Hellblade Review – Playstation 4

Hellblade PS4

Hellblade: Senua’s Sacrifice ist ein ganz besonderes Spiel. Im August 2014 erstmals vorgestellt und in den Jahren danach mehrfach verschoben, konnte das von Ninja Theory in England entwickelte Spiel lange Zeit nur wenig Aufmerksamkeit auf sich lenken. Das dürfte weniger an der zu erwartenden Qualität gelegen haben als am spröden Setting und dem Umstand, dass Ninja Theory ihr Herzensprojekt ganz ohne die Unterstützung eines finanzstarken Publishers auf den Markt bringen wollten. Ein „Independent-AAA-Spiel“ nannten sie Hellblade dann auch und versprachen damit Präsentation und Grafik auf höchstem Niveau, gepaart mit einer einzigartigen Geschichte, die frei von kreativen Einschränkungen eine durch und durch fremdartige Welt auf den Bildschirm der Spieler bringt.

Einige Wochen vor Release muss sich der besondere Einfallsreichtum von Hellblade dann aber doch noch herumgesprochen haben. Außerdem war es nicht zuletzt dem Aufschrei einiger empörter Spieler in den sozialen Netzwerken zu verdanken – die entweder mit der Heldin Senua oder mit gewissen Aspekten der Spielmechanik nichts anzufangen wussten – dass Hellblade plötzlich in aller Munde war. Ob der aus diesen Kontroversen gewachsene, gegenwärtige Hype gerechtfertigt ist, verrät das folgende Review.

Eine Reise in eine fremde Welt

Die Welt, in die Hellblade seine Spieler verschlägt, ist gleich in zweierlei Hinsicht zutiefst fremdartig: Heldin Senua ist eine Angehörige des Volkes der Pikten, die einstmals im Norden der britischen Inseln lebten und deren Widerspenstigkeit schon den alten Römern Probleme bereitete – was den Bau des berühmten Hadrianswall zur Folge hatte. Diese historisch weit zurückliegende Welt, deren Kultur so völlig anders ist als unsere und die bislang nur sehr selten in einem Videospiel umgesetzt wurde, wird weiter verfremdet durch den besonderen Geisteszustand der Heldin: Um Senuas Psychosen glaubhaft darzustellen, arbeiteten die Entwickler von Ninja Theory eigens mit Wissenschaftlern und Betroffenen zusammen und konnten so eine zutiefst faszinierende Darstellung einer gebrochenen Persönlichkeit kreieren, die ihre Umgebung auf eine ganz andere Weise wahrnimmt, als ein vermeintlich gesunder Mensch das täte.

Stimmen im Kopf, das Schwert in der Hand

Wiederkehrende Halluzinationen, die sich nahtlos in die Spielwelt einfügen, allgegenwärtige Stimmen, Visionen und viele weitere audiovisuelle Innovationen sehen nicht nur faszinierend aus, sondern versetzen den Spieler tief in die Geisteswelt der Heldin. In der Absicht die Seele ihres gefallenen Geliebten zurück ins Leben zu holen reist Senua immer tiefer in die finsteren Landstriche der nordischen Unterwelt… Auf der spielmechanischen Ebene stellt sich ihr Abenteuer als gelungener Mix aus klassischem Hack & Slay (wie Ninja Theory es schon im Devil May Cry-Reboot aus dem Jahr 2013 boten) und einem auf Erkundung ausgelegtem Adventure dar, das den Spieler auch das eine oder andere (meist relativ einfache) Rätsel lösen lässt.

Die Heldin kann sich mit leichten und schweren Schwerthieben, mit Tritten, einem Block und einem Ausweichschritt gegen ihre Feinde zur Wehr setzen, was zwar alles nicht wirklich neu, aber handwerklich auf sehr hohem Niveau umgesetzt ist. Lediglich die Gegnervielfalt hätte etwas größer sein dürfen. Mit einem Umfang von rund acht Stunden ist Hellblade eher kurz, doch sind diese Spielstunden unheimlich dicht inszeniert und kommen ohne künstliche Längen aus und lädt definitiv dazu ein, mehrfach gespielt zu werden.

Eindringliches Sound-Design, stimmungsvolle Grafik

Mit Hilfe der Unreal Engine 4 lassen Ninja Theory wunderschöne, sich stetig wandelnde Höllenlandschaften auf dem Bildschirm entstehen, die denen eines Bloodborne oder Nioh in nichts nachstehen und dabei besonders nah und greifbar wirken. Das liegt nicht zuletzt am innovativen Sounddesign: In einem speziellen binauralem Aufnahmeverfahren aufgenommene Stimmen, die scheinbar aus dem Nirgendwo und dann auch wieder aus allen erdenklichen Richtungen zur Heldin und somit auch zum Spieler sprechen, erschaffen das glaubwürdige und unbequeme Gefühl einer Psychose, der nicht zu entkommen ist.

Hellblade – mein Fazit

Hellblade ist ein in vielerlei Hinsicht gewagtes Spiel, das ebenso gut hätte scheitern können. Die Entwickler von Ninja Theory hatten den Mut, fernab von den Zwängen großer Publisher, ein Spiel zu entwickeln, das nicht in der Absicht konzipiert wurde, möglichst viel Spaß zu machen. Hellblade ist ein unbequemes Spiel und deshalb ganz sicher kein Erlebnis für jeden. Wer sich allerdings damit anfreunden kann, in eine vollkommen fremdartige Welt einzutauchen und das Leid der Heldin am eigenen Körper mitzuerfahren, bekommt mit Hellblade ein Erlebnis, wie es gerade im Bereich der teuren AAA-Entwicklungen nur alle paar Jahre auf den Markt kommt. Das Resultat einer turbulenten Entwicklungsgeschichte, das seit dem 8. August für weniger als 30 Euro zum Download bei Steam steht, hat Ecken und Kanten – und ist dennoch (und auch gerade deswegen) ein Meilenstein der Videospielgeschichte.

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