Little Nightmares

Little Nightmares

Der 3D-Puzzle-Platformer Little Nightmares von Tarsier Studios hat seit seiner Enthüllung letztes Jahr für Aufsehen gesorgt, vor allem wegen seiner Optik. Düster und bizarr, aber auch kindlich und mysteriös. Haben wir es also wirklich mit einer Perle zu tun?

Zuerst einmal hat man als Spieler keine Ahnung, was los ist, und auch im weiteren Spielverlauf kann man nur raten. Es wird kein Wort gesprochen, und auch zu lesen gibt es nichts (außer kurze Tutorials zur Steuerung). Laut den offiziellen Informationen von Tarsier Studios spielen wir ein kleines Mädchen mit einem gelben Regenmantel namens „Six“. Ihr Gesicht wird aber immer von einer Kapuze bedeckt, also kann man das weder bestätigen noch verneinen. Sie hat außerdem ein Feuerzeug, mit dem man dunkle Bereiche erhellen kann. Und wo sind wir? Manches deutet auf ein großes Schiff hin, manches auf ein U-Boot. Eine Unterwasserstation? Ohne mehr zu verraten, werden aber all diese Theorien am Ende des Spiels in Frage gestellt und man ist noch verwirrter. Wo auch immer man ist, der Ort heißt „Schlund“ und man will da raus.

Das Ziel bei Little Nightmares ist es grundsätzlich, in den nächsten Raum oder Abschnitt zu kommen. Dazu müssen manchmal simple Physikrätsel gelöst werden, manchmal muss man klettern und springen, manchmal müssen Gegner überwunden werden. „Überwinden“ im Sinne von wegrennen, austricksen oder schleichen, denn Six ist im Vergleich zu den meisten Gegnern winzig und hätte keine Chance, eine direkte Konfrontation zu überleben. Leider artet dies oft in einen Trial & Error-Marathon aus, in dem man so oft stirbt, bis man den richtigen Weg oder die richtige Methode gefunden hat. Die Checkpoints sind dafür aber relativ fair gesetzt.

Die auffälligsten und häufigsten Gegner sind die menschenähnlichen, bizarren Kreaturen, die manchmal überlange Arme und kurze Beine haben, manchmal schlicht fett und übertrieben hässlich sind. Auch geben sie oft grunzende und unheimliche Laute von sich. Diese Kreaturen sollen, wie eigentlich das ganze Spiel, Alpträume von Kindern darstellen. Deshalb wären sie für ein Kind sicher sehr furchterregend, für einen Erwachsenen sind sie aber eher komisch und belustigend. Erwartet also nicht, euch zu Tode zu erschrecken oder den blutigen, blanken Horror zu erleben wie in einem Silent Hill, Resident Evil oder Outlast. Auch USK 12 ist ein Hinweis darauf, dass es sich hier nicht um ein Horrorspiel handelt, sondern um ein gemäßigtes Gruselspiel. Aber auch diese Art von Gruseln hat natürlich seine Berechtigung und so mancher erinnert sich vielleicht an seine Kindheitsängste zurück.

Das Spiel lebt von seinem besonderen Grafikstil und der schaurigen Soundkulisse. Auch wenn die Gegner an sich nicht so erschreckend sind, wird man oft durch die Geräusche, vor allem vom Unbekannten, in Atem gehalten. Sicher steckt auch viel Symbolik und Gesellschaftskritik in den Themen Hunger, Fleisch (und woher es kommt) und dicken „Menschen“, die sich durch das komplette Spiel ziehen.

Little Nightmares ist leider sehr kurz. Sechs bis acht Stunden soll man angeblich brauchen, es geht aber locker auch in vier. Die Steuerung ist stellenweise ungenau, was durch die 3D-Umgebungen nicht erleichtert wird. Die Kamera zeigt Six immer von der Seite, wodurch z.B. das Balancieren auf einem Rohr für einigen Frust sorgen kann. Da hätte ich 2D-Levels bevorzugt.

Fazit

Ich hatte zwar Spaß mit Little Nightmares, aber überragend war es nicht. Gut waren der Grafikstil, der Sound und das Gegner-Design. Da geht einem schon die Pumpe, wenn man an einem der schwer atmenden und ekelerregenden Menschenkreaturen vorbeischleicht. Die hässlichen, endlos Essen in sich reinschaufelnden Fettwänste waren ebenfalls sehr amüsant. Doch auch die kleine Six ist nicht so unschuldig wie man meinen könnte, was im späteren Verlauf auf sehr düstere Weise deutlich wird. Schlecht waren hingegen die fehlende Story, frustreiche Trial & Error-Passagen und die ungenaue Steuerung. Es wird nichts erklärt und kein Wort gesprochen. Ich konnte keine Beziehung zu Six aufbauen und keinen Grund finden, warum ich sie überhaupt beschützen sollte. Zumindest am Ende wäre eine Auflösung schön gewesen. Das Ende sorgt aber nur für noch mehr Fragen. Bei nur vier Stunden Spielzeit für die fünf Kapitel würde ich lieber auf eine Preissenkung warten (aktueller Preis: 20 Euro).

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