Dark Souls – Testbericht des Wahnsinns!

Rückblick:

Während hierzulande Blockbuster wie Killzone 2 und Halo Wars die Verkaufscharts anführen, wirft Sony in Japan ein von den Medien bisher weitgehend unbeachtetes Spiel namens Demon’s Souls für Playstation 3 auf den Markt. Viel Potential scheint man dem von Atlus entwickelten Action-Rollenspiel nicht zuzutrauen, denn Demon’s Souls wird kaum beworben, ein Release den USA oder gar Europa ist nicht geplant. Zu unzugänglich, zu düster und, allem voran, zu schwer erscheint das Spiel den Verantwortlichen als dass es sich lohnen würde Kapital in dessen Vermarktung zu investieren. Doch nicht zum ersten Mal unterschätzen die Entscheider der Industrie ihre Zielgruppe: Ein knappes Jahr und über 100.000 verkaufte Exemplare später stellt man erstaunt fest, dass das hässliche Entlein namens Demon’s Souls nicht nur für euphorische Reaktionen bei Fachpresse und Spielerschaft sorgte sondern sogar dazu beigetragen konnte die Verkäufe von Sonys Konsole im Land der Handheld- und Wii-Spieler merklich in die Höhe zu treiben. So entschließt sich Hersteller Atlus schließlich ihr Baby auf eigene Faust in den USA zu vermarkten. Und auch als Demon‘s Souls im Sommer 2010 endlich auch offiziell in Deutschland erscheint setzt sich die Erfolgsgeschichte fort. Wertungen von durchschnittlich 90 % und hervorragende Verkaufszahlen sprechen für sich. Reichlich verspätet  lässt man sich bei Sony sogar zu der Stellungnahme hinreißen es sei wohl ein Fehler gewesen Demon’s Souls so wenig Beachtung zu schenken. Mit Dark Souls, dem offiziellen Nachfolger von Demon’s Souls, will von Anfang an alles richtig machen, und so erschien der Titel weltweit zum selben Datum – sogar in einer umfangreichen Sammleredition.

Zugegeben:

Ein wenig kann man Sonys anfängliche Skepsis der Reihe gegenüber vielleicht nachvollziehen. Gäbe es ein Buch mit dem Titel “Erfolgreiche Spiele designen für Anfänger” – Atlus würde sich mit Dark Souls über jeden einzelnen, in diesem Buch genannten Rat hinwegsetzen. Gehört es bei den meisten Spielen heutzutage zum Standard den Spieler leicht verständlich und intuitiv, Schritt für Schritt an Story, Charaktere und Gameplay heranzuführen, verfährt Dark Souls genau entgegengesetzt. Bis auf einige, spärliche Hinweise darauf, welche Funktion welchem Button zugewiesen ist, bleibt es dem Spieler selbst überlassen in die ungeheuer komplexen, unter der Oberfläche ablaufenden Spielmechaniken einzusteigen. Vermutlich kann man Dark Souls auch meistern ohne alle Zusammenhänge zu verstehen, wer jedoch seine Waffen und Charaktereigenschaften optimal einsetzen will, wird um stundenlange Recherche im Netz nicht umhinkommen.

Ähnlich unzugänglich wie der Rest des Spieles präsentiert sich die Handlung von Dark Souls. Wir finden uns in einer fantastischen, mittelalterlich anmutenden Welt, die in Urzeiten von mächtigen Drachen beherrscht wurde. Im Lauf der Zeit bemächtigten sich vier legendäre Fürsten der göttlichen Flamme und bezwangen die Drachen – das goldene Zeitalter der Menschen brach an. Doch seit einiger Zeit greift eine grausame Seuche um sich. Hunderte Menschen werden plötzlich zu Untoten, dazu verdammt ewig zu leben und dabei zusehends geistig und körperlich zu verfallen. Um der Plage Herr zu werden sperrt man kurzerhand all diese armen Kreaturen in ein Verließ um sie dort ihrem Schicksal zu überlassen. Doch eine Uralte Prophezeiung verkündet das Kommen eines Auserwählten aus den Reihen der Untoten, dem es gelingen wird aus seinem Verließ zu entkommen und die zwei Glocken des jüngsten Gerichtes zu läuten. Und so treffen wir unseren Helden zu Beginn des Spieles in einer Zelle in eben jenem Auffanglager für Untote an.

