Destiny – Review

 

Jaja, der SF-MMO-Shooter Destiny erschien bereits am 9. September für XBox 360, Xbox One, Playstation 3 und Playstation 4. Wir haben für diesen Test ein wenig länger gebraucht aber können sicherlich einige interessante Punkte anbringen.

Halo-Fans haben Jahre auf Destiny gewartet. Der Publisher Activision hat alles dafür getan, dass es das größte Release des Jahres wurde. Microsoft und Sony haben Destiny vor ihre Next-Gen-Konsolen gespannt, um den Verkauf anzukurbeln. Bungie spricht davon, eine zehn Jahre währende Franchise zu erschaffen, die das Genre neu definieren soll.

Aber was ist wirklich dran an Destiny? Was taugt das Game?

Der Einstieg und die Basics

Bei Destiny hat man die Wahl zwischen drei Rassen, die sich nur optisch voneinander unterscheiden, und drei Basis-Klassen, von denen jede zwei Unterklassen hat:

  • Dabei ist der Titan ein Nahkämpfer, der in einer Subklasse als Tank was taugt und in der anderen als Mann fürs Grobe brilliert.
  • Der Jäger ist ein agiler DD und entweder schurkenähnlich im Nahkampf oder für Shooter typisch als Scharfschütze unterwegs.
  • Der Warlock ist ebenfalls ein DD, noch ein wenig zerbrechlicher als der Jäger, aber dafür mit magischen Tricks ausgestattet.

Die Hauptstory ist erschreckend kurz und in ein paar Tagen bewältigt. Das eigentliche Game beginnt erst auf dem „Soft“-Level-Cap von 20. Dann führt der Aufstieg in ein höheres „Licht“-Level über das Verbessern der Ausrüstung.

Destiny: Shared-World-Shooter oder MMO?

Entwickler Bungie verkauft Destiny als Shared-World-Shooter. Bungie meidet den Begriff „MMO“ wie der Teufel das Weihwasser, da man glaubt, damit die Konsolen-Kundschaft zu verprellen. Und tatsächlich kommen MMO-Aspekte gerade im sozialen Bereich zu kurz. So gibt es keine Möglichkeit, halbwegs vernünftig mit Mitspielern zu reden. In den geteilten Karten huschen andere Hüter lediglich durch die Welt wie Geister auf Besuch.

Offen ist die Welt nicht: Will man reisen, geht das immer mit einem Abstecher auf den Planeten-Screen einher. Als „Social Hub“ dient der Turm, wo ein paar Händler herumstehen. Destiny hat die Machart eines klassischen Lobby-Spiels. Es gibt eine Eingangshalle, die Action findet hinter den einzelnen Türen statt.

Als MMO-inspiriert stellen sich zwei andere Teile Destinys heraus: Der planbare Teil des Loot-Systems basiert auf Marken und Ruf, die gesammelt werden müssen. Außerdem ist mit den Engrammen eine Zufallskomponenten drin, die Potential für Frust birgt. Die Item-Spirale verläuft in Destiny wie in World of Warcraft oder MMORPGs: Entweder man nimmt sich schwere Aufgaben vor und steuert zielstrebig Gegenstände an, die es sicher von Händlern gibt. Oder man setzt voll auf sein Glück und hofft auf einen Zufallstreffer durch fleißiges Farmen schwächerer Gegner.

Zu diesen „schweren Teilen“ gehört die zweite große MMO-Anleihe: Es gibt Raids und Instanzen mit Lockouts, verschiedenen Schwierigkeitsstufen und damit auch besserem Loot. Die Gruppenstärke beträgt drei für die kleineren, sechs für die größeren Instanzen.

Das Gameplay: Was macht man eigentlich so?

Destiny ist im Kern ein Shooter und das ist auch die Schokoladenseite des Spiels. Gerade auf XBox One und Playstation 4 läuft die Grafik flüssig, der Sound ist hervorragend und das Spiel geht gut von der Hand. Bungie hat schon vor Jahren in Halo seine Meisterschaft der „30 Sekunden“-Regel unter Beweis gestellt, einer Spiel-Philosophie, die im Prinzip dafür sorgt, dass alle 30 Sekunden ein bestimmter Zyklus aus Feuern, Deckung suchen, Granatewerfen und Nachladen abläuft. Klingt langweilig? Ist es aber nicht. Die „30 Sekunden“-Philosophie funktioniert einfach.

Und so ist das „Gunplay“, das eigentliche Spielgefühl, exzellent. Während die karge Hauptstory einiges zu wünschen übrig lässt und an vielen Stellen wirkt, als wolle sie nur kommenden DLC vorbereiten, hat das PvP einiges zu bieten. Die Maps sind ausgewogen und abwechslungsreich, das Spiel ist schnell, die Belohnungen motivieren und man hat das Gefühl, sich hier jederzeit einen Fix abholen zu können.

Im PvE, gerade im Endgame, merkt man allerdings nicht viel vom kolportieren Budget von 500 Millionen Dollar, die Destiny übrigens schon eingespielt haben soll. Die Missionen wiederholen sich zu oft. Mit Old Russia, dem Mond, der Venus und dem Mars gibt es, obwohl man die Weite des Universums versprochen hat, erstaunlich wenig zu tun. Und die schweren Aufgaben in Destiny erfordern ein Zusammenspiel mit Freunden, das einem Bungie nicht gerade leicht macht.

Fazit: Kommt drauf an, was man erwartet hat

Destiny wurde als riesige Space-Opera mit tausend Geschichten von untergegangenen Zivilisationen und einer faszinierenden Welt angekündigt und angepriesen. Im Moment bietet man den Spielern einen Lobby-Shooter mit herausragendem Gunplay und zu wenig Content. Es ist ein Wolkenkratzer versprochen worden und die Spieler bekamen nur eine einstöckige Villa, wenn auch wunderschön eingerichtet und mit solidem Fundament.

Dabei sind im Spiel überall Ansätze zu erkennen, wie es einmal weitergehen, wie die Architektur des nächsten Stockwerks aussehen könnte. Mit zwei geplanten Erweiterungen in den nächsten Monaten und zehn Jahren Content in der Pipeline ist Content-Armut hoffentlich ein Kritikpunkt, der sich später in Wohlgefallen auflösen wird.

Wer sich von Destiny ein World of Warcraft im Weltall versprochen hat, eine epische Sage oder auch nur die kultige Atmosphäre eines Borderlands, wird vom Game enttäuscht werden. Wer sich einen Shooter wünscht, zu dem er immer wieder zurückkehren kann, wenn Bungie etwas Neues bringt, kann mit Destiny Spaß haben und glücklich werden. Vor allem wenn er über das etwas frustrierende Loot-System hinwegsehen und Freude am PvP im Schmelztiegel finden kann.

Dabei sind die Ähnlichkeiten mit World of Warcraft vielleicht nur verschwindend gering, mit noch etwas Feinarbeit könnte es Destiny aber zu einem „Diablo III im Weltall“ bringen.
Destiny ist nicht der große Wurf wie versprochen. Und die Methode, beim Grundspiel zu sparen, um später mit kaufbarem DLC zu punkten, ist ein Trend, der uns allen Sorgen machen sollte. Nichtsdestotrotz ist Destiny in der Shooter-Mechanik ein echter Bungie-Titel. Zusammen mit Grafik und tollem Sound reicht das für ein Spiel, das technisch in der Oberliga zu Hause ist.
Auch in einer Villa mit nur einem Stockwerk, einem leckenden Dach und Problemen mit der Elektrik, lässt es sich eben richtig gut wohnen.

Wertung: 83%

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