Borderlands 2 / Review

Man nehme einen Shooter, ein Rollenspiel, einen ganzen Haufen Waffen, viele Quests, ein paar Charakterklassen und einen frechen Roboter, gebe dies alles zusammen und schüttle es einmal kräftig durch. Schwups, schon hat man Borderlands 2. Gut, ganz so schnell wird dies bei Entwickler Gearbox nicht gegangen sein, aber zumindest sind dies die groben Inhalte, die das Spiel bietet. Und ob man mit diesen Inhalten einen schmackhaften Titel serviert hat, oder ob es manchem so gar nicht schmecken wird, erfahrt ihr im folgenden Review!

 

Gut 5 Jahre sind storymäßig vergangen. Nach wie vor treibt die Hyperion-Gesellschaft ihr Unwesen auf Pandora und deren Chef, Handsome Jack, will noch mehr Macht an sich reißen. Damit der Bösewicht den Planeten nicht vollkommen unter seine Fittiche bekommt, stellen sich ihm vier (bald fünf) tapfere Helden in den Weg, in deren Rolle der Spieler schlüpfen kann. Kurz Kammerjäger genannt, sollen sich diese Helden gegen die Obrigkeit auflehnen und Handsome Jack das Fürchten lehren.

Wer den Vorgänger bereits gespielt hat, dürfte sich in „Borderlands 2“ schnell und problemlos zurechtfinden. Zu Beginn entscheidet man sich nun für eine der vier Klassen, eine fünfte wird in Kürze per DLC hinzukommen. Hier stehen folgende zur Wahl:
Axton, der Commando
: Dieser ist quasi der Standardsoldat, der auf Wunsch einen kleinen Geschützturm auf dem Schlachtfeld platzieren darf.
Maya, die Sirene
: Sie nutzt neben reichlich Waffen magische Fähigkeiten und kann Gegner kurzzeitig in den Phaselock verfrachten und sie dann ausschalten.
Salvador, der Gunzerker
: Er ist der grobschlächtige Kerl, der – wenn es sein muss – auch mal mit zwei riesigen Waffen gleichzeitig durch die Gegend rennt.
Zero, die Nummer
: Keiner weiß, was und wer er eigentlich ist. Im Stil eines Assassinen kann sich Zero jedoch an seine Gegner anpirschen und die hinterrücks ausschalten.

Jede der Klassen verfügt über je drei Talentbäume. Die Talentbäume sind hierbei meist in die Kategorien Schaden, Verteidigung und Unterstützung aufgeteilt. Wie man seinen Charakter skillen will, bleibt ganz dem Spieler überlassen. Bedenken sollte man jedoch, dass man zu den Endskills eines Baumes nur dann kommt, wenn man nicht wild in allen Bäumen die wenigen Punkte verteilt. Diese Punkte bekommt man übrigens bei einem LevelUp. Immer genau einen Punkt, man sieht daran, dass man hier gezielt und sparsam mit umgehen sollte. Es ist jedoch an bestimmten Automaten im Spiel möglich, die Skills zurückzusetzen. Das hat den Vorteil, dass man einen Charakter nicht noch einmal von vorne spielen muss, wenn man nicht mit dessen Skillung zufrieden ist. Dass dieser Service inGame-Geld kostet, sollte aber klar sein.

 

Wie schon der Vorgänger, handelt es sich auch bei „Borderlands 2“ um einen First-Person-Shooter, der jedoch mit einer ordentlichen Prise Rollenspiel gewürzt wurde. Zum einen kann man dies durch die bereits erwähnten Skillbäume nicht verleugnen, zum anderen kommen aber noch Items und dessen Eigenschaften aus der Rollenspiel-Schiene. Und genau diese Items sind es, die den Sammeltrieb beim Spieler wecken. Die Stats einer Waffe sind immer rein zufällig generiert. Auch das Aussehen wird hierbei rein zufällig gestaltet, was zu optisch sehr witzigen Waffen führen kann.
Zudem können Waffen Elementarzusätze bekommen, was ebenfalls an das Rollenspielgenre angelehnt ist.
So kann eine Waffe z.B. zusätzlichen Feuerschaden anrichten. Oder aber deren Munition wird mit einem Säureeffekt aufgewertet. Eine andere Waffe macht dafür dann vielleicht Blitzschaden usw.
Jeder Effekt ist hierbei gegen bestimmte Gegnertypen effektiv, richtet bei anderen dafür kaum oder keinen Schaden an. Feuer beispielsweise wirkt gut gegen Gegner aus Fleisch und Blut, lässt Roboter aber weitestgehend kalt.
Somit sollte man nach und nach dafür sorgen, dass man ein ausgewogenes Waffenarsenal mit sich rumträgt.
Die aktiven Waffenslots dürfen übrigens im Verlauf des Spiels auf bis zu vier erweitert werden. Zu Beginn darf man jedoch nur zwei Waffen in aktiven Slots einsetzen.
Neben den Waffen findet man aber auch anderes. Zum einen Schilde, die quasi die Rüstung der Charaktere übernehmen. Auch diese können unterschiedlichste Eigenschaften haben, gegen bestimmte Elementarzusätze besonders gut schützen, oder vielleicht sogar noch Schaden beim Gegner anrichten. Grundsätzlich ist es jedoch erst immer der Schild, der Treffer abfängt, erst danach wird der Schaden von der Gesundheitsleiste abgezogen.

