Dragon’s Dogma / Review

Was tun, wenn ein plötzlicher Drachenangriff das ansonsten ruhige Leben im heimischen Dörfchen stört? Natürlich ein Schwert schnappen und sich der fliegenden Bestie gegenüberstellen.
Und was tun, wenn man plötzlich die Aufmerksamkeit des Drachen auf sich gezogen hat? Genau, ihn mit dem Schwert pieksen.
Was jedoch tun, wenn dies dem Drachen so gar nichts ausmacht, er euch dafür jedoch das Herz aus der Brust reißt? Ganz klar, nicht daran stören und als Erweckter auf die Suche nach dem Drachen gehen, um sich fürchterlich an ihm zu rächen!
So könnte man in etwa kurz die Vorgeschichte zu Dragon’s Dogma wiedergeben. Ihr schlüpft nun in die Rolle des Erweckten und begebt euch auf die Suche nach dem Drachen, um euer Herz wiederzubekommen. Dass dies kein einfaches Unterfangen wird, dürfte klar sein. Ob dieses Unterfangen jedoch Spaß macht, verraten euch die folgenden Zeilen…

 

Zu Beginn darf der Spieler seinen ganz persönlichen Erweckten erstellen. Der Editor, in dem die Spielfigur kreiert wird, bietet hierbei jede Menge Möglichkeiten, den Wunschcharakter zu erschaffen. Vom Gesicht über Beine und Arme bis hin zur Stimme könnt ihr euch hier wirklich austoben, bis ihr euren Helden erstellt habt.
Seid ihr mit der Optik eures Helden zufrieden, dürft ihr nun noch eine von drei Klassen auswählen. Der Kämpfer stellt sich seinen Feinden mit Schild und Schwert in den Weg, der Magier heizt ihnen mit Zaubersprüchen ein und der Streicher meuchelt seine Opfer wahlweise mit Dolchen oder aus der Ferne mit Pfeil und Bogen.
Im späteren Spielverlauf darf man zusätzlich eine Unterklasse wählen, wobei jede Hauptklasse drei von diesen Unterklassen bietet. Nimmt man es genau, bietet Dragon’s Dogma also insgesamt neun Klassen, an denen man sich versuchen kann.

Hat man dies alles erledigt, beginnt das Spiel und man darf sich auf die Suche nach dem Drachen machen, um diesem das Herz wieder abzunehmen.
Die Spielwelt präsentiert sich hierbei komplett offen, was jedoch auch für die Story gilt. Wer eine straffe Hauptgeschichte sucht, wird diese nur sehr schwer finden. Dafür warten aber an nahezu jeder Ecke Personen, die euch gerne mit Aufgaben versorgen möchten. Die Aufgaben sind hierbei allesamt recht unterschiedlich und sorgen dafür, dass man die Spielwelt nach und nach kennenlernt. Mal soll man einige Monster töten, ein anderes Mal dabei helfen, Gegenstände zu suchen oder aber wird mit Lieferaufträgen losgeschickt. Diese Aufgaben muss man jedoch nicht alleine erfüllen, sondern kann einige Vasallen als Unterstützung anheuern.

 

Die Vasallen stammen aus einer Art Parallelwelt, welche man nur über sogenannte Rift-Steine erreichen kann. Insgesamt drei Vasallen könnt ihr in dieser Welt gleichzeitig anheuern, wobei einer davon ein „Hauptvasalle“ ist, welchen ihr sogar im Editor optisch euren Wünschen anpassen dürft. Durch einige abschließende Fragen wird das Verhalten des Hauptvasallen angepasst. Während der Hauptvasalle mit euch zusammen auflevelt, gilt dies für die restlichen Vasallen, die ihr angeheuert habt, nicht. Somit werdet ihr regelmäßig in die Parallelwelt reisen und euch mit Vasallen „ausstatten“, die zu eurem eigenen Level passen. Möchtet ihr Vasallen mitnehmen, die stärker sind als ihr, müsst ihr hierfür hart erarbeitete Riftpunkte investieren. Begnügt ihr euch mit gleichstarken und schwächeren, bekommt ihr sie umsonst.

