Dark Souls 3: Ashes of Ariandel

Wenn die Hände feucht sind und der Ruhepuls bei 120 Schlägen pro Minute liegt, dann ist das einerseits natürlich ungesund, andererseits bedeutet es aber auch, dass neues Spielefutter der Entwickler von From Software in der Konsole rotiert. Nachdem uns Dark Souls 3 bereits begeistern konnte, war die Vorfreude auf den ersten von zwei angekündigten DLCs natürlich besonders groß. Ob uns die Erweiterung Ashes of Ariandel genauso beeindrucken konnte, wie das Hauptspiel, oder ob doch Wünsche offen blieben, soll der folgende Test klären.

Helft mir, Aschener

Wenig Worte werden zur Story von Ashes of Ariandel verraten, was ausnahmsweise nicht an meiner Spoilervermeidungspolitik, sondern an From Softwares Erzählweise liegt. Wie schon in den Hauptspielen wird die Geschichte nicht in ausschweifenden Zwischensequenzen, sondern durch Itembeschreibungen, mysteriöse Sätze zwielichtiger NPCs und durch das Erleben gewisser Situationen erzählt. Sie beginnt dabei Dark Souls-typisch: In einer Kapelle kniet vor einem Altar eine wimmernde Gestalt und spricht zu einer nicht anwesenden Person. Sie betet unablässig in nicht ganz verständlichen Sätzen. Als sie ihr Gebet unterbricht, kann man sie ansprechen. Sie erkennt uns als Aschener, als möglichen Retter einer Person, die einen ähnlichen Geruch zu haben scheint, wie wir. Nachdem wir zugestimmt haben dem Betenden zu helfen, werden wir durch ein verrottetes Stück eines Gemäldes in die gemalte Welt von Ariandel befördert. Als wir aus der Höhle treten, in der wir zu uns kommen, erstreckt sich vor uns eine weite, verschneite Ebene, sowie das erste Leuchtfeuer, von dem aus unsere Reise beginnt.

Die Sache mit dem Level

Eines vorweg: Wer sich an dem DLC versuchen möchte, sollte versuchen mindestens Level 70 im ersten Spieldurchgang und die Burg Lothric zu erreichen. Zwar ist die Erweiterung auch unterhalb und oberhalb dieser imaginären Grenze schaffbar, aber entweder man beißt sich die Zähne an den starken Gegnern aus, oder ist absolut overpowered. Im NG+ würde ich grob geschätzt ein Level von mindestens 140 empfehlen.

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Ich habe die Erweiterung im übrigen mit einem neuen Charakter gespielt, den ich vorher auf Level 60 gepushed hatte. Der DLC war dadurch stellenweise knallhart und ich musste mehrere Grinding-Sessions abhalten, um die Bosse erledigen zu können.

 

Die gemalte Welt

Vom Leveldesign überzeugt die Erweiterung dank gewohnter Qualität. Abkürzungen, offene Gebiete mit optionalen Wegen, verwinkelte Gewölbe mit Leitern, die einen an bekannte Orte führen und somit Kreise schließen, Türen, die nur von der anderen Seite geöffnet werden können und auch in Sackgassen führende Pfade, die von starken Gegnern bevölkert zu besonderen Items führen können – das alles ist wie im Hauptspiel vorhanden und es macht Spaß all die möglichen Wege mit erhobenem Schild und der ständigen Angst vor einem auf der Lauer liegenden Feind zu bestreiten. Mit dem winterlichen Setting hebt sich das DLC natürlich vom eigentlichen Spiel ab und dennoch ist es irgendwo “nur” mehr vom gleichen. (Was in Anbetracht der Qualität positiv gewertet werden sollte)

Auch die Standard-Gegner täuschen darüber nicht hinweg. Die mit fellbesetzten Rüstungen ausgestatteten, nordischen Krieger sind letzlich auch nur Abwandlungen der bereits in Dutzenden niedergestreckten Ritter, die mit Speeren werfen, oder auch mal Feuer spucken, um einen auf Abstand zu halten. Die in Rudeln auftauchenden Wölfe, die mit ihrem Geheul weitere Gegner anlocken können, gefallen da schon eher, bieten aber auch nichts wirklich Neues. Da fallen die grotesk verrenkten Baumfrauen schon eher auf, die einem mit Fernangriffen genauso einheizen können, wie im direkten Nahkampf. Peitschende Äste, die auf stumpfen Stahl treffen, während geisterhafte Flammen durch die Luft gleiten; das ist schon eher das Dark Souls, wie ich es mir wünsche.

