Review: Fire Emblem: Fates

Endlich, endlich ist es da! Das neue Fire Emblem: Fates! Ich durfte das Meisterwerk von Intelligent Systems gleich in dreifacher Ausführung noch vor dem offiziellem Release am 20. Mai 2016 spielen. Wie sich das angefühlt hat und was einen alles erwartet, das erfahrt ihr hier bei uns im Test.

Vermächtnis, Herrschaft oder Offenbarung?

Natürlich war mir im Vorhinein bewusst – da es ja auch groß angekündigt wurde – dass bei Fates einiges neu sein würde. Laut Ankündigungen würde der Neuableger der Reihe nun noch umfangreicher und größer ausfallen als z.B. sein Vorgänger Awakening. Der Spieler trifft jedoch nicht erst im Spiel erste wichtige Entscheidungen, sondern bereits beim Kauf. Nintendo bietet uns nämlich gleich drei (!) separate Spiele zum Kauf an: Fire Emblem: Vermächtnis, Fire Emblem: Herrschaft und Fire Emblem: Offenbarung. Vermächtnis und Herrschaft können ganz regulär im Markt eures Vertrauens oder auch digital erworben werden, Offenbarung war bis jetzt nur als Zusatzbonus bei der bereits vergriffenen Special Edition erhältlich. Um trotzdem irgendwie an Offenbarung ranzukommen, muss erstmals eine der anderen beiden Editionen gekauft werden. Direkt im Spiel wird nach ein paar Kapiteln das sogenannte Dragon’s Gate freigeschaltet, das eigentlich nichts anderes als ein integrierter ingame Shop ist. Dort kann dann Offenbarung digital erstanden werden (aber erst ab 09. Juni) und nach einmaligem Durchspielen einer anderen Edition auch gespielt werden. Vom Entwicklerteam selbst wird übrigens empfohlen, die Spiele in folgender Reihenfolge zu spielen: Zuerst Vermächtnis, danach Herrschaft und am Schluss erst Offenbarung. Je Edition wird der Schwierigkeitsgrad um einiges angezogen und auch das Geldscheffeln und Ressourcenmanagement fällt schwieriger aus. Als Anfänger sollte deshalb besser nichts überstürzt werden und nicht gleich zum schwierigsten Teil gegriffen werden. Immerhin sollte das Spielen ja auch noch Spaß machen und nicht in einen Krampf ausarten.

Hat man die – meiner Meinung nach – schwierigste Entscheidung hinter sich und hat sich nun endlich für eine der drei Editionen entschieden, kann man sich sofort ins Spiel stürzen. Eure/er Held/in kann zu Beginn des Spiels wieder etwas personalisiert werden (Geschlecht, Aussehen, Name, Stimme), wobei nachträglich im Spiel auch noch einmal umgeändert werden kann. Dann folgt auch schon der Prolog, der in allen drei Editionen derselbe ist und die Vorgeschichte des Helden in einem Tutorial eingebettet erzählt, und die ersten Klänge des Intros ertönen. Bereits da hat mich das Spiel völlig ergriffen und ich war im JRPG-Himmel angekommen. Wunderschöne Sound-Untermalung, beeindruckend gezeichnete Bilder und natürlich auch wieder interessante Charaktere, die bereits beim ersten Anblick Lust auf mehr machen. Mit einer Gänsehaut am ganzen Körper versehen, habe ich mich plötzlich mitten in einer großen Schlacht wiedergefunden. Zwei feindliche Heere stehen sich gegenüber, der Held direkt im Zentrum. In jedem der Heere haben wir Freunde als auch Familienangehörige, die uns auf ihrer Seite wissen möchten. Im darauffolgenden Dialog wird klar, Frieden kann es hier nicht geben, alles läuft auf eine blutige Konfrontation hinaus. Doch auf welche Seite wird sich unser Held stellen?