 

Bei den Vasallen gibt es alle möglichen Klassen, die euch im Kampf unterstützen werden. Sehr schön hierbei ist, dass die Vasallen, die über Heilfähigkeiten verfügen, ihren Job ordentlich erledigen. In vielen Spielen, in denen der Hauptcharakter von NPCs geheilt wird, klappt dies ja eher suboptimal, in Dragon’s Dogma könnt ihr euer Leben aber ruhig in die Hände von heilbegabten Vasallen legen.
Im Endeffekt solltet ihr eure Gruppe ordentlich mischen und darauf achten, dass sie z.B. nicht nur aus Zauberern besteht. Sorgt dafür, dass ihr beispielweise einen Heiler, einen Fernkämpfer und einen Magier habt, wenn ihr selbst Nahkämpfer seid, schon habt ihr eine ausgewogene Gruppe an eurer Seite. Es gibt natürlich auch Gegner, bei denen ihr andere Gruppenkombinationen austesten solltet. Spätestens dann, wenn ihr mit einer bestimmten Kombination keine Chance gegen einen Gegner habt, werdet ihr recht schnell lernen, wann ihr welchen Vasallen mitnehmen solltet.

Die Vasallen sind jedoch nicht nur als Unterstützung im Kampf mit euch unterwegs. Sie sammeln Heilkräuter und bauen Erze ab und halten Ausschau nach Upgrade-Materialien für eure Rüstungen und Waffen. Stirbt ein Nebenvasalle im Kampf, wird er euch prompt verlassen. Die Items, die er zu dieser Zeit im Inventar hatte, gehen jedoch nicht verloren, sondern werden in eurem Lager gesammelt. Daher ist es kein Problem, wenn ihr den Nebenvasallen nicht alle fünf Minuten das Inventar ausräumt.

 

Ein sehr schönes Feature in Dragon’s Dogma ist, dass man seine Vasallen mit anderen Spielern austauschen kann. Es gibt hierzu eine Onlinefunktion, in der man seinen Vasallen anbieten kann, oder aber sich vorgefertigte von anderen Spielern selbst ausleihen darf. Nehmen andere Spieler den eigenen Vasallen mit auf deren Reise, kann man während dieser Zeit trotzdem noch selbst auf ihn zurückgreifen. Es kann aber passieren, dass er bei den anderen Spielern Items sammelt, die er dann ins eigene Spiel mitbringen wird. Dies wird serverseitig immer aktualisiert, sobald sich Spieler in einem Gasthaus ausruhen.

 

Während ihr durch die Welt von Gransys (so heißt der Kontinent) zieht, werdet ihr auf viele kleinere, aber auch sehr große Monster treffen. Ob ihr vom Level her in bestimmte Bereiche gehört, werdet ihr immer recht schnell merken. Habt ihr euch nämlich in ein Gebiet gewagt, in dem ihr noch nichts zu suchen habt, werden euch die dort herumwuselnden Gegner recht schnell auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Auf gut Deutsch: Sie hauen euch so schnell aus den Schuhen, dass ihr vorerst nach anderen Orten Ausschau haltet.

Wie erwähnt, trefft ihr im Laufe des Abenteuers auch auf sehr große Gegner, die ihr mit speziellen Taktiken erlegen müsst. Wer das Spiel „Shadow of the Colossus“ kennt, wird sich hier sehr schnell heimisch fühlen. Ihr bearbeitet die großen Gegner und könnt (bzw. müsst dies sogar) sogar auf sie klettern, bzw. euch an ihnen festklammern. So trefft ihr z.B. auf eine mehrköpfige Hydra, der ihr nach und nach jeden Kopf einzeln abschlagen müsst, wenn ihr sie besiegen wollt. Hierzu klettert ihr – oder eure Vasallen – an einem der Hälse empor und versucht, dem entsprechenden Kopf so lange zuzusetzen, bis er nur noch tot herabhängt.
Sehr wichtig hier ist, dass eure Vasallen nach und nach Taktiken und Spielweisen automatisch erlernen. So wissen sie beispielweise nach einiger Zeit, das auch sie an einem der großen Gegner emporklettern müssen/können, um ihm so Schaden zuzufügen. Oder aber sie lenken den Gegner ab, damit man ihn selbst von hinten attackieren kann.
Gerade diese großen Gegner, von denen es einige im Spiel gibt, sorgen dafür, dass man im Großen und Ganzen in Dragon’s Dogma sehr gut unterhalten wird.

