No Man’s Sky

Nachdem wir in unseren “Logbüchern” (Teil 1 und Teil 2) bereits unsere ersten Eindrücke zu Hello Games prozedural generierten Sci-Fi-Adventure No Man’s Sky zusammengefasst haben, findet ihr folgend nur noch einen Kurztest zum Spiel. Es ist – und das möchte ich an dieser Stelle schon einmal festhalten – sehr schwer solch ein Spiel überhaupt abschließend zu bewerten. Einerseits geht die Objektivität schnell flöten, wenn man nach über zwanzig Stunden Spielzeit bereits dermaßen gelangweilt ist, dass man keine Lust mehr verspürt das Spiel überhaupt zu starten, während es auf der anderen Seite eine grandiose Leistung ist, was das gerade mal 15 Mann starke Team von Hello Games da auf die Beine gestellt hat.  Ob das Spiel nun eines der “Liebe es, oder hasse es”-Art ist, oder ob es irgendwo in der Mitte liegt, sollen die folgenden Zeilen klären.

Zur Story

Wer No Man’s Sky wegen der Handlung spielen möchte, sollte sich darauf gefasst machen, dass diese kaum bis gar nicht existent ist. Das Spiel beginnt auf einem zufällig generierten Planeten. Als Captain eines abgestürzten Schiffes, muss man dieses erst einmal reparieren und darf sich fortan frei bewegen. Ob auf dem Planeten, auf dem man gestrandet ist, im All, oder auf einem anderen der unzähligen Himmelskörper ist hierbei egal.

Ja, man kann als Spieler dem sogenannten “Atlas-Pfad” folgen, der einen über kurz oder lang ins Zentrum des Universums navigiert, was man als eigentliches Ziel des Spiels ins Auge fassen sollte. Doch – auch wenn ich nicht weiter spoilern möchte – was einen dort erwartet ist mindestens genauso clever, wie es enttäuscht. Meine Reaktion darauf reichte von “Wollt ihr mich veräppeln?” bis hin zu “Gut gedacht, schlecht umgesetzt.”. Ist natürlich alles subjektiv, aber dennoch glänzt das Spiel nicht gerade mit einer guten Story. Fragmente dieser werden zwar in Form von eingeblendeten Texttafeln erzählt, was durchaus Atmosphäre erzeugt und in seinen besten Momenten an Sci-Fi-Stories aus den 70ern erinnert, aber überzeugen kann das nicht.

Allerdings soll es in No Man’s Sky auch weniger um die Geschichte, als um die Freiheit des Spielers und die damit verbundene Erkundung der unterschiedlichen Planeten gehen.

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Zur Erkundung

Und hier glänzt das Spiel in den ersten Stunden geradezu. Mensch, was hatte ich einen Spaß dabei, über Planeten zu schlendern, Rohstoffe abzubauen, außerirdische Zivilisationen zu erforschen, Raumschiffe zu finden und zu reparieren, um sie mir anzueignen, mit Aliens zu handeln, neue Waffen herzustellen und meinen Raumanzug aufzurüsten. Toll, richtig, richtig toll!

Dan kam Stunde X, ich weiß nicht mehr wann ich das erste mal darüber nachdachte, und ich fühlte mich gelangweilt. Sean Murray von Hello Games, der wie ein aufgedrehtes Maskottchen in den letzten Jahren sein Baby als die ultimative Freiheitsrevolution verkauft hatte, musste gelogen haben. “You can do whatever you want”, hat er gesagt. “Du kannst tun, was auch immer du willst.”

Und ja, irgendwie hat er da Recht, aber andererseits… Sagen wir es so: Wenn dir jemand ein Raumschiff gibt, mit dem du hinfliegen kannst, wohin du auch willst, und ein Werkzeug, um Rohstoffe abzubauen, dann hast du innerhalb dieser Begrenzungen natürlich die Freiheiten alles zu tun. Aber unterm Strich kannst du doch nur an unzählige Orte fliegen und dein Werkzeug benutzen. Und da krankt das Spiel. Trotz der Planeten- und Rohstoff-Vielfalt kommt man irgendwann an den Punkt, an dem man meint alles gesehen zu haben. Dann bleiben die Überraschungen aus. Man trifft eine neue Alienrasse, die dich an eine erinnert, die du bereits kennst, und erlernt ihre Sprache, die letzten Endes doch nur aus den immer gleichen zusammengewürfelten Buchstabenfolgen und aufgenommenen Geräuschen bestehen kann. Planet Y erinnert einen an Planeten B mit einer Prise F, das Multiwerkzeug sieht aus, wie eines, das du bereits hattest, nur dass es einen grünen Anstrich hat, usw.

