God of War 3 Review

Nicht selten verfallen Spielredakteure beim Aufreißen von Päckchen mit Testmustern in euphorische Stimmung – ein günstiger Moment für einen Einblick in das Innerste dieser Menschen. Dann nämlich vergrößern sich ihre Pupillen, die Speichelproduktion nimmt wahnsinnige Ausmaße an und ein diabolisches Lächeln huscht über die sonst so ermüdeten Gesichter. Letztendlich entweicht dann ein Schrei, meist mit der Nennung des soeben ausgepackten Spieletitels. In meinem Fall: God of War 3. Wer kann es dem Spielredakteur angesichts dieses vermeintlichen Action-Blockbusters verübeln, vor Freude zu brüllen? Richtig, niemand! Doch wird das Ende der Trilogie wirklich allen Erwartung gerecht?


Die Rache ist sein

Wer hoch steigt, kann tief fallen. Ob Anti-Held Kratos Kenntnis von dieser Binsenweisheit hatte, ist unklar. Und selbst wenn, geleitet von blinder Rache auf seinen Vater Zeus, hätte er alle Gefahren sowieso gegen den Wind geschlagen. Und so geschieht, was geschehen musste. Der Plan den Olymp auf dem Rücken der Erdmutter Gaia hochzukraxeln und das göttliche Familienoberhaupt auf dem Fuß des Berges zu richten, schlägt fehl. Kratos stürzt in die Tiefe und findet sich von jeglicher Macht beraubt in Hades finsterem Reich wieder. Zeus und seine göttlichen Abkömmlinge wähnen sich in Sicherheit, doch haben sie die Rechnung ohne den Spartaner gemacht. Tief unten begibt er sich auf die Suche nach dem vermeintlichen Schlüssel zum Sieg über den Vater aller Götter: Die Büchse der Pandora.

Göttlicher Auftakt

Zugegebener Maßen: Einfallsreiche Geschichten sehen anders auch – God of War 3 gelingt jedoch das Kunststück diese Schwäche mit seiner inszenatorischen Kraft heraus zu kompensieren. Allein das spielbare Intro zählt zu den Bildgewaltigsten, die ich in meiner Karriere gesehen habe. Dabei trägt Held Kratos auf Gaias Körper einen Kampf gegen Poseidon, den Gott des Meeres aus. Der Bösewicht hat die Gestalt einer Kraken-ähnlichen Kreatur angenommen und hindert das Vorankommen der Titatin Gaia mit seinen Tentakeln. Also kloppt Kratos die Dinger kurzerhand zu Brei. Leichter gesagt, als getan. Denn das Schlachtfeld wechselt im Minutentakt, etwa wenn Gaia ihren massigen Körper bewegt und ihr euch statt auf der Handfläche, plötzlich darunter findet und weiterschnetzelt. Imposant daran ist weniger die ungewöhnliche Kulisse. Vielmehr sind es spektakulären Kamerafahrten, die untermalt mit dem epischen Score, in der Summe ein cineastisches Erlebnis ermöglichen. Genau in diesen Momenten merkt man den Entwickler an, wie viel Herzblut sie God of War 3 steckten. Natürlich sei an dieser Stelle angemerkt, dass nicht Liebe allein ein Spiel zum derartigen Hochglanz-Produkt macht, sondern auch das Budget. Geschätzte 45 Millionen US-Dollar sollen in Kratos womöglich finales Abenteuer geflossen sein. Eine für Videospielverhältnisse (noch) stolze Summe.

Schlachtplatte Deluxe

Auch Spielerisch lässt God of War 3 keine Wünsche offen. Das ohnehin handwerklich perfekte Kampfsystem wurde noch ein wenig verfeinert. Vier todbringende Waffen umfasst das Arsenal, dessen sich der Spartaner Kratos bedient. Mit Hadesklauen, Chaosklingen, Herkulesfäusten und Nemesispeitschen schnetzelt sich der blutdurstige Gladiator durch Horden mythologischer Kreaturen. Führen Standardattacken bei niederen Dämonen noch zum Erfolg, muss Kratos im Spielverlauf verheerende Kombo-Manöver ausführen  und feindlichen Angriffen aktiv ausweichen, um seinen Rachefeldzug unbeschadet zu überstehen. Das gilt insbesondere für die spektakulär inszenierten Bossfights – dem Sahnehäubchen von God of War 3.