Auch von den Bossen war ich in gewisser Hinsicht enttäuscht. Zwar waren die Kämpfe gewohnt knackig und spannend, aber auch hier ließ die Vielfalt zu wünschen übrig. Gerade mal zwei neue dieser herausfordernden Begegnungen, sowie eine optionale, bietet Ashes of Ariandel. Unterm Strich sehr wenig, was sich auch auf die Spielzeit auswirkt. Eine gute Handvoll neuer Gegnertypen, drei Bosse und nur wenige neue Gebiete sorgen dafür, dass man nach etwa 9-10 Stunden – wenn man nicht allzu viel leveln muss – das Ende erreicht hat.

Nichtsdestotrotz erlebt man in dieser Zeit eine phantastische Atmosphäre und packende Duelle, die einem so kaum ein anderes Spiel bieten kann.

Technik, Sound und Artdesign

Wie Dark Souls 3 sieht auch Ashes of Ariandel atemberaubend aus. Die verschneiten Ebenen, genauso wie die düsteren Gänge, überzeugen durch tolle Licht- und Wettereffekte und das bekannte, schaurig-schöne Artdesign. Die gemalte Welt von Ariandel sieht außerdem tatsächlich märchenhafter aus, als das sehr düstere und dreckige Hauptspiel. Dennoch sollte man sich davon nicht täuschen lassen, denn der äußere Eindruck täuscht: In seinem Inneren bleibt auch dieser Ableger das groteske Abbild moderner Fantasy. Der Gesamteindruck wird nur von vereinzelt auftrenden Framerateeinbrüchen und mitunter langsam nachladenden Texturen gestört. Schade, dass From Software die Engine noch immer nicht perfekt im Griff hat.

Der Soundtrack bleibt immer stimmungsvoll und meist unaufdringlich. Die mitunter bizarren Geräusche, die aus den entstellten Mäulern der Gegner kommen passen perfekt zu den entsprechenden Wesen und auch das Wolfgeheul reiht sich wunderbar in den Rest der Soundkulisse ein. Egal ob Stille herrscht, das nur vom Flackern der Fackeln unterbrochen wird, oder sakrale Chorgesänge einsetzen: Ashes of Ariandel steht Dark Souls 3 auch hier in nichts nach!

PvP im neuen Gewand

Dank des Items “Helden-Knochen”, den es in der Erweiterung zu finden gibt, können interessierte Spieler sich in PvP-Arenen messen. Dabei gibt es ganz klassische Duelle oder 3-gegen-3-Gruppen-Matches. Dazu können verschiedene Maps, Regeln und weitere Modi (z.B. Jeder-gegen-Jeden) ausgewählt werden. Wer bisher keinen Wert auf diesen Part des Spiels gelegt hat, kann es auch weiterhin getrost ignorieren. Aber wer viel Spaß an den Spielerbegegnungen hatte, wird sich über die neuen Auswahlmöglichkeiten freuen. Diese bringen letztlich zwar keinen spielerischen Mehrwert, aber zumindest mehr Abwechlung in die kurze Kampagne.

Fazit

Spielerisch genauso gut und atmosphärisch genauso dicht wie das Hauptspiel, stören eigentlich nur die relativ kurze Spielzeit und der daran gekoppelte hohe Einzelpreis von 14,99 €. Wenn es mehr Abwechslung bei den Standard-Gegnern gegeben und noch mehr Bosse ihren Weg in die Erweiterung gefunden hätten, es hätte nicht einen Grund gegenüber die Erweiterung niedriger zu bewerten, als das Hauptspiel.

So bleibt man am Ende irgendwie unbefriedigt zurück und sehnt ich nach mehr. Das ist natürlich schön, um die Vorfreude auf den zweiten DLC zu erhöhen, der Anfang 2017 erscheinen soll, aber erleichtert es nicht unbedingt Ashes of Ariandel zu bewerten. So oder so: Das Spielprizip und die Mechaniken bleiben gewohnt genial und die Erweiterung macht richtig viel Spaß! Dark Souls-Fans schlagen sowieso zu und alle anderen sollten sich überlegen Dark Souls-Fans zu werden. Denn die schweißnassen Hände und der Ruhepuls mögen zwar auf Dauer ungesund sein, sorgen aber für ein Spielerlebnis, das man nicht so schnell vergisst.

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Dark Souls 3: Ashes of Ariandel wurde auf der PlayStation 4 getestet, dank eines von Bandai Namco bereitgestellten Codes.

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