Human: Fall Flat

HFF PS4 Cover

Wenn die physikalischen Gesetze gleichzeitig Freund und Feind sind, man in der Rolle eines betrunken wirkenden Blobmännchens namens Bob durch abwechlungsreiche, aber minimalistisch gehaltene Level stolpert und unzählige Umgebungsrätsel lösen muss, dann nennt sich das Ganze wohl Human: Fall Flat. Ob der von No Brakes Games entwickelte Indie-Titel mit der ungewöhnlichen Steuerung begeistern kann, oder wir den Apfel verfluchen, der da einst vom Stamm fiel, soll der folgende Test klären.

Ein Mann namens Bob

Man mag über Bob sagen können was man will, aber die farbenfroheste Erscheinung ist er nicht. Tatsächlich handelt es sich bei der Hauptfigur von Human: Fall Flat um einen weißen, konturlos bemützten Blob, der einst vom Himmel fiel und in einer surrealen Welt landete. In der minimalistisch gehaltenen Umgebung stolpert er anschließend in einer ungewohnten Trägheit durch die Level, als wäre er ein nasser, mit Waserballons gefüllter Sack, dessen Arme tölpelhaft an der Seite herunterhängen. Was auf den ersten Blick zwar liebevoll gestaltet, aber mehr oder weniger nervig wirken kann, entpuppt sich innerhalb kürzester Zeit als kleine Gameplay-Offenbarung.

Human Fall Flat Gameplay

Ja, eine Story gibt es nicht wirklich, sondern nur den Anreiz das jeweilige Level zu verlassen, aber sobald man das erste Mal die Kontrolle über Bob übernimmt (ein Spaß, den man auch im lokalen Koop erleben kann – und nach Möglichkeit sollte!) und mit dieser trägen Figur durch die Gegend stolpert, offenbart sich die Besonderheit des Titels. Nicht nur, dass alle Gegenstände, sowie die eigenwillig anmutenden Bewegungsabläufe der Hauptfigur phsykalisch korrekt sind, nein, Bobs Hände sind geradezu magisch. Egal welche Oberfläche oder welchen Gegenstand er berührt, sie bleiben daran haften. So lassen sich Objekte bewegen und aus dieser Bewegung auch werfen, oder verschieben und neu platzieren. Oder man erklimmt Vorsprünge, versucht sich an waghalsigen Sprüngen , beziehungsweise versucht seine Umgebung auf sonstige Art und Weise zu manipulieren.

Großartige Steuerung

Der Clou ist die innovative Steuerung des Ganzen: Während man Bob mit dem linken Analogstick bewegt und die Kamera mit dem rechten nachjustieren kann (und muss), kann man die Arme des Kerls unabhängig voneinander mit R2 und L2 bewegen, während man mit dem Drücken beider Schultertasten gleichzeitig beherzt zugrapschen kann. Muss man so beispielsweise zwei nebeneinander liegende Knöpfe betätigen, wobei einer etwas höher platziert ist als der andere, schaut man mit der Kamera auf den ersten, niedrigeren Schalter und drückt L2, schaut mit der Kamera in Höhe des zweiten Knopfes und betätigt R2. Tadaaa! Rätsel gelöst.

Wer Vorsprünge erklettern möchte, schaut mit der Kamera nach oben und bewundert wie Bob die Hände in den Himmel reckt. Mit X wird nun gesprungen, die Kamera nach unten gerichtet und dabei zugesehen, wie schwabbelige Mann sich festhält. Schwenkt man die Kamera noch ein Stück weiter nach unten, zieht er sich automatisch hoch. Jetzt darf man bloß nicht vergessen loszulassen, da er sonst an jenem Punkt kleben bleibt.

Klingt kompliziert, geht aber gut von der Hand. Zumindest sobald man sich daran gewöhnt hat – Und das dauert leider etwas zu lange. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, sollte sich das folgende Video ansehen:

Fallen und Aufklatschen

Und so springt, fällt, bewegt, klettert und rätselt man sich durch verschiedene Level, die allesamt sehr cool und abwechslungsreich gestaltet sind und mitunter zahlreiche Möglichkeiten zum Vorankommen bieten. Egal ob man nun ein Fenster dank herumliegender Gegenstände einschlägt, die Bretter von der Türe reißt oder sich eine Art Treppe baut, oftmals bedarf die Lösung eines Problemes lediglich etwas Phantasie. Das ist wundervoll gelöst und macht richtig viel Spaß!

Am Ende eines jeden Levels wartet schließlich eine letzte Tür, durch die man schreiten muss. Dann fällt man erneut in die Tiefe und klatscht in der nächsten Welt auf dem Boden auf.

Grafik, Technik & Sound

Grafisch präsentiert sich der Titel auf den ersten Blick zwar nur solide, aber das ist dem minimalistischen Artdesign zu zu schreiben, das den surrealen Ansatz nochmals hervorhebt. Umgebungen und Texturen sind meist in einer Farbe gehalten. Der Boden ist braun, die Wände sind grau, Sofas sind einfach grün, und so weiter. Das stört allerdings keinesfalls, sondern trägt zum eigenen Charme von Human: Fall Flat bei. Das Spiel läuft flüssig und die Steuerung klappt dahingehend wunderbar. Es gibt nichts auszusetzen.

Der Soundtrack ist gelungen und begeistert durch einige orchestrale Klänge, die mir richtig gut gefallen haben. Leider gibt es auch viele Momente, in denen man nichts vom OST hört, sondern lediglich Umgebungsgeräusche. Das ist etwas schade, aber kein Beinbruch.

FAZIT – Human: Fall Flat

Entwickler No Brakes Games und Publisher Curve Digital haben mir mit dem ungewöhnlichen Physik-Puzzler ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Die Steurung ist innovativ und gut gelungen, die Trägheit der Hauptfigur und die Rätsel ein Genuss, wenngleich einer, an den man sich erst gewöhnen muss. Hat man das geschafft, kann man sich einfach austoben und seine Phantasie einsetzen, um voranzukommen. Nach gut fünf Stunden ist man zwar durch, aber dafür passt der geringe Preis von 14,99 € auf jeden Fall.

Wer die Möglichkeit hat, sollte den Titel im Koop mit einem Freund spielen. Dadurch löst man zwar nicht schneller die Rätsel oder erleichtert gar das Vorankommen, aber das Chaos ist einfach perfekt und sehr, sehr lustig.

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