Zusätzlich zu den Prügelutensilien warten vier Artefakte darauf, vom Kriegsgott in Besitz genommen zu werden. Etwa der Bogen Apollos, der Gegner bei Beschuss in Flammen aufgehen lässt und Hindernisse, wie trockene Zweige, beseitigt. Oder Hermes Sandalen, mit deren Hilfe Kratos selbst steile Wände hochläuft. Ein wirklich bizarrer, aber ungemein nützlicher Gegenstand ist Kopf des Sonnengottes Helios. Damit lassen sich nicht nur Gegner in der Umgebung blenden, sondern auch verborgene Objekte sichtbar machen. Natürlich lässt sich erneut sämtliches Kriegsspielzeug mehrfach aufwerten – Vorausgesetzt ihr sammelt fleißig rote Orbs, die in Truhen stecken und Feinde nach ihrem Ableben hinterlassen. Nicht fehlen dürfen die obligatorischen Potenzmittel, etwa Gorgonenaugen und Phönixfedern, die den Gesundheits – und Manapool von Kratos dauerhaft erhöhen.

Neben den adrenalinschwangeren Kämpfen versucht ihr euch hin und wieder an der Lösung simpler Schieberätsel. Diese stellen eine willkommene Abwechslung dar, da sie das Spieltempo für einige Minuten merklich herunterfahren und Möglichkeit zum Verschnaufen schaffen.

Die Schattenseite

Doch auch ein Spiel wie God of War 3 ist nicht frei von Makeln. Kritik üben muss man an der nicht freijustierbaren Kamera, die das Spielgeschehen an einigen Stellen nur suboptimal einfängt. Gerade bei den Sprungpassagen führt eine ungünstige Einstellung schnell zu mehreren Toden – und damit zu Wut beim Spieler. Glücklicherweise sind die Speicherpunkte fair über die Welt verteilt. Ebenso vorwerfen muss sich Sony Santa Monica, dass sie einige Levelabschnitte recycelt haben. Nicht selten müsst ihr bereits erkundete Areale abermals von Dämonen säubern. Dieser Umstand wiegt jedoch nicht ganz so schwer, da die flotten Kämpfe ungemein unterhalten. Ferner ist es Schade, dass die Entwickler die bewährten Gameplay-Pfade nicht verlassen und deshalb keine markanten Neuerungen in dem finalen Kapitel von God of War stecken.

Fazit:

Hätte ich einen Hut, würde ich ihn jetzt ziehen. Alle Achtung und Respekt gebührt den Entwicklern von Sony Santa Monica für diesen würdigen Abschluss der Trilogie. Es ist die handwerkliche Perfektion, die gewürdigt werden muss. Kratos blutiger Rachefeldzeug ist vom Anfang bis hin zum grandiosen Finale höchst spannend inszeniert. Langeweile tritt während der rund zehnstündigen Odyssee nicht auf. Wie auch, peitscht euch das Spiel regelrecht von Schlacht zu Schlacht und lässt Euch selten verschnaufen. Das bewährte Kampfsystem wurde dabei noch weiter perfektioniert, ebenso die audiovisuelle Präsentation. Grafisch zählt God of War 3 gar zu den besten bisher verfügbaren Spielen für die PlayStation 3. Wer das fulminante Intro selbstgespielt hat, wird nichts anderes behaupten.  Und Schwächen? Die gibt es tatsächlich.

Bei all der Liebe zum Detail, die Kamera ist gerade bei Sprüngen nicht immer optimal justiert. Ein kleiner schwarzer Fleck in der sonst so weißen Weste stellt außerdem das Backtracking dar. Es kommt nämlich nicht selten vor, dass ihr zuvor absolvierte Abschnitte erneut besuchen müsst. Ferner ist Schade, dass es keine echten neuen Ideen in God of War 3 geschafft haben. Doch das ist Meckern auf hohem Niveau. Wer eine PlayStation 3 sein Eigen nennt und nur das geringste Interesse an Actionspielen übrig hat, muss dieses Meisterwerk haben.

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