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Die Entscheidung wird einem allerdings abgenommen, wenn man nur eine Edition von Fire Emblem: Fates erworben hat. Hat man z.B. Vermächtnis, kämpft man für das Königshaus aus Hoshido, bei Herrschaft kämpft man für Nohr und bei Offenbarung versucht der Held neutral zu bleiben. Ihr seht also, die Entscheidung, für welche Seite man letztendlich kämpft, wird bereits vor dem tatsächlichen Spielen beim Kauf festgelegt. Der Prolog ist wie erwähnt zwar in allen Editionen gleich, dennoch ist es meiner Meinung nach etwas doof, dass bereits vor dem Kauf festgelegt wird, für wen man im Spiel kämpfen muss. Findet man z.B. im Prolog die hoshidische Seite sympathischer und möchte eigentlich die nächsten zig Stunden mit ihnen spielen, hat aber blöderweise die Herrschaft-Edition gekauft, steckt man trotzdem mit der nohrischen Seite fest. Denn je nachdem, wie ihr eure Kaufwahl getroffen habt, erwartet euch ein vollkommen anderes Erlebnis: Ihr bestreitet andere Missionen, habt unterschiedliche Verbündete, andere mögliche Love Interests und auch einen gänzlich anderen Spielaufbau. Zwar kreuzt man während des Spiels haufenweise die Schwerter, Äxte und Stäbe mit der anderen Seite, allerdings war’s das dann auch schon. Eine Demo, in der der Prolog gespielt werden könnte und man dadurch beide Seiten etwas näher kennenlernt, wäre hier als Hilfe zur Kaufentscheidung wirklich toll gewesen. Aber naja, man kann nun mal nicht alles haben und eine wirklichen Fehlgriff bei der Edition gibt es ja nicht wirklich.

Taktisches Meisterwerk

Fire Emblem-Veteranen wissen bereits: Den Großteil der Zeit verbringt man sowieso auf dem Schlachtfeld. Hier wird wieder aus gewohnter Vogelperspektive den Nahkämpfern, Bogenschützen, Magiern und Formwandlern beim metzeln, leveln und flirten mit den Kameraden zugesehen. In rundenbasierten Kämpfen müssen taktische Vor- und Nachteile der eigenen Mannschaft und die der Gegner ermittelt und im besten Fall auch strategisch genutzt werden. Kämpfer mit Äxten, Keulen oder Bögen sind beispielsweise besonders effektiv gegen Ninja, Lanzen- oder Speerträger. Diese lehren dagegen Einheiten mit Schwertern oder magisch begabten Helden das Fürchten, welche wiederum besonders effektiv gegen Axt- und Keulenschwinger sind. Nach ein paar Stunden sollte man aber auch hier den Dreh raushaben und den Kämpfen halbwegs entspannt entgegenblicken können.

Das Kampfsystem ist demnach so ziemlich beim Alten geblieben. Einzige Neuerung bieten die sogenannten Drachenadern, die als spezielle Punkte auf den Karten sichtbar gemacht werden. Findet sich euer Held oder ein anderer Charakter mit adligen Geblüt auf diesem speziellen Feld wieder, können diverse Handlung und Effekte eintreten: Eine unüberwindbare Schlucht wird wie durch Geisterhand wieder passierbar, ein Fluss wird ausgetrocknet, eure gesamte Truppe wird geheilt, Fallen werden ausgelöst,… Allerdings sollte vor dem Auslösen der Drachenadern immer bedacht werden, ob es sich für euch auch taktisch rentiert. Denn Fallen schaden nicht nur den Feinden, sondern auch euch. Ebenso sollte die Topografie der Karte aufmerksam studiert werden, um sich nicht blöderweise selbst durch das Auslösen der Drachenadern zu behindern, oder es sogar den Feinden erleichtert wird, einen selbst anzugreifen. Jede Attacke bzw. auch jeder eingesteckte Angriff lässt unsere Helden an Erfahrung und Stärke wachsen. Wie bereits in den Vorgängern gibt es auch bei Fates wieder zahlreiche Klassen, die man bis zur Obergrenze (max. Level 40 ohne magische Level-Siegel) bringen kann. Hat euer Held beispielsweise die erste Levelgrenze (Level 20) erreicht, kann er durch das Meistersiegel in eine höhere Klasse katapultiert werden und sich abermals um weitere 20 Level spezialisieren. Sollte man mit der Klasse eines Charakters überhaupt nicht zufrieden sein, kann er mit verschiedenen Siegeln auch ganz anderen Klassen zugewiesen werden. Je nach Vorliebe kann hier ein ganz individuelles Team zusammengestellt werden.

