mitspieler gefunden wurden, geht es direkt auf eines der wenigen Schlachtfelder. Die Spielmodi sind altbekannt: Aus der Fülle etlicher Deathmatch-Varianten ragen Infestation und Survivor hervor. Bei Ersterem startet ein Spieler als Alien, der Rest schlüpft in die gepanzerten Kampfanzüge des Marine Corps. Tötet ein Alien einen Menschen, so wird dieser bis zum Ende der Partie selbst zu einem todbringenden Außerirdischen. Witzig: Der letzte Überlebende sieht sich dann einer zahlmäßig überlegenen Armee ausgeliefert.

Ums nackte Überleben geht es auch bei letzterem Spielmodus namens Survivor. Hier kämpfen bis zu vier Marines gemeinsam gegen regelmäßige Wellen KI-gesteuerter Aliens. Mit zunehmender Dauer werden die Biester jedoch hartnäckiger und zahlenmäßig größer – ohne Absprachen beißt das ganze Team ratzfatz ins Gras. Schade, dass Rebellion lediglich ein dünnes Paket aus acht (!) unterschiedlichen Maps geschnürt hat. Das ist zu wenig, um langfristig zu unterhalten. Ferner wäre Feintuning im Hinblick auf die Balance wünschenswert gewesen. Als Alien sieht man in den größeren, besser ausgeleuchteten Außenarealen oft nicht den Hauch einer Chance gegen andere Rassen, weil ein effektiver Fernangriff fehlt.

Fazit:

Rebellion ist zurück. Die Befürchtungen, dass die Entwickler Alien vs. Predator ebenso gegen die Wand fahren, wie ihre letzten beiden Projekte Rogue Warrior und Shellshock 2, stellen sich als unbegründet heraus. Eine großartige Fortführung der Franchise ist Alien vs. Predator aber ebenso wenig. Der fehlende Mut, die Serie konsequent weiterzuentwickeln, dürfte das geringste Manko sein. Fans kaufen sich das Spiel ohnehin nur, wegen der originalgetreuen Umsetzung der Franchise. Wirklich enttäuschend ist aber die Tatsache, dass sowohl die Kampagne, als auch der Mehrspieler-Modus an vielen Stellen kranken.  Warum muss man sich im Solo-Feldzug ständig durch ähnliche Schlauchlevels kämpfen? Und weshalb fällt die Handlung so dünn aus, wie mein Gehalt in den vergangenen Jahren? Dem an sich gelungenen Mehrspieler-Modus mangelt es zudem an Maps, um die Langzeitmotivation aufrechthalten zu können. Bleibt also zu hoffen, dass Rebellion die Kritik ernst nimmt und den Nachfolger (der ist aufgrund des Verkaufserfolgs so gut wie sicher) in den Punkten feinpoliert.

Schreibe einen Kommentar