Und da iegt wohl das Problem eines (fast) unendlichen Universums. Man muss dieses auch mit Aufgaben füllen und eine Langzeitmotivation schaffen, sonst verliert das Spiel schnell an Reiz. Nehmen wir The Witcher 3 als Beispiel. Ein anderes Genre zwar, aber es muss zum Vergleich herhalten. Die Welt ist lebendig und man hat den Eindruck an jeder Ecke etwas neues zu entdecken oder den Detailreichtum zu bewundern. No Man’s Sky bietet hingegen auf Dauer immer das gleiche: Eine monotone Erkundungsmission.

Zu den Kämpfen

Kurzum: Sie sind nicht der Rede wert. Ehrlich. Auf den Planeten wird man immer wieder Wächtern begegnen, die genau protokollieren wie oft und wie viele der seltenen Rohstoffe man abträgt und wie sehr man dem Planeten dabei schadet. Überreizt man sein Blatt, werden sie aggressiv und greifen an. Gut, dass man das Multitool auch als Waffe einsetzen und mit voller Feuerkraft drauf halten kann. Die Zielerfassung ist dabei leider mehr schlecht als Recht und man merkt, dass der Entwickler keinerlei Erfahrungen im Shooter-Bereich hat. Das alles fühlt sich auf der einen Seite hakelig und uninspiriert an, während der Schwierigkeitsgrad gefühlt auf Super-Easy steht. Die einzige Herausforderung ist die unpräzise Steuerung, woran auch die riesigen Wächter nichts ändern können, die lediglich imposanter aussehen.

“Ja, aber die Raumkämpfe müssen doch fetzen”, wird jetzt der ein oder andere sagen. Und ja, die Kämpfe gegen Weltraumpiraten sind beeindruckender und können je nach der Anzahl der Feinde und dem Status des eigenen Schiffs auch durchaus fordern können. Leider stört auch hier die Steuerung gewaltig, so dass schnell Frust aufkommen kann.

Präsentation, Technik und Sound

Die Präsentation ist äußerst gelungen und das Artdesign überzeugt auf ganzer Linie. Man fühlt sich wie in einem alten Sci-Fi-Abenteuer, von denen sich das Spiel immerhin inspiriert zeigt. Die Alienrassen und das mitunter umwerfende Zusammenspiel aus Farben, Formen und fremdartigen Strukturen übt einen eigenen Reiz aus, den so noch kein Spiel vorher hatte.

Die Grafik ist solide, was aufgrund der angewandten Technik und den prozedural erschaffenen Inhalten nicht überrascht. Es erwarten einen tatsächlich keine spürbaren Ladezeiten, was für sich genommen eine Meisterleistung ist, wenn man die Größe des Spiels betrachtet. Ohnehin liefert der Entwickler – allen möglichen Abstürzen und Freezes – zum Trotz eine außerordentliche Leistung ab, die seinesgleichen sucht. Größe, Vielfalt und beeindruckende Panoramen überzeugen auf ganzer Linie. Leider stören die zahlreichen Pop-Ups, niedrig aufgelöste Texturen und verwaschene Weitsicht.

Der Soundtrack ist stets zurückhaltend, aber atmosphärisch dicht. Er beeindruckt auf eine subtile Art und Weise, bleibt dadurch aber auch nicht im Gedächtnis.

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Fazit

No Man’s Sky ist kein Spiel für jeden. Es ist genau genommen noch nicht einmal mehr ein Spiel für viele. Dazu fehlen zu viele wichtige Langzeitmotivatoren und vorallem Inhalte. Stattdessen ist es eine mitunter entspannende, aber auch viel zu monotone Erkundungsmission ohne wirkliches Ziel. Es ist ein Wettrüsten ohne Gegner, ein immer besser und stärker werden, ohne Vergleichsmöglichkeit. Und das wird viele – mich eingeschlossen – auf Dauer schlichtweg langweilen. Wer sich für eins, zwei Stunden pro Abend in fremdartigen Welten verlieren und dort wandernd seine Zeit totschlagen möchte, wird durchaus seinen Spaß haben. Viele, viele Stunden sogar. Alle anderen sollten warten bis No Man’s Sky günstiger zu haben ist, denn für die gebotenen Inhalte ist der Vollpreis von empfohlenen 60 € einfach zu hoch angesetzt.

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