Mafia 3

Sehr lange haben wir alle auf die Fortsetzung von Mafia 3 gewartet. Bevor das Epos überhaupt angekündigt wurde, prägten zahlreiche Gerüchte die Tagesordnung. Wird es überhaupt kommen? Wie wird der Protagonist und vor allem was gibt es neues zu erkunden. Es ist noch gar nicht so lange her als ich mit Mafia 2 abgeschlossen hatte. Ich liebte die Atmosphäre, die Stadt und die Protagonisten und die spannende Geschichte. Eine Fortsetzung war klar zu Erwarten! Auch wenn man Mafia überhaupt nicht mit GTA vergleichen darf, so hat Rockstar Games mit seinem Open World Abenteuer die Messlatten extrem hoch gelegt.
Nun ist Mafia 3 seit kurzem erhältlich und die Meinungen variieren sehr stark! Ein meist schlechtes Zeichen ist, wenn Reviews von einem potenziellen Hit erst nach Release erscheinen dürfen. Wie gut Mafia 3 wirklich geworden ist, können wir euch in unserem Test erklären.

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Mit Rache die Stadt erobern!

Um euch nicht allzu viel Spannung von der Story wegzunehmen, versuchen wir hier wirklich nur sehr oberflächlich daran zu kratzen. Dies ist aber leider auch bitter nötig, denn nach einem relativ frühen und kurzem Höhepunkt der Story verblasst das Hoch der Welle und man sinkt in einem direkten Tief. Doch dazu später etwas mehr.
Ihr spielt den schwarzen Protagonisten Lincoln und arbeitet mit Freunden an bestimmten Aufträgen, die natürlich in der Mafiosi Unterwelt angesiedelt sind. Raubüberfälle, Gewalt und Bandenkriege stehen an der Tagesordnung. Zudem befindet ihr euch in einer Zeit, wo die schwarzen noch als klare Minderheit erachtet werden. Dies wird nicht nur während der Hauptstory sehr deutlich, sondern auch fremde und Passanten – ja sogar das Radio lästern gerne über schwarze Menschen ab. Nachdem es zu Beginn durch die andauernden Rückblenden in einer nahezu sehr guten Erzählweise immer spannender wurde, kam mir nach wenigen Stunden tatsächlich ein „What the Fuck“ aus dem Mund. Ich hatte zwar im Hinterkopf schon vermutet was kommt, aber es passierte nun einmal. Die Geschichte wendet sich komplett und plötzlich steht ihr komplett alleine da. Dies ist etwas stark heruntergewertet, da ich euch nicht allzu sehr spoilern möchte. Bis dahin war meine Motivationskurve am Höhepunkt und man brachte mich nicht mehr vom Bildschirm weg….

Durststrecke der Ewigkeit

Storytechnisch nachvollziehbar müsst ihr natürlich strategisch vorgehen und die komplette Stadt in euren Besitz nehmen. Das heißt ihr müsst zahlreiche Unterbosse rekrutieren und / oder ausschalten um neue Geschäfte zu erschließen. Denn nur wer große Macht hat, kann auch großen Schaden anrichten und den Bösewichten am Ende besiegen! Das Problem an der ganzen Sache ist allerdings, dass sich eben diese Missionen über gefühlt hunderte Stunden hinweg komplett wiederhohlen und mit der Zeit langweilig werden.
An dieser Stelle hab ich mich wirklich gefragt, wo die Kreativität der Entwickler geblieben ist. Es gibt so viele nette und grandiose Ideen im Spiel, die aber nicht wirklich konsquent umgesetzt wurden. Man muss sich zum Teil echt überwinden am Ball zu bleiben. Die Nebenmissionen, die euch zusätzlich Geld bringen und für Abwechslung sorgen sollen konnten mich ebenfalls nicht überzeugen. Öfter hatte ich auch da das Gefühl, dass ich immer nur im Auto Unterwegs bin, um von A nach B zu fahren und vielleicht musste ich wieder jemanden umbringen. Hier muss ich ganz klar sagen war der Vorgänger besser, weil die Story immer kontinuierlich und mit Spannung weiterging.

Aber…

Nachdem ich den Frust bzw. die Enttäuschung durch das Niederschreiben wieder ein bisschen einfangen konnte, muss man Mafia 3 dennoch an ein paar Ecken und Kanten loben! Ich persönlich glaube nämlich auch, dass die Erwartungshaltung viel zu groß war. Denn es gibt durchaus viele positive Dinge zu berichten. Fangen wir einmal an:
Das Gameplay an sich hat mir sehr gut gefallen. Lincoln lässt sich sehr schön steuern und sowohl das Schießen und das Schleichen haben mir gleichermaßen gut gefallen. Bei letzterem ist sogar mehr Nervenkitzel dabei. Ihr könnt nämlich selbst entscheiden, ob ihr leise und mit Stealth Kills vorgeht (was super funktioniert) oder eben mit Krach durch die Missionen ballert. Wenn ihr Beispielsweise Gegner die an einem Alarmposten sind leise ausschaltet bringt dies natürlich enorme Vorteile, da ihr sonst mit einer starken Verstärkung rechnen müsst!
Zusätzlich zum normalen Vorgehen gibt es auch zahlreiche Möglichkeiten, die das Spielen bequemer machen. So könnt ihr beispielsweise jederzeit Verstärkung rufen (sofern ihr genügend „Gefallen der Bosse gefarmt habt) oder euren mobilen Waffenladen antanzen lassen. Dieser kommt dann mit einem Auto und ihr könnt direkt Munition und Waffen nachrüsten. Das macht durchaus mehr Spaß als ständig einen Waffenladen aufsuchen zu müssen!

