Horror- und Survival-Games: Was fasziniert uns am virtuellen Überlebenskampf?

Um die große von Horror und Survival Games ausgehende Faszination näher zu erläutern, muss zunächst ein wenig länger ausgeholt werden. Kaum ein Computerspielgenre hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten ähnlich breit aufgefächert wie das Action Rollenspiel. In vielen Games wurde die dem Spiel zugrundeliegende Geschichte mehr und mehr zugunsten von Action Elementen zurückgefahren. So entstanden reine Action Adventures wie die Assassins Creed Reihe, bei welchen die Rahmengeschichte lediglich als Aufhänger diente und die Zahl der zu lösenden Rätsel stetig zurückging. Eine davon unabhängige Entwicklung erfolgte auch in Bezug auf die Inhalte dieser Adventures. Bei einigen wurde das Szenario mit immer größeren und mächtigeren Monstern aufgerüstet, die mit immer größeren und schwereren Waffen bekämpft werden müssen. Hier ging die Unterkategorie der Survival Horror Games konsequent in eine andere Richtung. Denn in diesen Spielen steht vor allem eines im Mittelpunkt: das Überleben mit einfachsten Mitteln.

Dying Light 2

Alles kann eine Waffe sein

Der typische Beginn eines Survival Horror Games ist ein Szenario, in dem sich der Protagonist ohne jedwede Form von Ausrüstung einer Vielzahl von Feinden gegenübersieht. Dabei handelt es sich häufig um Zombies bzw. andere Formen von Untoten oder Ungeheuern. Zu Anfang stehen ihm meist nur einfache Gegenstände als erste Waffen zur Verfügung wie etwa ein Heizungsrohr. Entsprechend umsichtiger muss ein Spieler gerade zu Beginn eines Survival Horror Games seine Umgebung erkunden. Denn im Grunde kann alles, was er findet, zum Kämpfen geeignet sein. Während bei Rollenspielen so gut wie immer die Möglichkeit besteht, einen Händler aufzusuchen, um die eigene Rüstung aufzuwerten oder einen Heiltrank zu erstehen bzw. bei einem Schmied eine neue Waffe in Auftrag zu geben, ist man im Rahmen eines Survival Horror Games tatsächlich vollständig auf sich gestellt und kann nur den eigenen Fähigkeiten vertrauen.

Je einfacher, desto komplizierter

Der Reiz von Survival Horror Games wie „The Last of Us“ oder „Dying Light“ liegen vor allem in eben dieser Tatsache begründet. Denn während es in anderen Spielen darum geht, innerhalb bestimmter Gemeinschaften im Rang aufzusteigen, Reichtümer anzuhäufen und die Ausrüstung nach und nach immer weiter zu optimieren, geht es beim Survival Horror tatsächlich um das nackte Überleben. Die gleiche Aufgabe des Sich-Durchkämpfens wird mit wesentlich primitiveren Mitteln erledigt und stellt dadurch eine umso größere Herausforderung dar. Außerdem ist man als Held tatsächlich auf sich allein gestellt und muss sich nicht erst in komplizierte thematische Zusammenhänge hinein denken. Denn nicht für jeden Spieler ist es ein Vergnügen, sich zunächst stundenlang mit den Gesetzmäßigkeiten eines Spiels vertraut zu machen, ehe man mit dem wirklichen Spiel beginnen kann. Die Gespräche mit Händlern, Magiern und Schmieden schaffen in anderen Spielen oftmals kaum zusätzliche Atmosphäre, halten dafür aber häufig genug lange und sinnlos auf. Und gerade deshalb machen es sich viele Spieler lieber einfach – und dadurch kompliziert.

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