Die besten Tennis-Spiele: Virtua Tennis vs. Top Spin vs. Grand Slam Tennis

Virtua Tennis
In den letzten Jahren ist es still geworden um das Genre der Tennissimulationen. Glücklicherweise gibt es eine ganze Reihe exzellenter Klassiker, die auch heute nichts von ihrem Reiz verloren haben. Virtua Tennis, das erst in der Spielhalle und später auf der SEGA Dreamcast das Genre revolutionierte, ist legendär und hat den Ruf, nicht nur eines der besten Tennisspiele, sondern auch eines der besten Mehrspielerspiele aller Zeiten zu sein. 2Ks Top Spin-Reihe konnte sich während der PlayStation 3-Ära etablieren und den Spitzenplatz unter den anspruchsvollen Simulationen für sich erobern.
Glücklos aber keineswegs ohne Qualitäten war schließlich EAs Versuch, einen Fuß auf den Court zu setzen: Grand Slam Tennis. Wir haben uns die erwähnten Spiele noch einmal angeschaut und verraten, welche Spiele für welchen Geschmack und auf welchen Plattformen die richtigen sind.

Die Arcade-Legende: Virtua Tennis

Spiel, Satz und Sieg! Mit Virtua Tennis landete SEGA 1999 einen seiner letzten großen Spielhallen-Hits. Leichte Zugänglichkeit, hohes Spieltempo und spektakuläre Ballwechsel konnten selbst Spieler begeistern, die zuvor noch keine Berührung mit dem Sport hatten. Oben drauf bot Virtua Tennis schon damals eine nahezu fotorealistische Grafik und glaubwürdige Polygon-Nachbildungen lizenzierter Tennisprofis wie Tommy Haas.

Einem größeren Publikum wurde das Spiel durch seine hervorragende Portierung auf die SEGA Dreamcast bekannt, wo ein Jahr später auch die Fortsetzung erschien. Virtua Tennis 2 bot erstmals weibliche Tennisprofis und einen stark erweiterten World Tour Modus, der vom Spieler verlangt, einen weiblichen und einen männlichen Charaktere parallel zu trainieren und in gemischten Doppels auf den Platz zu schicken. Ferner bestechen schon die ersten beiden Spiele der Reihe durch ihre originellen Minispiele, bei denen es etwa gilt, Bowling-Pins mit kraftvollen Aufschlägen vom Platz zu fegen. Ihre größte Stärke ist allerdings der Mehrspielermodus für bis zu vier Spieler. Nach wenigen Minuten haben auch Neueinsteiger die Grundlagen erlernt und können sich spannende Ballwechsel mit Profis liefern.

Das Spiel wurde später auf die PlayStation 2 sowie als Virtua Tennis World Tour auf die PlayStation Portable umgesetzt, und egal auf welcher Plattform man es auch spielt, es fühlt sich noch genauso frisch wie damals an.

Die neueren Veröffentlichungen der Reihe, die beginnend ab Virtua Tennis 3 für HD-Konsolen erschienen, haben hingegen mit einer etwas wechselhaften Qualität zu kämpfen: Virtua Tennis 3 aus dem Jahr 2006 war zwar rundum gelungen, war aber keine Revolution und konnte an die Verkaufserfolge seiner Vorgänger nicht anknüpfen. Mit Virtua Tennis 2009 erschien anstelle einer waschechten Fortsetzung lediglich ein Update. Erst Virtua Tennis 4 war eine Neuentwicklung und versuchte sich an echten Innovationen, die sich aber auf vornehmlich die Implementierung von Bewegungssteuerung konzentrierten.

Fazit: Die Qualitäten der Virtua Tennis-Reihe sind unbestritten. Wer bislang noch keine Erfahrungen mit Tennissimulationen hat, findet hier den idealen Einstieg. Leider ist es nicht leicht, eine eindeutige Empfehlung auszusprechen: Retro-Liebhaber überlegen nicht lang und holen sich das Original oder Virtua Tennis 2. Wer die Serie allerdings auf einer HD-Konsole erleben möchte, muss sich mit der etwas wechselhaften Qualität der Fortsetzungen auseinandersetzen. Wirklich falsch macht man aber weder mit keinem der drei Spiele etwas.

Der Herausforderer: Top Spin

Da Virtua Tennis 2 nach dem Aus der SEGA Dreamcast zwar auf die PlayStation 2 portiert wurde, nicht aber für die Xbox erschien, nutzte Microsoft die Gunst der Stunde um mit Top Spin einen ernsthaften Konkurrenten zu etablieren. Das von PAM entwickelte Spiel erschien 2003 zunächst auf der Xbox und konnte aus dem Stand Traumwertungen einfahren. Ein Jahr später wurde das Spiel von Atari für den PC und abermals ein Jahr darauf von 2K für die PlayStation 2 vertrieben. 2K waren es dann auch, die die Lizenz behielten und der Reihe im Frühjahr 2006 die erste wirkliche Fortsetzung spendierten. Seit Top Spin 3 erschien das Spiel stets für PlayStation 3, Xbox 360 und Nintendo Wii. Als Höhepunkt der Reihe gilt dann auch Top Spin 4, von manchen als bestes Tennisspiel aller Zeiten betrachtet, sodass Interessierte anders als bei Virtua Tennis nicht lange überlegen müssen, welchen Serienteil sie sich zulegen sollten.

