Doom

Ursprünglich wollte ich hier eine clevere Einleitung schreiben, die erklärt was id-Software in den letzten Jahren so getrieben hat, wie ihre letzten Spiele abgeschnitten haben und wie meine Erwartungshaltung gegenüber Doom war. Aber das geht jetzt nicht mehr, nicht nachdem ich etliche Stunden auf dem Mars und in der Hölle verbracht habe. Mein Gehirn ist Matsch und schlaue Sätze könnt ihr hier lange suchen. Doom ist stumpf, brutal und schnell. Warum es gerade deshalb so ein mörderisch gutes Spiel ist, soll unser Test klären:

Typ erwacht…

Für all diejenigen, die es interessiert: Ja, Doom hat nicht nur eine Kampagne, sondern auch eine Story. Eine kurze, völlig belanglose Story, die kein Mensch braucht:
Typ erwacht, da sind Dämonen, Typ wird wütend und tötet alle.
Ein wenig nuancierter ist es dann vielleicht doch, aber ihr wisst glaube ich worauf ich hinaus will. Die Story mag irgendwo vielleicht tatsächlich von Bedeutung sein, aber einen großen Stellenwert auf Handlung sollte man dennoch nicht legen.
Braucht man bei Doom auch einfach nicht, weil es so verdammt viel Spaß macht sich durch die abwechslungsreichen, großen und immer fordernden Level zu kämpfen. Dabei greift man auf ein immer größer werdendes Arsenal an Waffen zurück, das zwar keinen Innovationspreis gewinnen mag, aber ausreichend ist, um immer stärker und gigantischer werdende Massen an widerlichen Dämonen in blutige Fetzen zu schießen.
Neben der Handfeuerwaffe, über das MG, Schrotflinte und Plasmagewehr, bis hin zum Raketenwerfer ist das alles Standardkost, die id-Software bietet, aber durch die schnell ablaufenden Kämpfe, bei denen man sich nie hinter irgendwelchen Deckungen verstecken kann, ist es eigentlich auch gar nicht so wichtig welche Waffe man gerade ausgerüstet hat; Hauptsache ist, dass sie noch Munition hat.

Doom 01

… Da sind Dämonen…

Doom fördert offensives Spielen wie kein anderer Shooter der letzten Jahre. So müssen Gegner bezwungen werden, um von ihnen fallen gelassene Energie aufsammeln zu können, da sie sich nicht wie in anderen Spielern von alleine auflädt, wenn man sich nur lange genug vor den Angreifern versteckt. Da es diese Verstecke gar nicht erst gibt, ist man immer in Bewegung; ballert, rennt und springt. Hat der Gegner genug Schaden genommen, kann man ihm mit einem äußerst blutigen Glory-Kill den Garaus machen. Dabei beobachtet man nicht nur ebenso abartige wie bewundernswert kreative Tötungsanimationen, sondern der Gegner lässt auch mehr Lebensenergie zurück.
Perfekt um sich wieder ins Gefecht zu stürzen.
Und auch wenn man sich über Sinn und Zweck dieser Animationen durchaus streiten könnte, haben sie spielerisch klar einen Vorteil: Während dieser ist man nahezu unverwundbar und kann sich dadurch eine klitzekleine Verschnaufpause verdienen, bevor es weiter geht.
Doom ist in dieser Hinsicht tatsächlich atemlos, trumpft diese Mechanik aber nochmals mit der Einführung der Kettensäge, über die sich Serienliebhaber besonders freuen werden. Auch wenn die Munition dafür noch knapper ist als für andere Waffen, kann man selbst richtig großen Gegner mit nur einem Hieb zurück in die Hölle schicken. Vorteil hiervon: Es gibt nochmals mehr der blauen Heilenergie! Dabei unterscheidet sich der Verbrauch je nach Größe des Gegners. Während man mit einer Füllung locker 10 der Standardgegner massakrieren kann, verbraucht man bei den Höllenrittern schon mal die ganze Ladung auf einmal.
Für so ziemlich jede Waffe kann man noch mal zwei Mods freischalten, die dann entsprechende Sekundärfunktionen aktivieren. Während man mit R2 beispielsweise ständige Salven abfeuert, können durch das Drücken und Halten von L2 zusätzlich noch Raketen in die Gegnerscharen geballert werden. Diese Mods lassen sich auf Knopfdruck wechseln und bringen so eine taktische Komponente in die schnellen Gefechte.

