Filmecke: Die Insel der besonderen Kinder

An dieser Stelle möchten wir euch nicht nur in unserer Filmecke generell begrüßen, sondern werden hier für euch in Zukunft und so regelmäßig wie möglich den ein oder anderen Film besprechen und gegebenenfalls auch kristisieren. Die Filme müssen nichts mit Videospielen zu tun haben, sondern bedienen vielmehr aktuelle Neuerscheinungen, oder auch mal den ein oder anderen Klassiker oder Kult-Titel. Wie so ziemlich jedes Review, sind auch die Filmbesprechungen absolut subjektiv. Wer über einen Film diskutieren möchte, der darf sich dementsprechend auch gerne in den Kommentaren zu Wort melden.

Den Anfang macht dabei Die Insel der besonderen Kinder, ein Fantasy-Film basierend auf dem gleichnamigen Buch von Ransom Riggs. Regie bei dem 2016 veröffentlichten Film führte Tim Burton, während in den Haupt- und Nebenrollen beispielsweise Eva Green (Sin City 2, Casino Royale), Asa Butterfield (Hugo Cabret, Ender’s Game) und Samuel L. Jackson (Pulp Fiction, Captain America) zu sehen sind.

Zur Handlung

Der 16-jährige Jake hatte schon immer eine besondere Beziehung zu seinem Großvater Abe. Immerhin erzählte ihm dieser immer phantastische Geschichten aus seiner eigenen Jugend, in der allerhand außergewöhnliche Menschen, aber auch Magie und Monster vorkamen. Von einer Insel der besonderen Kinder sprach er und deren Heimleiterin Miss Peregrine, die mit Strenge, aber auch Güte auf ihre Schützlinge achtete. Doch mit zunehmendem Alter wurde nicht nur der Großvater immer dementer, sondern auch Jake begann den Wahrheitsgehalt der Geschichten anzuzweifeln. Als Abe eines Abends auf mysteriöse Weise verstirbt und der Junge eine Postkarte eben jener Miss Peregrine entdeckt, begibt er sich zusammen mit seinem Vater auf eine schottische Insel, die voller Geheimnisse zu stecken scheint. Geheimnisse, die sich hinter der trüben, alltäglichen Fassade der Realität versteckt.

Denn Miss Peregrine und ihre besonderen Kinder existieren nicht nur, sondern sie befinden sich in einer Zeitschleife, in der sie den immer gleichen Tag erleben. Dort angekommen freundet sich Jake nicht nur mit dem unsichtbaren Millard, den mysteriösen Zwillingen, der Feuer kontrollierenden Olive und der schwebenden Emma an, sondern erfährt auch mehr über die gesichtslosen Hollows, die Jagd auf die Besonderen machen.  Unter Führung des zwielichtigen Mr. Barron ist es das erklärte Ziel der Monster alle Zeitschleifen zu finden und deren Bewohner auszulöschen. Für Jake beginnt nicht nur ein Abenteuer voller Gefahren, sondern auch die Suche nach seinem Platz in der Welt.

Die Insel der besonderen Kinder…

… Ist der neueste Film von Tim Burton und ich könnte mir keinen besseren Regisseur für diese Art von Film vorstellen. Die skurrilen Charaktere und unheimlichen Wesen schreien geradezu nach diesem Ausnahmeregisseur, der vielleicht nicht immer die von Kritikern beliebtesten Filme macht, aber schon seit jeher für seinen eigenen Stil und seinen Willen Dinge unkonventioneller zu verpacken bekannt ist.

Und tatsächlich gibt es an der Regie kaum etwas auszusetzen. Erwartungsgemäß schafft es Burton Bilder und Eindrücke zu vermitteln, die einen als Zuschauer in ihren Bann ziehen und beeindrucken. Die Kostüme sind hervorragend, die sichtbaren Unterschiede zwischen der Gegenwart und der Zeitschleife grandios und auch die Besetzung kann sich sehen lassen. Samuel L. Jackson als Mr. Barron macht seinen Job sehr gut und wirkt nicht nur bedrohlich, sonder überzeugt durch eine lässige, selbstironische Art, während Eva Green als Miss Peregrine so gut besetzt ist, dass ihre Figur mir am meisten in Erinnerung geblieben ist. Asa Butterfield mimt Jake ganz ordentlich, bleibt aber etwas blass, was an seiner Rolle innerhalb der Geschichte liegen könnte.

Der Rest der jungen Schauspieler macht einen ordentlichen Job, bleibt aber hinter den Leistungen der erfahreneren Kollegen zurück. Das allerdings ist kein Beinbruch, denn mit Die Insel der besonderen Kinder möchte man ja kein tiefschürfendes Charakter-Drama erzählen, sondern ein modernes Fantasy-Märchen.

Und das gelingt über weite Strecken außerordentlich gut. Der Anfang gestaltet sich nicht zäh, sondern alles geschieht so schnell, dass man nach knapp einer halben Stunde Spielzeit bereits auf der Insel angekommen ist. Von dort startet die Story so richtig durch und die nächste Stunde vergeht wie im Flug. Es warten kleinere Lacher, fantasievolle Momente, kleine romantische Untertöne und spannende Augenblicke darauf erlebt zu werden.

Leider kann die letzte halbe Stunde das Niveau nicht ganz halten und das Ende ließ mich sogar kalt zurück. Woran das liegt, kann ich gar nicht genau erklären, ich vermute allerdings, dass das ausführende Filmstudio über weite Teile die Schuld daran trägt. Während die Romanreihe von Ransom Riggs mittlerweile drei Bücher umspannt und sich der Film weitestgehend am ersten orientiert, erfindet dieser ein völlig eigenes Ende – das nichts mit Die Stadt der besonderen Kinder (Buch 2) und Die Bibliothek der besonderen Kinder (Buch 3) zu tun hat.

Dadurch entsteht ein für den Zuschauer spürbarer Stilbruch, der mehr oder weniger stören kann. Mich persönlich hat es gestört, kann aber die Entscheidung des Studios und der Drehbuchautorin verstehen. Besser man hat ein Ende, das man so stehen lassen, aber theoretisch auch noch fortsetzen könnte, als den ersten Teil einer Reihe, die womöglich niemals weiter verfilmt wird, weil die Verkaufszahlen nicht passen.

FAZIT

Die Insel der besonderen Kinder ist ein handwerklich hervorragender Fantasy-Film, der für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen geeignet ist, sich dabei aber nicht übermäßig auf CGI-Effekte verlässt. Die Schauspieler haben sichtlich Spaß an ihren Rollen und die Geschichte bleibt lange spannend genug, um die 120 Minuten Spielzeit im Flug vergehen zu lassen. Wer den Film mit seinen eigenen Kindern schauen möchte, sollte allerdings beachten, dass es trotz der FSK12-Freigabe ein paar durchaus explizite Szenen gibt, die womöglich ungeeignet sind.

Ich hatte viel Spaß mit dem Film und finde es sehr schade, dass es wohl keine Fortsetzung geben wird. Dafür können sich alle Interessierten die Bücher kaufen oder leihen, um die Jakes Geschichte weiter zu erleben.

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