Northgard – ein Early Access Review

Northgard
Gemütliche Dörfer, hungrige Wölfe und Schneegestöber. Der französische Spieleentwickler Shiro Games hat die deutschen „Die Siedler“ mit der Welt der Wikinger kombiniert. Das Resultat hört auf den Namen „Northgard“ und ist seit Anfang des Jahres auf Steam im Early Access erhältlich. Ob das Aufeinanderprallen der Kulturen in dieser frühen Phase schon Spaß macht, verrät das folgende Review.

Die Siedler kehren zurück?

Der Vergleich mit Blue Bytes unvergessener Aufbaustrategie-Reihe Die Siedler liegt bei Northgard nahe. Seit den frühen 90er Jahren und bis in das neue Jahrtausend hinein waren die Siedler eine der erfolgreichsten Computerspielreihen überhaupt – zumindest in Deutschland. Seit 2004 versuchte Publisher Ubisoft, die Reihe auch für den internationalen Markt attraktiv zu machen, spendierte den Entwicklern ein größeres Budget und gestaltete die Spielmechanik zugänglicher – und fuhr die Serie so in kürzester Zeit gegen die Wand.

Deshalb dürfte die Freude groß sein, dass Northgard auf den ersten Blick all das bietet, was den Reiz an Die Siedler einst ausmachte: Unter der Regie des Spielers erbauen niedliche Figuren liebevoll animierte Dörfer, lassen sie wachsen und gedeihen, und eignen sich so immer größere Gebiete des unerforschten Landstrichs Northgard an. Zwar waren Wikinger auch schon in Die Siedler und anderen Strategiespielen spielbar, doch verströmt das dezidiert nordische Setting von Northgard seinen ganz eigenen Charme.

Väterchen Frost regiert mit strenger Hand.

In der Early-Access-Version stehen drei Wikinger-Clans zur Auswahl; im fertigen Spiel sollen zwei weitere hinzukommen. Der Clan des Hirsches zeichnet sich durch ein überlegenes ökonomisches Fundament aus, das seinen Siedlungen zu schnellem Wachstum verhilft. Der Clan des Wolfes besticht durch militärische Stärke und kann Feinden am entschiedensten begegnen. Der Clan des Geißbocks hat seine besondere Stärke schließlich ein einem Bereich, der zu den interessantesten Features von Northgard zählt und den Titel von vergleichbaren Spielen abhebt: dem Winter.

Diese entbehrungsreichen Perioden sind die wohl größte Gefahr in ganz Northgard: Holz und Nahrung schwinden in kürzester Zeit dahin und wehe dem, der den Sommer nicht genutzt hat, um ausreichende Vorräte anzulegen. Schneestürme stellen eine zusätzliche Gefahr dar und können dafür sorgen, dass die Dorfgemeinschaft bei Einbruch des Frühlings kaum noch wiederzuerkennen ist.

Der restliche Spielablauf folgt dann tatsächlich ganz dem Siedler-Prinzip: Ausgehend von einem Haupthaus konstruieren und erweitern wir unser Dorf und greifen dabei auf das gewohnte Repertoire an Gebäudetypen zurück: Jäger, Holzfäller, Getreidefelder und ähnliches. Geht es unseren Wikingern gut, wächst die Bevölkerung.

Kundschafter erkunden in der Zwischenzeit die Umgebung. Wenn der Platz in unserer Siedlung zu knapp wird, können angrenzende Gebiete erobert oder – im Gegenzug für Nahrung – gekauft werden. Doch selbst wenn wir uns für letztere Möglichkeit entscheiden, kommen wir in Northgard nicht lang ohne Kämpfe aus: Seien es die Angriffe wilder Tiere, wie Wölfe und Bären, feindliche Wikinger-Clans oder gar Dämonen, Draugr genannt, die durch Portale in unsere Welt strömen.

Da geht noch mehr!

Die Kombination all dieser Gefahren macht Northgard zu einem deutlichen action-lastigeren Spiel als Die Siedler. Wer an Blue Bytes Klassiker vor allem den geruhsamen, ergo stressfreien Spielablauf schätzte, wird sich in Northgard mit viel Multitasking und gelegentlich hektischen Spielphasen arrangieren müssen. Unfair wirkt das Spiel aber nie und engagierte Clanführer werden sich stets belohnt fühlen.

Einziger Manko ist in der gegenwärtigen Entwicklungsphase der äußerst geringe Spielumfang. Die Early-Access-Version von Northgard bot zunächst ausschließlich einen Solomodus, der freie Kämpfe gegen die CPU ermöglichte. Das Herzstück der Solo-Erfahrung – die Story-Kampagne – und ein ausgewachsener Mehrspielermodus sollen in der Vollversion allerdings nicht fehlen. Außerdem sollen dann (neben den schon erwähnten zwei zusätzlichen Clans) auch erweiterte Systeme für Diplomatie und Handel zur Verfügung stehen und die Interaktion mit anderen Wikinger-Clans interessanter gestalten..

Northgard – mein Fazit

Northgard ist schon jetzt ein wunderbares Kleinod, das Fans der Siedler unbedingt im Auge behalten sollten. Mit einer liebevollen Grafik, die fast genauso knuffig ausschaut wie das offensichtliche Vorbild, und einer durchdachten, fein balancierten Spielmechanik könnte es Northgard gelingen, frischen Wind in das zuletzt vernachlässigte Genre zu bringen. Mit mehr Action und um interessante Einfälle bereichert, ist Northgard allerdings mehr als einfach nur ein Siedler-Klon. Gelingt es den Entwicklern, die Vollversion mit ausreichend Spielinhalten auszustatten, dürfte Northgard rundum überzeugen. Neugierige Strategen, die sich im geringen Spielumfang nicht stören, können aber auch schon jetzt zugreifen.

Über den Autor

Chefermittler
Chefermittler
Spiele spielen und dann noch spielen!

Kommentar hinterlassen zu "Northgard – ein Early Access Review"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*