…Typ wird wütend…

Dabei kann man so ziemlich alles, was man findet, auch weiter aufrüsten. Die Rüstung lässt sich gegen Explosionsschaden stärken, den Aufdeckradius auf der Karte kann man erhöhen, kürzere Nachladezeiten bei Waffen aller Art oder generell mehr Munition sind sowieso immer drin.
Das mag sicher ein Zugeständnis an moderne Shooter sein, passt aber dennoch auch zu Doom wie die Faust aufs Auge. Nebenbei stößt man noch auf Runen, die – einmal in einer separaten Herausforderung verdient – unterschiedliche Boni aktivieren.
Interessant ist das ganze auch deshalb, weil man viele Dinge eben finden muss, um sie nutzen zu können. Auch wenn die Level nicht gigantisch oder ewig weit verzweigt sind, schaut man häufig auf die Karte und versucht den Standort des nächsten Mod-Händlers zu entziffern, oder die nächste Marke eines gefallenen Soldaten zu finden, die man doch so dringend braucht um den eigenen Anzug zu verstärken. Versteckt wäre vielleicht das falsche Wort, aber auf dem Weg liegen diese Gegenstände auch nicht herum. Häufiger muss man über Rohre oder in Lüftungsschächte krabbeln. Und von den Bonus-Stages, die im Original-Look daher kommen, wollen wir gar nicht erst anfangen. Die Hebel hierfür sind nämlich tatsächlich nicht gerade offensichtlich platziert.
Auf der Suche ist man schnell auch mal gefrustet, denn dass die Karte besonders übersichtlich oder angenehm auf ihr zu manövrieren wäre, das kann man wohl wirklich nicht behaupten. Für weiteren Frust sorgen leider auch das Level- und Missionsdesign.
Die Ziele schwanken zwischen „Finde Schlüsselkarte Blau“, „Zerstöre 5 Nester“ und „Finde Schlüsselkarte Gelb“. Das ist natürlich eine Anspielung auf die alten Teile, entlockt einem heute aber trotzdem nur noch ein müdes Lächeln – zumal die Level mitunter eine Größe erreichen, dass das ständige Backtracking auch mal für Langeweile sorgen kann.
Desweiteren sind die Level darauf ausgelegt auch mal kniffligere Sprungpassagen zu meistern. Da man oft aber nicht weiß, wie weit man eigentlich springen kann, stürzt man gerade zu Beginn häufiger mal in den Tod.
Das ist ärgerlich, gerade da die Ladezeiten auf der Konsole auch mal an der Minutenmarke kratzen.
Hat man die Passage aber hinter sich und der nächste Kampf kommt auf einen zu, wird man unweigerlich lächeln und alles geben was man hat.

Doom 04

…Und tötet alle.

Was wäre ein Shooter ohne entsprechende Multiplayer-Modi?
Im Falle Dooms trotzdem noch ein starkes Stück, aber fehlen soll er hier wohl auch nicht. Dabei hinterlässt gerade dieser Modus einen zwiegespaltenen Eindruck. Klar, man hat das obligatorische Team Deathmatch und Capture the Flag, aber irgendwie wollte er nicht so zünden, wie ich mir das nach der Kampagne gewünscht hatte.
Nicht falsch verstehen, er macht Spaß und man konnte sich in einem Arena Shooter schon lange nicht mehr so austoben, aber an die Qualität des Singleplayer kommt er leider nicht heran – ganz zu schweigen von einem gewissen Overwatch, das kürzlich ebenfalls erschienen ist. Das mag womöglich auch daran liegen, dass id-Software die Entwicklung des Multiplayer-Parts an ein externes Studio ausgelagert hat. Insofern ist es gut zu wissen, dass sie in Zukunft das Ruder wieder selbst übernehmen und neue Modi und Optionen nachreichen wollen.

Mit der sogenannten Snapmap haben die Entwickler einen komplexen, aber dennoch leicht zu handhabenden Level-Editor ins Spiel gebracht, der in der Theorie unendlichen Spielspaß verspricht. Die Community ist äußerst fleißig und so gibt es bereits Stages aus dem Original-Doom oder witzige Dämonen-Mobas zu bestaunen. Dank eines übersichtlichen Auswahlmenüs findet man die bestbewerteten Level schnell und kann sich ohne Umstände in die Kämpfe stürzen.

Technik

Technisch ist Doom verdammt gut geworden. Die Texturen sind scharf, das Geschehen läuft mit stabilen 60fps und das Artdesign ist wunderbar stimmig.
Mal abgesehen von den langen Ladezeiten zwischen den Leveln oder wenn man eben stirbt, gibt es nichts zu beanstanden.
Soundmäßig fährt das Spiel alles auf, was man sich nur wünschen. Wer eine gute Anlage hat, sollte diese aufdrehen, es ist eine Wucht, was da aus den Boxen hämmert. Die deutsche Synchronfassung ist gelungen, was bei geschätzten zehn Minuten Gesprächen aber auch erwartbar ist und der Soundtrack stimmig. Harte Riffs treffen dumpfe Bässe und unterstreichen immer die Dringlichkeit der Situation.

Doom 05

FAZIT

Was id-Software mit Doom abgeliefert hat, sucht seinesgleichen. Auf den ersten Blick mag es ein stumpfes Geballer auf zerfetzende Körperteile sein, aber unter der blutigen Oberfläche schlummert ein clever ausbalancierter Old-School-Shooter, der wie kein anderer aktueller Vertreter den Spieler dazu bringt in die Offensive zu gehen. Das garantiert ein schnelles Tempo und abwechslungsreiche Kämpfe gegen immer größer werdende Gegnerscharen. Mit einer Spielzeit von circa 12 – 14 Stunden ist die Kampagne dabei angenehm lang. Auf höheren Schwierigkeitsgraden kann man noch mehr Zeit investieren, der Frustfaktor nimmt allerdings auch zu.
Die Technik passt dabei genauso wie der Sound und die Waffenauswahl. Der Multiplayer macht zwar Spaß, bleibt hinter der hervorragenden Kampagne allerdings weit zurück.
Nichtsdestotrotz ist der vorliegende Ego-Shooter jeden Cent wert, den ihr dafür ausgebt!

1 Comment

  1. Guter Test! Ist zwar nichts für mich, aber es scheint wie Wolfenstein: The New Order alles richtig zu machen und alte und neue Spieler anzusprechen 🙂

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