 

Weiterhin kann man Artefakte finden, die spezielle Boni geben. Zudem gibt es Booster für Granaten, die ebenfalls nicht in „Borderlands 2“ fehlen dürfen. Auch hierbei gibt es wieder sehr unzählige Kombinationen. So kann es sein, dass eure Granaten mit einem entsprechenden Booster zielsuchend sind, Elementarschaden anrichten, sich aufsplitten und euch am Ende sogar noch heilen können.
Alle diese Items gibt es dann noch in diversen Farben zu finden. Weiße Items sind hierbei die schlechtesten. Danach folgen grüne Items, die meist gewisse Boni haben. Gefolgt von blauen, rosa und lila Items gibt es eine ganze Reihe von Wertigkeiten, die diese Items haben können. Auch dies kennt man aus sehr vielen Rollenspielen, mit der Zeit wird man den Charakter mit bestmöglichen Items der höchsten Qualität ausrüsten.

So ausgestattet übernimmt der Spieler nach und nach die Missionen der Hauptstory, oder macht sich auf die Suche nach Nebenquests, die reichlich in der Welt von „Borderlands 2“ vorhanden sind. Gerade diese Nebenquests sind teilweise sehr unterhaltsam gestaltet und bringen den Spieler nicht selten zum Lachen. Hierfür sorgen die abgedrehten Charaktere und deren durchgedrehte Aufgabenstellungen. Hier darf auch der aus Teil 1 bekannte Roboter Claptrap nicht fehlen, denn auch der ist in „Borderlands 2“ wieder mit von der Partie und begleitet den Spieler mit „hilfreichen“ Sprüchen und „liebreizender“ Stimme durchs Spiel.
Man muss übrigens nicht alleine durch „Borderlands 2“ ziehen. Bis zu vier Spieler dürfen im Koop durch die Quests streifen und sich gegenseitig unterstützen. Manche Nebenquests sind sogar alleine kaum schaffbar, da die Gegner ab und zu gewaltige Brocken sind, die man nur im Teamspiel erlegen kann. Die Suche nach Mitspielern gestaltet sich hierbei sehr einfach, man darf diese aus der eigenen Freundesliste wählen, oder aber nach Spielen suchen, die gerade ausgetragen werden.

 

Zwar ist „Borderlands 2“ weitestgehend ein Spiel, welches offene Landschaften bietet, eine richtige „Open World“ gibt es jedoch nicht. Es sind vielmehr einzelne Karten, die dafür sehr groß ausgefallen sind und jede Menge Ecken zum Entdecken bieten. Andere Gebiete erreicht man dann, wenn man an entsprechenden Punkten auf der Karte die Schnellreisefunktion dorthin benutzt. Die Ladezeiten sind hierbei angenehm kurz und unterbrechen den Spielfluss kaum.
Auch Dungeons gibt es, zumindest so aufgebaute Kartenabschnitte. Diese sind dann jedoch sehr linear aufgebaut, verlaufen kann man sich hier kaum.
Auf den Karten ist man übrigens nicht nur zu Fuß unterwegs. An den Catch-A-Ride-Stationen darf man sich nämlich einen fahrbaren Untersatz schnappen und mit diesem die Gegend unsicher machen. Allerdings ist die Steuerung der Fahrzeuge hierbei sehr mies ausgefallen, ich persönlich verzichte inzwischen oft darauf, von A nach B mit einem der Fahrzeuge zu düsen.

