Batman: The Telltale Series – Episode 1 “Reich der Schatten”

Während Telltale Games aktuell mit dem kunterbunten Minecraft: Story Mode in humorvollen Gefilden unterwegs sind, setzen sie mit ihrer neuen Serie, Batman: The Telltale Series, auf ein düsteres Setting rund um den Dunklen Ritter und dessen Alter Ego Bruce Wayne. Ob die Geschichte der ersten Episode “Reich der Schatten” überzeugen kann und die Quick Time Events (QTE) und minimalistischen Rätsel ihren Weg ins Spiel gefunden haben, wollen wir im folgenden Test klären.

Der Mann hinter der Maske

Allzu viel über die Geschichte soll an dieser Stelle nicht verraten werden, da die erste Episode mit einer Spielzeit von knapp zwei Stunden ohnehin sehr kurz ist und sich zusätzlich sehr viel Zeit nimmt, ehe sie so richtig in Fahrt kommt. Nichtsdestotrotz überrascht sie mit einigen Wendungen, mehreren Entscheidungen, deren Konsequenzen aktuell nicht vorhersehbar sind und vor allem mit einem eigenen und neuen Blick auf Playboy-Milliardär Bruce Wayne. Während einen Rocksteadys Arkham-Spiele trotz emotionaler Ansätze in den Anzug des Fledermausmanns stecken, brilliert Telltale mit einer persönlichen Geschichte rund um die Wayne-Familie, korrupte Politiker, entfremdete Freunde, neue Feinde und Mafiabosse.

Der Mann hinter der Maske spielt eine mindestens ebenso große Rolle in Batman: The Telltale Series wie die Fledermaus selbst und die unterschiedlichen Optionen, zwischen denen man sich in dieser entscheiden muss, haben bisher direktere und relevantere Konsequenzen. Auch wenn aktuell nicht absehbar ist inwiefern der Entwickler diesen großartigen Start qualitativ aufrecht erhalten kann, gefällt mir die Story bisher ausnehmend gut. Man merkt, dass man sich ausgiebig mit dem Batman-Universum beschäftigt hat und dennoch eine eigene Note miteinbringen konnte. Telltale schafft es bereits innerhalb der ersten Episode hervorragend einen durch beiläufig ausgewählte Gesprächsoptionen immer tiefer und tiefer in eine Geschichte zu verwickeln, aus der man nicht mehr herauskommen kann und will. Toll!

bruce+wayne

Sinnvoll ergänzt

Natürlich ist auch all der Ballast anderer Spiele des Entwicklers wieder an Bord. Kämpfe und Aktionen werden mittels QTEs gelöst – also eingeblendete Richtungs- oder Aktionstasten, die zum Zeitpunkt gedrückt werden müssen – Gesprächsoptionen, die innerhalb eines kurz bemessenen Zeitfensters gewählt werden müssen und rudimentäre Adventure-Elemente, die kaum über “Laufe in eine Richtung und interagiere mit Objekt X um Zwischensequenz Y auszulösen” hinausgehen. All das ist altbekannt und mittlerweile fast ermüdend. Und dennoch funktionieren all diese Elemente so gut, wenn nicht sogar besser denn je und wurden um weitere Gameplay-Mechaniken ergänzt.

Tatsächlich passen die Quick Time-Events zu den diversen Kämpfen, die Batman nunmal auszutragen hat, wie seine Faust auf das Auge eines Schlägers und da diese auch noch hervorragend inszeniert sind, kommt tatsächlich situative Spannung auf. Es ist das erste Mal seit der zweiten Staffel von The Walking Dead, dass ich mir dachte “Mensch, Kampfsequenzen, das können die!”. Die Gespräche sind gewohnt gut geschrieben und ziehen einen sofort in ihren Bann. So erfordert selbst ein scheinbar harmloses politisches Geplänkel die Aufmerksamkeit des Spielers, möchte man nicht eine der zahlreichen Anspielungen verpassen. Zu den erwähnten Adventure-Elementen mus man nicht viel sagen. Sie sind noch da, werden aber genau genommen nur einmal während der ganzen Episode genutzt, nämlich um Bruce von Punkt A nach Punk B zu bewegen. Dass man sich das hätte sparen können, weiß wahrscheinlich auch der Entwickler und verzichtete danach vollständig darauf.