 

Jedoch gibt es in Dragon’s Dogma auch einige Schwachpunkte, die nicht verschwiegen werden sollten. Zum einen werdet ihr eine Schnellreisefunktion beispielweise sehr vermissen. Wenn ihr Lieferaufträge ausführt und hierfür von Ort zu Ort latschen müsst, wünscht ihr euch recht bald eine Portfunktion. Diese gibt es zwar, jedoch kosten diese Steine sehr viel Gold und sie können nur einmal verwendet werden. Und dies auch nur, um in die Hauptstadt zu porten, nicht etwa in kleinere Ortschaften. Da natürlich gerade zu Beginn das Gold sehr knapp ist, werdet ihr viel Zeit damit verbringen, von A nach B zu laufen, um danach wieder nach A zurückzukehren.
Denkt ihr nun, dass ihr euch z.B. nachts einfach am Wegesrand ausruhen könnt, dort ein Lager aufschlagt und den kommenden Tag abwartet, täuscht ihr euch. Gerastet werden kann nur in Gasthäusern oder in Lagern, die man ab und an in der Landschaft finden wird. Hier kann man dann auch auf die Gegenstände zugreifen, die sich im Lager befinden.
Beim Thema Gegenstände kommt ein weiteres Manko zum Vorschein. Zwar ist das Ausrüstungs- und Gegenstandsmenü recht übersichtlich, um jedoch die Ausüstung zu wechseln, muss ein gesonderter Bildschirm aufgesucht werden. Hieran wird man sich jedoch recht schnell gewöhnen.

 

Optisch ist Dragon’s Dogma eine Sache für sich. Viele Texturen wirken verwaschen und oft wünscht man sich mehr Details in der Landschaft. Andererseits kommt man immer wieder an Stellen, die wunderschön anzusehen sind, man eine tolle Aussicht über z.B. ein Tal genießen kann oder sich einfach auf einer schönen Wiese ausruhen möchte. Die Monster und die Charaktere sind allesamt schön gestaltet und gut animiert.
Der Soundtrack des Spiels geht vollkommen in Ordnung und bringt einiges an Atmosphäre. Nervig hingegen sind die plappernden Vasallen, deren Texte sich recht schnell wiederholen. Die Sprachausgabe wurde nicht ins Deutsche übersetzt, die Bildschirmtexte sind jedoch in deutscher Sprache vorhanden. Leider sind die gesprochenen, englischen Texte nicht wirklich lippensynchron. Hierdurch geht ein wenig Spielspaß verloren, denn es wirkt merkwürdig, wenn ein NPC, mit dem man redet, stumm bleibt, aber den Mund bewegt. Gut, er kann unter Schnappatmung leiden, jedoch fragt man sich dann, wie er reden kann, ohne seinen Mund zu bewegen. Bauchredner und Schnappatmer in einem? Wer weiß…

Fazit:

Wer ein Spiel mit straffer Hauptstory sucht, durch die er sich „mal eben“ durchspielen kann, wird mit Dragon’s Dogma nicht glücklich werden. Wer jedoch ein Rollenspiel sucht, welches jede Menge Quests bietet, dazu eine schöne Welt und ordentlich Abwechslung bei den Monstern, der sollte sich den Titel unbedingt zulegen.
Man muss sich in Dragon’s Dogma einfach in die Welt hineinziehen lassen, dann wird man hier sehr viel und sehr lange Spielspaß haben. Spielt man schnell und lässt viele Aufgaben links liegen, kann man mit ca. 30 Spielstunden rechnen. Absolviert man alle Aufgaben, ist man gut und gerne mindestens 70 Stunden in Gransys unterwegs.
Das Vasallensystem ist sehr schön, jedoch fragt man sich, wieso man den Titel nicht im Koop mit anderen Spielern spielen darf, wo man ja eh permanent in einer Gruppe unterwegs ist.
Mir persönlich hat der Titel jedoch viel Spaß gemacht und ich möchte ihn Rollenspielfans auf jeden Fall ans Herz legen!

Schreibe einen Kommentar