Herz an Herz

Nun kommen wir aber zur schönsten Nebensache in Fire Emblem: Fates. Dem Kuppeln! Denn auch in diesem Teil darf natürlich wieder nach Herzenslust verkuppelt und geflirtet werden. Den Profis brauche in an dieser Stelle nichts Neues erklären, da auch hier nicht am System gerüttelt wurde, aber den Neulingen möchte in an dieser Stelle noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben. Wie meine Oma schon immer sagte: “Drum prüfe wer sich ewig bindet”, so sollte man auch in Fates nicht einfach lustig drauflos kuppeln, sondern die Charaktere vor allem ihrer Werte wegen aneinanderbinden. Denn wie euch beim Spielen vielleicht aufgefallen ist, erhalten zwei (oder auch drei) Charaktere über ihren Köpfen kleine Herzchen, wenn sie sich im Kampf gegenseitig helfen und unterstützen. Herzchen bekommt man allerdings nur dann, wenn die zwei Flirtwilligen direkt nebeneinander stehen, gemeinsam eine Kombi gemacht haben oder der eine z.B. Heiler/Kleriker ist und den anderen heilt bzw. einen Effekt auf ihn legt. Nach einer gewissen Anzahl an gesammelten Herzen gibt es sogenannte Unterstützungs-Dialoge, in denen sich die Gruppenmitglieder – zumindest anfangs – völlig jugendfrei annähern. Wird allerdings das letzte Gespräch (der S-Dialog) ausgelöst, kommt es zum großen Liebesgeständnis und schwupps – die zwei Gruppenmitglieder sind verheiratet und ein Baby ist auf dem Weg. Dieses Baby könnte – wie oben kurz erwähnt – ganz tolle Werte und Fähigkeiten haben und ein großer Gewinn für die Gruppe sein. Das ist insofern wichtig, da aus storytechnischen Gründen das Baby bzw. das bereits erwachsen gewordene Kind spielbar sein wird und in eurem Team einen Platz bekommen wird. Allerdings erschafft man eben nur dann einen starken Charakter, wenn dafür passende Elternpaare ausgewählt wurden. Hat man eher unüberlegt oder auf gut Glück die Paare verkuppelt, kann so auch schnell aus dem omnipotenten Wunderkind eine ziemliche schwache, hohle Nuss werden.

Fire Emblem Fates 8

Wie im echten Leben ist es im Spiel leider auch etwas mühselig, die beste Partie für den jeweiligen Helden zu finden. Im World Wide Web finden sich allerdings zahlreiche Marriage Charts, Anleitungen für das ideale Verkuppeln usw., die einem zumindest etwas Zeit und Nerven schonen. Eine sehr gute Einführung und Anleitung zum Kuppeln (allerdings in Englisch) gibt es unter anderem hier.

Neben dem Kuppeln habe ich mich persönlich auch stundenlang in der neuen Basis bzw. meinem eigenen Schloss aufgehalten. Ja, ihr habt richtig gelesen! Man hat ab sofort ein eigenes Schloss, das nach ganz individuellen Wünschen gestaltet und ausgebaut werden kann. Hier ein Kasino, dort eine Kampfarena, und vielleicht hier noch ein kleiner Accessoire- und Waffenladen. Je nach Lust und Laune kann das Schloss umgebaut werden und auch verschiedene Designs (japanischer Kirschblüten-Traum, düsteres Horrorschloss) können angewandt werden. Das bringt vor allem während dem relativ monotonen Upleveln wieder einiges an Schwung ins Geschehen und motiviert zum Weiterspielen. Einige Gebäude und Statuen bringen den Gefährten auch Werteverbesserungen, die sich vor allem im Kampf rentieren, oder euch bei Angriffen auf euer Schloss helfen, euch besser gegen die Eindringlinge verteidigen zu können.

