Papo & Yo – Review

Einige kennen das Problem, eine nicht ganz so schöne Kindheit verbracht zu haben, oder sie zu verbringen. Hier können unterschiedlichste Faktoren für verantwortlich sein, in manchen Fällen ist es der Alkohol. Und wenn dieser von den Eltern, oder aber zumindest einem Elternteil in erheblichen Mengen konsumiert wird, wirkt sich dies auch auf das Verhalten dieses Elternteils aus.

Ein merkwürdiger Einstieg für ein Review? Das kann sein, jedoch hat dies seinen Grund. Und den erfahrt ihr, wenn ihr nun weiterlest…

„Papo & Yo“ wurde als Indieprojekt entwickelt. Autor des Spiels war hierbei Vander Caballero und in dem Titel verarbeitet er seine nicht immer sehr schöne Kindheit. In dieser nämlich musste er die die oben beschriebene Erfahrung machen, es war sein Vater, der dem Alkohol frönte. Und es war sein Vater, der sich hierdurch veränderte und zwar nicht zu seinem Besten.

In „Papo & Yo“ – was übersetzt übrigens „Papa und ich“ bedeutet – zeigt der Autor, wie er sich als kleinen Jungen und seinen Vater als teilweise bösartiges Monster sieht.

Der Spieler wird in eine südamerikanische Szenerie verfrachtet, in der er in die Rolle des kleinen Quico schlüpft. Dieser kauert zu Beginn des „Spiels“ in einem Wandschrank, im Hintergrund ist der Schatten eines wütenden Monsters zu sehen. Der kleine Quico flüchtet sich in eine Phantasiewelt, in der ein mysteriöses Mädchen auf Quico wartet. Sie läuft jedoch davon und macht Quico klar, dass er ihr folgen soll.
Dies ist jedoch nicht sehr einfach, denn der Weg zu ihr ist meist versperrt, bzw. nicht direkt ersichtlich. Und hier kommt der Spieler zum Zug, denn es gilt, die einzelnen Rätsel in den Spielabschnitten zu lösen und den Weg für Quico frei zu machen.

Allerdings taucht auch Quicos Vater in dieser Welt auf und zwar als Monster. Monster sieht nicht nur aus wie ein Monster, Monster heißt in „Papo & Yo“ auch schlicht Monster. Eigentlich ist Monster Quicos bester Freund, jedoch nur dann, wenn er keinen giftigen Frosch gefuttert hat. Dann nämlich kommt es bei Monster zu Wutausbrüchen. Zwar richtet Monster bei Quico keinen körperlichen Schaden an, hindert ihn jedoch daran, im Level voranzukommen. Quico kann sich jedoch wehren, indem er Monster eine blaue Kokosnuss verfüttert. Dann nämlich beruhigt sich Monster wieder und Quico kann sogar Monsters Bauch als Trampolin missbrauchen. So gelangt der kleine Junge dann beispielsweise in Spielabschnitte, die sonst versperrt geblieben wären.

Die Giftfrösche stellen ganz klar den Alkohol dar, um den es in Vanders Kindheit ging. Monster verkörpert hierbei seinen Vater und dessen Verhalten. Bester Freund, wenn er nüchtern war, unberechenbar, wenn er getrunken hatte. So liegt es am Spieler, die diversen Rätsel in „Papo & Yo“ zu lösen, um das Spiel erfolgreich zu beenden. Wer Actionkost liebt, wird hier nicht fündig werden. Auch die Spielzeit von knapp 4 Stunden ist nicht sehr umfangreich. Das eigentliche Spielerlebnis und die Geschichte jedoch sind dermaßen fesselnd, dass man in dieses Spiel hineingezogen wird. Auch wenn es hier um eine weniger schöne Geschichte geht, die zudem nicht frei erfunden ist, bietet der Titel durch die guten Rätsel doch einiges an Spielspaß.

Hilfreich ist hierbei auch ein kleiner Roboter, der Quico z.B. als Jetpack dient. Außerdem kann der kleine Roboter weit entfernte Schalter erreichen, um dieses oder jenes Rätsel zu lösen. Mal müssen einfach nur Schalter gedrückt werden, ein anderes Mal müssen gleich ganze Häuserreihen umgestellt werden, um den richtigen Weg freizugeben. Je weiter man im Spiel voranschreitet, umso öfter kommt es vor, dass Spielabschnitte mit Giftfröschen bestückt sind. Hier muss dann eine Möglichkeit gefunden werden, Monster an diesen vorbei zu lotsen, oder aber die Frösche rechtzeitig „auszuschalten“.

Optisch ist die südamerikanische Umgebung sehr liebevoll gestaltet. In Kisten findet man immer wieder Hinweise, wie man ein Level eventuell lösen kann, bzw. worauf man achten sollte. Ab und an treten jedoch leider Clippingfehler auf, die den Spielspaß jedoch kaum trüben können.
Die Musik passt ebenfalls zum Ambiente, denn auch hier wird man mit ruhigen, südamerikanischen Stücken bedient. Das Gesamtbild ergibt in „Papo & Yo“ eine sehr runde Sache. Die Steuerung ist denkbar einfach, man hat nach kurzer Spielzeit alles gut im Griff.

Fazit
„Papo & Yo“ ist kein Spiel als solches, sondern eher eine Erfahrung, die es jedoch zu machen lohnt. Auch wenn die Geschichte, wegen der das Spiel entstand, alles andere als schön ist, sollte man sich dieses virtuelle Kunstwerk nicht entgehen lassen. Und wenn der Autor der Meinung ist, auf diese Weise seine Erlebnisse verarbeiten zu können, ist dies nicht zwingend schlecht.
Es fällt natürlich in diesem Fall etwas schwer, von „Spielspaß“ zu reden, er ist aber trotzdem gegeben.
Daher kann ich diesen Titel alles PS3-Spielern ans Herz legen. Auch wenn die Spielzeit ein wenig kurz ist, sollte man sich „Papo & Yo“ einmal anschauen!

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