Zunächst gilt es allerdings noch das Aussehen unseres Avatars festzulegen und sich zu entscheiden, welcher Klasse unser Held angehören soll. Jeder der vorgegebenen Recken hat eine andere Ausrüstung und entsprechende Ausgangswerte, eignet sich also besser als andere für eine bestimmte Spielweise. So verfügt ein Krieger beispielsweise zu Beginn des Spieles über relativ hohe Kraft und Ausdauer, was ihm das Tragen von schwerer Rüstung und das Führen großer Schwerter ermöglicht, während ein Zauberer viele zum Wirken von Magie erforderliche Intelligenzpunkte mit auf den Weg bekommt. Die Wahl eurer Klasse beeinflusst jedoch nur die ersten Stunden des Spieles, da jede Klasse beliebig in jede Richtung entwickelt werden kann. Unseren fertigen Helden steuern wir aus gewohnter 3rd-Person-Perspektive durch allerhand unwirtliche Gemäuer und Landschaften und erwehren uns Heerscharen unterschiedlichster Gegner. Hierbei liegt es gänzlich in der Hand des Spielers, ob er auf brachiale Nahkampfangriffe, mächtige Zauber oder Pfeilattacken aus dem Hinterhalt setzt. Allerdings solltet ihr euch frühzeitig für einen Weg entscheiden und diesen konsequent beschreiten, da die Erfahrungspunkte in Form von Seelen zu wertvoll sind um auch nur eine davon falsch zu investieren.

Seelen benötigt ihr nicht nur zum Aufleveln eures Helden sondern auch zum Erwerben und Verbessern von Ausrüstung, sie sind also Zahlungsmittel und Erfahrungspunkte in einem. In Besitz von Seelen gelangt Ihr, wie gewohnt, durch Besiegen von Gegnern. Das besondere und frustrierende an Dark Souls ist dabei, wie schon beim Vorgänger, die Tatsache, dass ihr, wenn ihr das Zeitliche segnet, all Eure Seelen verliert und zum letzten Lagerfeuer zurückkehrt. Nun habt ihr eine Einzige Chance zum Ort Eures letzten Todes zurückzukehren und die eben verlorenen Punkte wieder einzusammeln. Solltet ihr unterwegs nochmals sterben sind alle kostbaren Seelen unwiederbringlich verloren.

Neben der Universalwährung Seelen gibt es die sogenannten Menschlichkeitspunkte, die das Karma-System aus Demon’s Souls ersetzen. Menschlichkeit erhaltet ihr entweder sehr selten direkt durch das Besiegen eines Gegners oder in Form von Items. Mit jedem Menschlichkeitspunkt den ihr erhaltet erhöht sich dir Wahrscheinlichkeit, dass Eure Gegner nützliche Beute hinterlassen, außerdem könnt ihr Menschlichkeit “ausgeben” um beispielsweise die heilende Wirkung eures Lagerfeuers zu verbessern oder euch von bestimmen NPCs von Flüchen befreien zu lassen. Auch diese Punkte gehen bei jedem Tod verloren. Es empfiehlt sich also auch hier äußerst sorgfältig und bedacht mit den Punkten umzugehen.

Eine Weiter Neuerung im Vergleich zum Vorgänger sind die Lagerfeuer. Da die Welt von Dark Souls nicht mehr in verschieden Level unterteilt ist sondern ein riesiges zusammenhängendes Gebiet ist, dienen die überall verteilten Lagerfeuer als Rücksetzpunkte, Itemlager und noch vieles mehr – zusätzliche Funktionen können im Spielverlauf freigeschaltet werden.

Es gäbe noch so vieles zu erklären über dieses tiefgründige, anspruchsvoll Spiel – es sei jedoch darauf hingewiesen dass Dark Souls bei aller Komplexität der zugrundeliegenden Mechaniken niemals zum trockenen Spiel mit Punkten und Statistiken wird, wie andere Genrevertreter – im Gegenteil: Sämtliche Gegner, vom mächtigsten Endboss bis zum gewöhnlichen MOB fordern vom Spieler ein Höchstmaß an Konzentration, Reaktion und Timing. So schafft es Atlus Werk dem gegenwärtigen Trend, zugunsten von actionreicherem Gameplay auf spielerischen Tiefgang zu verzichten entgegenzusteuern was dazu führt, dass Dark Souls zweifelsohne zu den schwierigsten Spielen dieser Generation gehört. Erfahrene Rollenspieler sehen sich leicht überfordert mit den immensen Anforderungen an Reaktionsvermögen und Geschicklichkeit im Kampf während versierte Action-Veteranen an der hohen Komplexität des Level- und Crafting-Systems scheitern.

Doch wer bereit ist sich dieser doppelten Herausforderung zu stellen und zudem eine große Portion Geduld mitbringt bekommt als Belohnung eines der einzigartigsten, forderndsten aber auch befriedigendsten Spielerlebnisse geboten das derzeit auf Konsole zu finden ist.

(Erhältlich für Playstation 3 & Xbox 360)

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