Aven Colony – Review PS4

Aven Colony
Strategiespiele, welche die Kolonisation fremder Planeten zum Inhalt haben, sind in letzter Zeit wieder ganz im Kommen. So muss sich Aven Colony vom kleinen Studio Mothership Entertainment gleich gegen eine ganze Reihe von Konkurrenten behaupten.
Der Alpha Centauri-Nachfolger Civilization: Beyond Earth feiert seit seiner Veröffentlichung 2014 große Erfolge, ein Jahr später machte sich mit Anno 2205 auch die Anno-Reihe in erdferne Territorien auf. Während genannte Spiele nur für den PC erhältlich sind, steht mit Surviving Mars von Paradox Interactive für 2018 ein Titel bevor, der in eine ähnliche Kerbe schlägt wie Aven Colony und genau wie dieses auch für PlayStation 4 und Xbox One geplant ist. Harte Konkurrenz also, im Vergleich zu der Aven Colony zumindest schon einmal den Vorteil der früheren Veröffentlichung hat. Mehr als zweieinhalb Jahre befand sich der Titel in Entwicklung und nachdem im vergangenen September zunächst eine Beta-Version veröffentlicht wurde, steht seit diesem Sommer auch die Vollversion zum Download bzw. im Handel bereit. Ob Aven Colony in der PlayStation 4-Fassung gelungen ist, verrät das folgende Review.

Irdische Ansprüche…

Im Kern ist Aven Colony eine futuristische Städtebausimulation. Es gilt, weit entfernt von der Erde, auf dem Planten Aven Prime, eine Kolonie zu errichten, die den Aussiedlern der Erde das Überleben ermöglicht: Angefangen mit zeltartigen Provisorien, entwickeln sich die Unterkünfte der Siedler im Verlauf des Spiels zu ausgewachsenen Wolkenkratzern und die Kolonie wird zur gigantischen Stadt, deren Verwaltung immer neue Anforderungen an den Spieler stellt.

Damit hat Aven Colony nicht nur auf dem ersten Blick viel mit „irdischen“ Städtebausimulationen vom Kaliber eines Sim City oder City Life gemein, gepaart mit einer ordentlichen Portion Anno oder Civilization (abzüglich der Rundenstrategie). Konsequenterweise sind die Anforderungen an eine Kolonie im Weltall allerdings etwas andere. So muss nicht nur schierer Lebensraum geschaffen, Rohstoffe abgebaut und Nahrungsmittel kultiviert werden – auch die Sauerstoffversorgung ist sicherzustellen. Geht es anfangs nur ums Überleben, wachsen mit der Größe der Kolonie auch die Ansprüche ihrer Bevölkerung: Neue Technologien müssen erforscht werden, ein Gesundheitswesen und Freizeitmöglichkeiten sind ebenfalls erforderlich. All das geht über die Anforderungen an eine Stadt in Sim City schon ein Stück weit hinaus, wird durch eine Vielzahl interstellarer Gefahren aber noch zusätzlich verkompliziert:

…und extraterrestrische Gefahren

Eine von mehreren besondere Herausforderung an die Kolonisten und den Spieler stellt der Tag- und Nacht-Zyklus von Aven Prime dar. Während der Nachtphase gefriert die Oberfläche von Aven Prime, die Nahrungsmittelproduktion wird unterbrochen und die Solaranlagen generieren nicht länger Elektrizität, sodass der Spieler auf seine – hoffentlich ausreichenden – Ressourcen zurückgreifen muss. Daneben hat sich der Spieler mit Stürmen, Giften und nicht zuletzt einer außerirdischen Lebensform herumzuschlagen, die parasitenartig die Gebäude der Kolonie überwuchert und von speziellen Drohnen beseitigt werden muss.

Ein weiterer Knackpunkt aber auch sehr reizvoll und spannend ist das Moralsystem: So wird die Moral der Kolonisten von Faktoren wie Nahrungsversorgung und Wohnbedingungen, und später, mit wachsender Größe der Kolonie, auch Arbeit, Kriminalität und Sozialpolitik beeinflusst, und wirkt sich ihrerseits auf Produktivität und Verhalten aus. Regelmäßig finden außerdem Wahlen statt, bei denen es bei zu großer Unzufriedenheit passieren kann, dass dem Spieler die Leitung über die Kolonie entzogen wird.

Das Leben im Weltraum: Mühsam, doch erfüllend

Man merkt es vielleicht schon: Aven Colony ist ein enorm komplexes, sehr herausforderndes Spiel und mit Sicherheit kein Titel, den man mal eben nebenbei spielen kann. Wer nie zuvor Aufbaustrategie dieser Art gespielt hat, dürfte ebenfalls schnell überfordert sein. Wer allerdings gewillt ist, die Zeit zu investieren, die notwendig ist, um die Mechaniken von Aven Colony und die Abhängigkeiten zwischen den unzähligen unterschiedlichen Faktoren zu durchschauen, wird sich bald schon in der Welt von Aven Prime verlieren. Der Kolonie beim Wachsen zuzusehen macht enormen Spaß, während die Allgegenwärtigkeit der Gefahren und die Ansprüche der Bewohner dafür sorgen, dass es immer spannend bleibt. Und auch wenn es diesem Genre sicherlich wichtigeres gibt: Sehr schön anzusehen ist Aven Colony auch. Lediglich die Framerate geht in der PS4-Fassung hin und wieder in die Knie, vor allem dann, wenn neue Gebäude gebaut werden.

Erfreulich ist hingegen, dass Aven Colony zwar in Echtzeit abläuft, aber trotzdem stressfrei gespielt werden kann. Acht verschiedene Geschwindigkeiten stehen dazu zur Verfügung und auch das vollstände Pausieren ist möglich. Wie in den Spielen des Genres üblich, hat der Spieler die Wahl aus zwei Spielmodi. Im Kampagnenmodus müssen in jeder Mission bestimmte Ziele erreicht werden. Im Sandbox-Mode darf der Spieler sich nach eigenem Gutdünken und ohne Zeitbegrenzung dem Aufbau seiner Kolonie widmen. Die Möglichkeit, die Startbedingungen zu variieren, sorgt dafür, dass auch das immer spannend bleibt.

Aven Colony – mein Fazit

Sicher ist Aven Colony keine Revolution im Städtebau-Genre. Und auch die Konstellation Kolonisation des Weltraums hat man eigentlich schon oft gesehen. Eine nette Überraschung ist Aven Colony aber allemal. Das liegt vor allem daran, dass es Leitgedanken des Überlebens auf einer fremden Welt ernst nimmt und diesen Hintergrund nutzt, um den Spieler vor Anforderungen zu stellen, die sich von der Verwaltung einer Erdenstadt tatsächlich unterscheiden, statt rein kosmetischer Natur zu sein und Vertrautes in Science-Fiction-Tapete zu packen. Wer die Komplexität von Aven Colony nicht scheut, sollte das Spiel unbedingt einmal anspielen, zumal es zumindest auf der Konsole im Moment noch ohne große Konkurrenz dasteht.

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