 

Während des Spiels trifft man auf sehr viele unterschiedliche Gegner und Gegnertypen. Sind es zu Beginn nur Tiere und humanoide Gegner, kommen nach und nach immer mehr metallische Spießgesellen von Handsome Jack auf die virtuelle Bühne. Die Vielfalt wurde hierbei im Vergleich zum Vorgänger ordentlich aufgestockt, was für viel Abwechslung sorgt.
Das gilt übrigens auch für die einzelnen Gebiete. Beginnt man in einer tiefverschneiten Ecke, wird man nach und nach auch andere Landschaftsarten finden. Wüstenabschnitte fehlen hier nicht und auch größere Wasserflächen sind vorhanden.
Dreh- und Angelpunkt ist Sanctuary, die recht große Stadt, in der man immer wieder unterwegs sein wird. Hier gibt es nicht nur jede Menge Möglichkeiten, Waffen und Munition zu kaufen. Hier darf man dann auch Skills zurücksetzen, sein Aussehen ändern oder einfach mal den Schwarzmarkt besuchen.
Auf diesem braucht man jedoch kein Geld, sondern Eridium. Eridium findet man immer wieder, entweder bei besonderen Gegnern, oder aber in Kisten, die natürlich wieder in riesiger Anzahl im Spiel zu finden sind. Auf dem Schwarzmarkt darf man dann hilfreiche Dinge kaufen, z.B. die Plätze im Inventar erhöhen.

 

Im Laufe des Spiels erhöht man übrigens seinen Bad-Ass-Rang. Es gibt eine Vielzahl von Herausforderungen, die man quasi automatisch abschließen wird. Hierzu zählen dann Dinge, wie eine bestimmte Anzahl einer gewissen Monsterart zu erlegen, oder aber mit einem Waffentyp xyz Gegner auszuschalten. Schließt man eine der Herausforderungen ab, bekommt man ein Token, welches man dann in eine von fünf zufälligen Eigenschaften investieren darf. Durch diese erhöht man z.B. den Waffenschaden, die Schildregeneration, die Lebenspunkte usw.. Das schönste dabei ist, dass diese Erhöhungen charakterübergreifend sind, demnach auch für alle anderen Charaktere gelten, die man spielt.

 

Optisch wurde auch in „Borderlands 2“ der schon aus dem Vorgänger bekannte Comiclook in Cellshading-Grafik verwendet. Die einzelnen Karten können sich hierbei sehen lassen und wurden meist durch liebevolle Details aufgewertet. Auch die Animationen der Charaktere und der Gegner sind mehr als ordentlich und machen einfach nur Spaß. Daher wird man auch oft einfach mal so durch die Gegend streifen und auf Monsterjagd gehen, immerhin könnte ja eine bessere Waffe droppen…
Die Sounduntermalung kann man ebenfalls als sehr gelungen bezeichnen. Der Soundtrack ist sehr gut und stimmig und hat einen leichten Wild-West-Hauch. Auch die übrigen Spielgeräusche sind sehr gut und passend. Das gilt auch für die Sprecher, die selbst in der deutschen Version sehr gelungen sind.
Die Steuerung ist denkbar simpel, jeder, der schon einmal einen Shooter gespielt hat, wird sich innerhalb von Sekunden im Spiel zurecht finden. Einzig die Steuerung der Fahrzeuge fällt negativ auf, denn diese ist sehr hakelig.

[box type=”tick” size=”large”]Fazit: „Borderlands 2“ ist rundum gelungen. Zwar stößt man hier und da noch auf kleinere Bugs, diese werden aber sicher noch behoben. Rast man durchs Spiel, wird man gut 30 Stunden brauchen, bis man die Story durchgespielt hat. Nimmt man jedoch alle Nebenquests an und geht immer wieder nebenbei auf die Jagd nach neuen Items, wird man aber weit mehr als 50 Stunden mit einem Charakter in „Borderlands 2“ verbringen. Da es sich durch die verschiedenen Spielweisen lohnt, den Titel auch mit den anderen Klassen durchzuspielen, kann man sich die Gesamtspielzeit selbst ausrechnen. Im Koop macht „Borderlands 2“ dann noch einen Tick mehr Spaß, als es alleine schon der Fall ist. Die verschiedenen Charakterklassen harmonieren hier zudem sehr gut miteinander und ergänzen sich ideal. Natürlich kann man auch mit z.B. vier Gunzerkern durch die Gegend ziehen. Optisch gibt es kaum etwas zu meckern, der Sound ist klasse und die Steuerung einfach. Bis auf die Fahrzeugsteuerung gibt es kaum etwas an „Borderlands 2“ auszusetzen. Wer auf die Jagd nach Items gehen will, witzige Charaktere liebt und actionreiches Gameplay mag, kommt an „Borderlands 2“ auf jeden Fall nicht vorbei![/box]

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