Die große Stärke des Spiels ist sein Realismus, der stets den Eindruck erweckt, dass jeder Punktgewinn das Ergebnis eines einzigartigen Ballwechsels ist. Dafür steht in Top Spin 4 nicht nur das übliche Repertoire an Schlagvarianten zur Verfügung. Das Spiel besitzt auch ein ausgeklügeltes Timing-System und eine glaubwürdige Umsetzung des Faktors Erschöpfung. So wird ein Spieler, der ausnahmslos nur die schnellsten und härtesten Schläge ausführt, früher oder später eine Kräfteverlust erfahren und unkonzentriert werden. Die computergesteuerten Gegner sind unterdessen klug genug, um auf solche Situationen aktiv hinzuarbeiten.

Fazit: Wer eine Xbox 360 oder eine PlayStation 3 sein Eigen nennt und Realismus über alles andere stellt, kommt um 2Ks Top Spin nicht herum. Im Laufe ihres Bestehens hat sich die Reihe beständig verbessert und obwohl auch Teil 4 mit Sicherheit kein perfektes Spiel ist, kommt er dem Ideal einer Tennissimulation vermutlich näher als jedes andere Spiel. Bedauerlicherweise markierte er auch das Ende der Reihe, die genau wie ihre Konkurrenten auf den Nachfolgekonsolen bisher keine Fortsetzung fand. Liebhaber von Bewegungssteuerung sollten von Top Spin übrigens die Finger lassen: Die Motion Controls, die auf der PlayStation 3 mit dem Move-Controller realisiert werden, fühlen sich stets unnatürlich an. Auch die Wii-Umsetzungen der Reihe können nicht überzeugen.

Der Außenseiter: Grand Slam Tennis

Dass Electronic Arts Grand Slam Tennis kein größerer Erfolg beschieden war und die Reihe nach nur zwei Teilen eingestellt wurde, dürfte weniger der Qualität der Spiele geschuldet sein, als dem Umstand, dass EA es versäumte, mit Grand Slam Tennis eine kohärente Produktstrategie zu verfolgen: Das ursprüngliche Grand Slam Tennis erschien 2009 auf der Nintendo Wii und nutzte als eines der ersten Spiele das kurz zuvor veröffentlichte Wii-Motion-Plus-Zubehör. Im Vergleich zur eher rudimentären Bewegungserkennung eines Wii Sports wurde damit eine glaubwürdige Umsetzung realer Bewegungsabläufe möglich. Während die Bewegungssteuerung von Grand Slam Tennis gut und gern mehrere Stunden Eingewöhnungszeit erfordern kann, ist sie die bis heute wohl realistischste ihrer Art. Nicht bei allen Spielern gut ankommen dürfte hingegen der Cartoon-Look der Wii-Version.

Eigentlich sollten wenige Monate später Umsetzungen des Spiels auf PS3 und Xbox 360 erscheinen, die zuerst auf unbestimmte Zeit verschoben und dann ganz gestrichen wurden. Als die Reihe zwei Jahre später als Grand Slam Tennis 2 erneut auftauchte, ließ sie nun aber die Wii außen vor – und damit potentiell alle Fans des Vorgängers. Offenbar hatte man die Cartoon-Grafik des Vorgängers als Defizit des ansonsten auf Realismus getrimmten Spiels ausgemacht und setzt bei Teil 2 auf akkurate Repräsentationen realer Tennisprofis, die vor allem Top Spin alt aussehen lassen. Ferner möchte Grand Slam Tennis 2 mit einem (optionalen) „Total Racquet Control“ genannten System glänzen – eine vollkommen neuartige Art der Schlägersteuerung, die anstelle von Tasten den rechten Analogstick nutzt. Eine weitere Stärke der Grand Slam-Serie ist, dass sie als erstes Tennisspiel überhaupt alle vier Grand Slam-Turniere enthält und somit ebenfalls als erstes Tennisspiel über die offizielle Wimbledon-Lizenz verfügt.

Fazit: Die mangelnde Popularität der Spiele sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass beide Versionen von Grand Slam Tennis auf ihre Art sehr gelungene Spiele sind, die sich vor der Konkurrenz nicht verstecken müssen. Grand Slam Tennis 2 ist sicherlich simulationslastiger als Virtua Tennis aber weniger komplex als Top Spin 4. Wer sich nicht entscheiden kann, findet in Grand Slam Tennis einen interessanten, wenn auch nicht sehr eigenständigen Hybriden. Und wem der Sinn nach Bewegungssteuerung steht, erlebt mit der Wii-Version die beste ihrer Art.

ps: Demnächst soll es von den Top Spin Machern mit Tennis World Tour einen weiteren, interessanten Titel geben, der übrigens auch für die PS4 erscheinen soll.

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