Final Fantasy XIV – Review

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Das Fantasy-MMORPG Final Fantasy XIV: A Realm Reborn hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Als Flop gestartet, engagierte Square Enix einen neuen Producer, der nahm das MMORPG vom Netz, unterzog es einer Runderneuerung und brachte es als „A Realm Reborn“ neu heraus. Während das Spiel unter der Limitierung der PS3 litt, machte es auf dem PC von sich reden und konnte auf der PS4 nun durchstarten. Wir werfen einen Blick auf das Online-Spektakel.

Die Welt und ihre Geschichte: „Heute essen wir mal asiatisch“

Final Fantasy XIV erzählt seine Story in Dialogen mit ausdrucksstark animierten Fantasiegestalten aus der Welt derFinal-Fantasy-Franchise. Zu besonderen Anlässen wird auf Cutscenes gewechselt, die in cinematischen Szenen die großen Ereignissen vorantreiben.
Drei Stadtstaaten schlossen sich zu einer fragilen Allianz zusammen, um ihren Kontinent Eorzea gegen das „Imperium“ zu verteidigen. Das hatte sich schon in Stellung gebracht, um mit „Magi-Tek“ (kybernetischem Magie-Kram) die anderen Völker zu unterjochen. Doch als schon alles entschieden war, krachte einer der kleineren Monde auf die Erde: Bahamut, ein schier allmächtiges Unwesen, griff in den Kampf ein und räumte mal so richtig auf. Beide Reiche zogen sich unter großen Verlust zurück, leckten ihre Wunden und die Welt war nicht mehr dieselbe. In diese veränderte Welt tritt einige Jahre später nun ein junger Held und – Überraschung! – der seid Ihr.

Die Erzähltradition und die Welt unterscheiden sich frappant von westlicher Kost. Dabei brilliert das Game mit den über die Jahre gewachsenen Final-Fantasy-Archetypen. Ob man die berühmten Kaktus-Menschen als Gegner wiedersieht, auf Spriggans im Western-Look trifft oder sich danach sehnt, endlich einen Chocobo zu reiten: Man spielt Final Fantasy.

Das Story-Telling ist manchmal etwas zäh und kommt nun nicht gerade ohne Umschweife auf den Punkt. Oft steckt man in einer Zuschauer-Rolle und lauscht den behäbig voranschreitenden Entwicklungen. Wem Final Fantasy und die asiatische Art, eine Geschichte zu erzählen, schon immer gefallen hat, wird gerade das lieben. Bunte und exzentrische Figuren bevölkern eine Welt, in der man sich rasch zu Hause fühlt.

80/100 Punkten

 

Die Klassen, die Berufe, die Ausrüstung und der Rest des Helden-Einmaleins

Bei manchen MMOs kommt man am Ende zu einem Punkt, wo man nur Positives aufgezählt hat, um dann einzuschränken: Das Spiel erfinde nun das Genre auch nicht neu. FF XIV hingegen bringt einige neue Elemente ins Spiel. So beginnt der Spieler zwar mit einer Klasse, kann aber schon rasch weitere Klassen freischalten, auf diese wechseln und dann von Lvl 1 wieder anfangen (mit einem EXP-Bonus).
Dabei gibt es hier keine Beschränkungen, man kann jederzeit in eine der alten Klasse zurückwechseln, das ist eine Sache von Sekunden. Jedes „Alter Ego“ seines Helden rüstet man anders aus, die Kleidung sieht man dem Avatar sofort an: Hier (und überall sonst im Spiel) wurde auf Details Wert gelegt.
Dadurch gestaltet sich das Gameplay natürlich abwechslungsreich. Ein etwas gewöhnungsbedürftiges Inventar-System macht es anfangs schwer, den Überblick zu bewahren, ob das Bogenschützen-Alter-Ego nun die Mädchen-Streber-Brille braucht, die man gerade gefunden hat und die +3 auf Geschicklichkeit gibt, aber daran gewöhnt man sich.

Acht Basis-Klassen gibt es (fünf mit körperlichem Schaden, drei mit Mana), jede von ihnen hat einen eigenen Twist, wobei manche schon etwas generisch wirken. Mit 30 werden dann die „Jobs“ freigeschaltet: Spezialklassen, die neues Leben in die Bude bringen.

Bonus-Punkte kassiert das Spiel für das vielleicht umfangreichste und cleverste Crafting-System im Genre. Denn Berufe werden auch wie Klassen behandelt und es entstehen tolle Synergie-Effekte. Wobei es schon ein bisschen komisch ist, auf einmal nur mit Nadel und Faden und ansonsten nackt vorm Lehrer zu stehen, weil man nicht mehr ein Stufe 12 Gladiator, sondern ein Stufe 1 Schneider ist, dem die alten Klamotten nicht mehr passen.

Hier ist Final Fantasy am stärksten, der Klassenwechsel ist toll, das Crafting noch besser und Item-Upgrades sieht man sofort am Char. Klasse!

95/100 Punkten

 

Das Gameplay: Events, Dungeons und Jagdlisten

Beim Gameplay erweist sich FF XIV als Tausendsassa. Im Gruppenfinder ist immer was los. Hier finden sich Verliese und Szenarien, durch die man allerdings zum jetzigen Zeitpunkt oft eher motivationslos trabt: Der „WoW“-Effekt ist eingetreten, durch den Content hetzen die meisten mit overequippten Twinks.
Ansonsten rennen Spieler in Trauben – wie bei Guild Wars 2 – durch die Welt und jagen den dynamischen Events, den FATES, nach. Oder sie arbeiten Listen ab, wie das „Hunting Log“, auf dem genau steht, welche Gegner es zu killen gilt. Das Ganze könnte mit einem besseren Kampfsystem noch deutlich mehr Spaß machen. Das ist aber dicht an die rundenbasierten Kämpfe aus der Final-Fantasy-Reihe angelegt und fühlt sich mit einem Global Cooldown von 2,5 Sekunden nicht mehr zeitgemäß an.

Das Gameplay ist abwechslungsreich und dynamisch, das Kampfsystem leider nicht.

70/100 Punkten

 

Wer sollte mal reinschauen und wer kann einen Bogen darum machen?

Wer die Welt von Final Fantasy schon immer mochte, sich für Crafting begeistert oder auf Asia-Optik steht, sollte sich FF XIV unbedingt gönnen. Für Fans von actionreichen MMO’s in Richtung WildStar oder Tera ist es wahrscheinlich nicht die richtige Wahl. Auch Fans von World of Warcraft, die an konventionell westliche Games gewöhnt sind, sollten woanders nach einer Ersatz-Droge suchen. Wer allerdings sehen möchte, was es außerhalb der engen Grenzen, in denen westliche Publisher entwickeln, sonst noch gibt, für den kann Final Fantasy XIV einen heilsamen Kulturschock bedeuten. Handelt es sich hierbei doch endlich um ein Game, dem man nicht vorwerfen kann, es sei der x-te World of Warcraft-Abklatsch.

Spielspaß: 81 von 100 Punkten

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