In der Freizeit der Helden kann so gemütlich geshoppt und dekoriert werden, in der Lotterie ein netter Gewinn abgesahnt werden oder in der Badeoase “entspannt” werden. Die Anführungszeichen deshalb, weil sich bei Fates vieles erwachsener und phasenweise auch zweideutiger anfühlt, als bei den eher etwas kindlicher gestalteten Vorgängern. Nicht nur beim gemeinsamen Baden mit den Kameraden, wo man einigen doppeldeutigen Dialogen lauschen darf und sich die Helden gegenseitig mit dem Handtuch trocken rubbeln können *hust*, sondern auch bei den Besuchen der Gefährten in den privaten Gemächern meines Helden hat es mir phasenweise wirklich die Schamesröte ins Gesicht getrieben. Nicht nur, dass man während dieses Besuches den Gast mit Knopfdruck frontal bis zum “Bauchnabel” abscannen kann (wenn ihr versteht was ich meine), sondern auch so Sätze wie “Bürstest du mir das Fell? Das fühlt sich SO gut an” oder “Danke, dass ihr meine Werke begutachtet” hätten mich in der Öffentlichkeit meinen Nintendo zuklappen lassen. Vor allem wenn die Ansicht gerade eine ziemlich freizügige Figur zeigt und darunter “XY ist gut gelaunt gegangen” steht, und zwar gut gelaunt aus deinem Privatquartier, NACHDEM du ihm/ihr das Fell gebürstet hast. Nicht, dass ihr mich falsch versteht. Es darf ruhig erwachsener und sexy sein, nur sollte diese Schiene dann auch anders eingebaut werden. Phasenweise wirkt alles etwas aufgesetzt und erzwungen. Sonst ist die Story-Inszenierung allerdings sehr gut gelungen und die Dialoge sind sehr spannend und packend. Auch das ein oder andere Tränchen ist bei mir gekullert. Traurige Momente werden allerdings gleich wieder durch den typischen Fire Emblem-Humor abgelöst und das Gesamtbild ist letztendlich sehr stimmig. Wer vom Vorgänger Awakening begeistert war, der wird auch bei Fates nicht enttäuscht werden.

Fazit

Dass die Story quasi über drei Teile gespannt wurde, kann so oder so betrachtet werden: Natürlich ist es einerseits etwas blöd, dass man alle drei Teile kaufen muss/sollte, um auch wirklich alle Perspektiven des Spiels betrachten zu können. Andrerseits kann man durch die einzelnen Teile viel mehr Zeit mit dem Spiel verbringen, da jedes bis zu einem gewissen Grad für sich alleine steht. Ob man allerdings zig Stunden immer und immer wieder in eine Edition investieren will, alle Gefährten aufleveln möchte und sich zahlreichen Kämpfen stellt, ist fraglich. Für jemanden, der so viel Zeit hat und ein großer Fan ist, wird das vielleicht kein allzu großes Problem sein. Aber für Menschen, die alles kompakt in einem Spiel geliefert bekommen wollen, ist es nicht ganz so ideal. Denn gerade in der Edition Offenbarung, die erst nach einem kompletten Spieldurchgang spielbar ist, werden zahlreiche offene Fragen beantwortet und das Geschehen gewissermaßen in einen Rahmen gespannt. Einziger Trost: Hat man bereits eine Vollversion gekauft, können die anderen Editionen vergünstigt für 19,99€ erstanden werden.

Zum Ende noch etwas Kritik, wenn auch auf hohem Niveau: Viele Gefährten-Dialoge sind völlig harmlos und behandeln echt total irrelevante Themen wie z.B. wie bereitet XY den richtigen Tee zu, oder wie schreibt XY einen Brief an seine/ihre Eltern, oder warum fällt XY immer in eine Falle. In der nächsten Sekunde wird plötzlich vom Tee machen zum Heiraten geswitcht. Ich bin phasenweise echt kopfschüttelnd dagesessen und hab mich gefragt, was ich all die Jahre falsch gemacht habe, wenn ein einfacher Dialog übers Tee kochen plötzlich zu einer Heirat führt. Elemente wie z.B. das gemeinsame Baden oder die Privatbesuche wirken in diesem Kontext eher creepy als sexy. Mir persönlich fehlt einfach etwas der Übergang bzw. der Tiefgang vom harmlosen Gespräch über Tee zum “Lass uns heiraten”-Gespräch oder zum zweideutigen Besuch ins private Zimmer. Das wurde vor allem bei Fire Emblem: Awakening besser eingebaut und hat mehr Sinn gemacht.

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