Aber auch mit Neuerungern spart Telltale nicht. Batman wäre nicht der weltbeste Detektiv, wenn er nicht von Zeit zu Zeit auch ermitteln und Überlegungen anstellen müsste. Und so bauen die Entwickler kleinere Rätsel ein, in denen man beispielsweise den Tathergang eines Verbrechens rekonstruieren, Beweise finden oder Gegner beschatten und die Umgebung dabei genau analysieren muss. Kopfnüsse sind all diese Vorgänge leider nicht, aber sie funktionieren hervorragend und bringen frischen Wind ins altbekannte Gameplay.

Alfred-and-Bruce

Technik & Sound

Batman: The Telltale Series sieht umwerfend aus. Das liegt einerseits an der Comic-Herkunft des Dunklen Ritters, welche in der Engine perfekt eingefangen wurde und andererseits daran, dass Telltales überarbeitete Engine nochmals knackigere und flüssigere Bildsequenzen darzustellen weiß. Bis auf kleinere Hänger in den Überblenden gibt es hier nichts zu beanstanden. Die PC-Version des Spiels scheint von einigen Problemen geplagt zu sein, die wir bei der von uns getesteten PS4-Fassung nicht bestätigen können. Ein Patch für den PC ist aber aktuell in Arbeit.

Schöner sah Batman in seiner Comic-Version lediglich in der animierten Zeichentrickserie der 90er aus – wenn überhaupt. Die Synchronsprecher leisten tolle Arbeit, wirken motiviert und sind toll besetzt und der Soundtrack setzt markante Noten und rezitiert bekannte Themen, ohne seine Eigenständigkeit zu verlieren. Auch hier wurde ganze Arbeit geleistet.

Schade nur, dass die Engine noch immer nicht in der Lage ist Gesichtsausdrücke emotional passend darzustellen. So kann es schon einmal vorkommen, dass man sich bei dem Gedanken erwischt einer völlig überzogenen Karikatur einer Person ins Gesicht zu blicken. Zusätzlich kam es an zwei Stellen zu Tonaussetzern, was zwar schade ist, den Gesamteindruck aber nicht trüben kann. Im Übrigen ist das gesamte Spiel komplett deutsch untertitelt. Bis auf wenige kleinere Fehler sind die Untertitel dabei sehr gut gelungen.

Anmerkung – Crowd Play

Die Idee Telltales ihre diversen Spielereihen um das sogenannte Crowd Play zu ergänzen ist schlichtweg genial. Dank diesem können euch bis zu 12 Mitspieler bei den diversen Entscheidungen helfen, ohne das Spiel zu besitzen. Wird der neue Spielemodus aktiviert, generiert das Spiel einen Code, den andere via Smartphone oder Browser aktivieren können und somit eure Entscheidungen im Spiel direkt beeinflussen können. Dabei soll das ganze demokratisch ablaufen: Immer vier Farben stehen zur Auswahl und diejenige mit den meisten Stimmen gewinnt.

So toll das auch klingt und laut anderen Seiten auch funktioniert. Bei mir wollte es partout nicht klappen den Code zu generieren. Entweder gab es Probleme mit den Servern oder meine Internetverbindung hat versagt. Da wir den Modus nicht testen konnten, fließt er nicht in die Wertung der ersten Episode mit ein. Sobald wir das nacholen konnten, wird entweder dieser Test ergänzt oder das Corwd Play-Feature wird in der nächsten Episode genauer unter die Lupe genommen.

Selina-Kyle-Catwoman-Batman-Telltale

FAZIT

Was Telltale mit Batman: The Telltale Series geschafft hat, hat mich vom sprichwörtlichen Hocker gehauen. Zwar brauchen die Entwickler einen Tick zu lange, um die Geschichte in Schwung zu bringen, aber ab diesem Zeitpunkt überrascht, fesselt und beeindruckt sie immer wieder. Die Action-Sequenzen sind hervorragend, die detektivische Arbeit Batmans schön in Szene gesetzt und vorallem bekommt Bruce Wayne endlich die nötige Tiefe, auf die andere Spiele so gekonnt pfeifen. Mit “Reich der Schatten” wird uns eine sehr gute Episode vorgesetzt, die Lust auf mehr macht, aber auch für sich stehend sehr gut unterhält. Der Auftakt zur neuen Serie ist somit nicht weniger als das beste, das Telltale in der letzten Zeit abgeliefert haben – sowohl dramaturgisch als auch spielerisch!

 

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