Binary Domain – Testbericht

In dem Sega 3-Person-Shooter Binary Domain werden wir in das Jahr 2080 versetzt. Der japanische Roboterhersteller Amada hat die oberste Regel der Robotertechnik gebrochen und Roboter hergestellt, die von Menschen nicht mehr zu unterscheiden sind. Ein Spezialteam wird im Auftrag der internationalen Friedenstruppen nach Tokio geschickt um den Kopf des Konzerns für dieses Vergehen zu verhaften. Ein Kampf zwischen Mensch und Roboter entbrennt.

Vielleicht zwei Dinge Vorweg: Erstens bin ich kein besonders versierter Shooter Spieler, mir liegen friedfertigere Titel in der Regel mehr. Deswegen fehlen mir die Vergleiche zu den Konkurrenztiteln. Zweitens werde ich hier nur über den Kampagnenmodus schreiben, da ich den Onlinemodus noch nicht ausprobiert habe.

Und nun los.

Erste Schritte

Die ersten Minuten, oder vielleicht auch ein, zwei Stunden haben mich etwas befremdet. Das Intro-Video ist wirklich vielversprechend, aber dann beginnt das Spiel mit einer Art Tutorial, das doch seinesgleichen sucht. Völlig unkreativ bildet das Tutorial einfach den Anfang der Story, was dazu führt, dass man den Eindruck gewinnt, der von uns gesteuerte Held Dan Marshall – immerhin Survivor genannt und Mitglied einer Spezialeinheit – müsse wohl an Gedächtnisschwund leiden. Da wird man von seinem Kollegen und Kumpel doch glatt wie ein Kind behandelt. Mit selten dämlichen, öhhh ich meine „coolen“ Sprüchen erklärt er uns etwa, wie man schießt. Dabei scheint das, wie sich im Folgenden zeigt, so ziemlich das einzige zu sein, was Dan wirklich beherrscht. Nebenbei bemerkt zeigt sich hier schon eine weitere Schwäche, zumindest für mein Empfinden. Die durchaus gute Story wird leider immer wieder von „coolen Sprüchen“ im Stile von Leathal Weapon oder Bad Boys verwässert. Sei’s drum, ich hatte aus zuverlässigen Quellen erfahren, dass das Tutorial wohl nicht so toll ist, das Spiel aber besser und besser wird. Also schieße ich die ersten Roboter über den Haufen und harre der Dinge. Und das Spiel wird wirklich besser. Viel besser.

Das Spiel

Was soll ich sagen. Was mir am meisten aufstößt ist das sehr lineare Leveldesign. Ich denke, dass dies für Spiele wie Primary Domain üblich und von den Spielern gewünscht ist. Ich hätte mir aber eher gewünscht, dass man an der einen oder anderen Stelle auch mal eine Alternative zum stumpfen Durchballern hat. So wundert es mich zum Beispiel, dass man vor manchen Missionen sein Team zusammenstellen kann, es aber eigentlich keine Rolle spielt, wen man mitnimmt, da ohnehin nur gekämpft wird. Klar, der eine kämpft etwas offensiver, der andere gibt eher Rückendeckung, am Ende ballert man sich aber doch alleine durch. Aber was soll’s, nach einer Weile macht es richtig Spaß, dies zu tun. Und jedem, der vor allem daran Freude hat, sei das Spiel schon mal vor dem Fazit empfohlen. Da heißt es abschalten und Finger über den Controller fliegen lassen.

Ab und an werden die Shooter Szenen durch eine Art Geschicklichkeitssequenzen abgelöst, in denen man etwa mit einem Jet Ski durch die Kanalisation steuert. Das ist eine willkommene Auflockerung, auch wenn es schon mal nerven kann, wenn man eine solche Sequenz zehnmal wiederholen muss, weil man sie nicht schafft.

Natürlich warten auch immer wieder Endgegner auf das Team, die meiner Meinung nach mal besser mal schlechter gelungen sind. Meistens sind sie aber gut spielbar und auch gut designt. Das gilt übrigens für das gesamte Spiel. Die Roboter sehen zwar nicht besonders originell aus, man hat das Gefühl sie alle schon in verschiedensten Spielen und Filmen gesehen zu haben, aber wie soll ein menschenähnlicher Roboter auch aussehen? Bei Binary Domain sind sie jedenfalls super gelungen. Sie bewegen sich sehr schön rund und zerfliegen auch schön in ihre Einzelteile, wenn man sie mit massenhaft Blei zerlegt. Auch ansonsten ist das Design nicht sonderlich kreativ aber durchgängig geglückt und schön anzusehen. Man fühlt sich gut in die Welt des Jahres 2080 versetzt.

Was mir sehr gefallen hat waren dann noch die Verkaufsmaschinen, die über die Level verteilt waren. Hier kann man seine Medikits oder seine Munition auffüllen, sich diverse Boosts kaufen oder seine Waffen aufrüsten. Und das Beste ist: die Währung erhält man durch das Zerlegen gegnerischer Roboter. Also das ist doch wirklich großzügig vom Amada Konzern, dass er einem für das Zerstören ihrer Roboter Credits gewährt, die man dann an seinen Automaten wieder ausgeben kann um noch mehr Roboter kaputt zu ballern.

Nun noch etwas zur, wie ich finde, absoluten Stärke des Spiels, der Story. In wirklich wunderschön gemachten und oft super ins Spiel eingepassten Zwischensequenzen wird eine, wie ich finde, hollywoodreife Geschichte erzählt. Natürlich mit allen Schwächen, die eine Hollywoodstory auch hat, Klischees, Romanzen und eben coolen Sprüchen, aber trotzdem: das ist in Teilen durchaus Kino reif. Ich könnte mir das wirklich gut als Animationsfilm vorstellen und auch genau in dem Stil, denn die Zwischensequenzen sind super animiert, choreografiert und inszeniert. Also: Daumen hoch!

Fazit

Binary Domain ist ein 3-Person-Shooter, der mich sehr an ein Arcade Spiel erinnert hat. Gut vorstellbar, sich an einem schönen Automaten durch das Spiel zu feuern. Vielmehr sollte man auch nicht erwarten, und trotzdem kann man eine Kaufempfehlung für alle aussprechen, die genau das wollen. Die Atmosphäre stimmt, genauso wie die Grafik und die Story. Einzelne Ruckler machen da nichts aus, wie ich finde. Vielleicht könnte man noch die deutsche Synchronisation bemängeln, aber das schiebe ich jetzt mal auf meinen Geschmack und glaube, dass die Sprüche auch vielen gefallen könnten. Alles in allem war ich positiv überrascht, dass mir Shooter doch auch gefallen können.

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