Gehen wir noch einmal zurück zur Story. Die Durststrecke ist zwar lang, hat man aber diese überwunden geht es wieder sehr Filmreif weiter. Insgesamt sind gerade die Dialoge mit der sehr guten deutschen Synchronisation extrem gut gelungen! Aus meiner Sicht war das auch immer eine Stärke von Mafia. Nicht nur weil die Synchronsprecher super waren, sondern weil die Geschichten so authentisch erzählt wurden. Auch in Mafia 3 findet man all dies wieder. Auch alte Bekannte aus dem Vorgänger werdet ihr wiedertreffen. Wie bereits weiter oben erwähnt hätte ich es schöner gefunden, diese „Stadteroberungslücke“ mit viel mehr Intrigen und Geschichten zu füllen als letzten Endes neue Bosse zu farmen!

Open World als Begriff richtig?

Mafia 3 muss sich leider immer wieder den Vergleich von GTA gefallen lassen. Dies war auch bei anderen Games immer der Fall, da R* ganz klar ein Open World Gott ist! Ich würde aber ehrlich gesagt eher dazu tendieren, Mafia als reines Abenteuer zu sehen. Open World heißt für mich auch mal „Scheiße bauen“ zu können. Witzige Nebenmissionen, aber wie auch eine lebendige Welt die extrem viel zu bieten hat. Natürlich kann man in Mafia 3 auch Leute erschießen und sich mit der hiesigen Polizei anlegen, allerdings wird hier noch lange nicht so viel geboten. Das ist eigentlich auch nicht weiterschlimm, da es eben Mafia ist und davor auch nicht anders war, allerdings hätten die Nebenmissionen durchaus mehr von der doch sehr schönen Welt profitieren können! Stattdessen mache ich zum Teil das gleiche wie in den Hauptmissionen oder fahr blöd durch die Gegend.

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Technik

Technisch gesehen ist Mafia 3 und vor allem die Stadt sehr schön anzusehen. Allerdings leidet die Weitsicht sehr stark und auch so wirkt alles auf die Ferne etwas vernebelt. Dennoch bin ich gerne in New Orleans Unterwegs – vor allem auch Abseits von der Stadt, wo die Flüsse an Wäldern grenzen. Allerdings ist die Map um einiges kleiner als gedacht. Abwechslung wie Berge, Wüsten etc. wie man es aus Los Santos kennt gibt es hier natürlich nicht.
Die Musik ist wieder extrem gut. Die 60er boten einfach extrem gute Musik und ich höre wirklich sehr gerne Radio wenn ich mit den alten Autos on Tour bin! Zum Teil hab ich mir sogar ein paar Lieder gekauft und selbst ins Auto getan – also in der Realität 🙂
Würde man die Story Durstrecke sinnvoller füllen, wäre auch der Umfang extrem gut. Von der Länge der Story kann man ungefähr davon ausgehen, dass es wie beim zweiten Teil ist, wobei ich selbst noch nicht ganz durch bin!
Eine Sache demotiviert mich allerdings auch sehr stark. Ich habe bewusst den nächsten Patch abtgewartet um diesen Test zu schreiben. Bei mir gibt es in einer Nebenmission einen  Bug, dass ein Boot nicht da auftaucht wo eines sein soll – ergo ich kann diese Mission nicht beenden. Generell sind zahlreiche Bugs im Spiel vorhanden, was auch in diversen Foren schon diskutiert wurde. Dass zu Beginn immer Fehler drinnen sind wissen wir ja. Aber ganze Missionsstopper halte ich dann doch für unverzeihlich!

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Fazit

Mafia 3 ist aus meiner Sicht nicht der Hit geworden, was ich mir einst erhofft hatte. Zwar packt die Story zu Beginn, verliert sich aber dann mit langweiligen Aufgaben, die sich permanent wiederholen. Bis man dann wieder in Fahrt kommt, dauert einfach zu lange. Man versucht nicht einmal, den Spieler mit richtig guten und abwechslungsreichen Nebenmissionen bei Laune zu halten. Die Bugs, die zum Teil das Starten von manchen Missionen nicht möglich machen, haben meinen Ärger zusätzlich unterstrichen.
Auf der anderen Seite hatte ich gerade zu Beginn sehr viel Spaß. Nachdem ich die Durststrecke der Story überwunden konnte, fing ich auch wieder an aktiver zu spielen. Denn das Gameplay an sich, die schöne Stadt und die Charaktere mit einer sehr guten deutschen Synchronisation fangen das Mafia Gefühl trotz allem sehr gut ein. Dass man während der Missionen auch komplett in Stealth spielen kann reizt mich ebenfalls sehr. Denn das funktioniert extrem gut. Unterm Strich bleibt ein – ich weiß nicht wie ich es sagen soll – extrem solider oder fast guter Titel. Würde ich es mir nochmal kaufen, nachdem ich weiß wie es ist? Um ehrlich zu sein ja, das würde ich schon, aber ich mit einer komplett anderen Erwartungshaltung. Wie man vielleicht schon beim Lesen merkt man ist wirklich hin- und hergerissen. Letzten Endes müsst ihr das selbst entscheiden. Eine gute Alternative zu allen Open World Spielen ist Mafia 3 locker!

4 Comments

  1. Das ist richtig ja. Nach dem 3GB Patch haben wir aber erwartet dass zumindest die Bugs draußen sind, die Missionen unspielbar machen.

  2. Wie gesagt auch ohne bugs ein gutes Spiel keine Frage. Ich (Test geschrieben) zocke es gerne aber es hat in gewissen Punkten nicht das gebracht was man sich erhofft hat. Dennoch wird es platiniert 🙂

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