Psycho-Pass: Mandatory Happiness

Visual Novels erfreuen sich gerade in ihrer japanischen Heimat schon seit vielen Jahren großer Beliebtheit. Doch langsam aber sicher finden immer mehr dieser “virtuellen Bilderbücher” ihren Weg auch zu uns in den Westen. Mit Psycho-Pass: Mandatory Happiness hat es diesen Monat nun eine weitere Visual Novel als Neuerscheinung auf Sonys Konsolen geschafft, die wir ausführlich getestet haben, um uns letztlich auf der Suche nach Gameplay innerhalb einer spannenden Geschichte zu verirren.

Ein Blick in die Zukunft

Im Jahr 2112 haben es Verbrecher nicht gerade leicht. Das sogenannte Sibyl-System überwacht alle Menschen und fertigt einen individuellen Psycho-Pass an, also eine Einschätzung der geistigen Verfassung, sowie der Fähigkeiten aller Individuen. Ändert sich der emotionale Zustand, muss eingegriffen werden. Beinahe automatisch werden dann Termine bei Beratern gemacht oder Tabletten verschrieben, die den Wert und somit das Leben des Individuums verbessern sollen. Geschieht das nicht, verschlechtert sich der Farbton des Psycho-Pass (In verschiedenen Farbabstufungen wird der Gesundheitszustand gemessen) womöglich und aus gewöhnlichen Menschen werden schnell latente Kriminelle. An dieser Stelle liegt es an dem Criminal Investigation Department – kurz CID – Untersuchungen anzustellen und die kriminellen Aktivitäten aufzuhalten oder direkt zu unterbinden.

In Psycho-Pass: Mandatory Happiness verschlägt es den Spieler in eben jenes CID, wo er wahlweise als Inspektor oder Vollstrecker – latent Kriminelle, die aufgrund ihrer Fähigkeiten geduldet werden – tätig wird, je nachdem für welchen Charakter man sich anfangs entscheidet. Während Takuma Tsurugi ein temperamentvoller Vollstrecker ist, handelt es sich bei der weiblichen Figur um Nadeshiko Kugatachi, die ohne jegliche Erinnerungen an ihre Vergangenheit und emotional kalt und rational ihrer Arbeit nachgeht. Egal, für wen der beiden man sich entscheidet, geht es letztlich darum mehrere unterschiedliche Fälle zu lösen, Entscheidungen zu treffen und sich mit einer KI namens Alpha herumzuschlagen, die ihre ganz eigenen Ziele für die Menschheit hat.

28490348731_2c9fc7f4f3_z

Die Geschichte ist dabei interessant und mitunter äußerst spannend erzählt, wobei gerade der Charakter- und somit Perspektivenwechsel bei einem zweiten Durchgang zu gefallen weiß. Dadurch erscheinen einige Ereignisse in einem anderen Licht und Gespräche verlaufen anders. Man erfährt nochmals mehr über die Welt und die Hintergründe der einzelnen Personen.

Auf der Suche nach dem Gameplay

Psycho-Pass: Mandatory Happiness ist eine klassische Visual Novel, was nichts anderes bedeutet, als dass man ein digitales Bilderbuch erlebt, das musikalisch untermalt und mit zusätzlicher Tonspur versehen wurde. Man folgt den statisch präsentierten Gesprächen, in dem man entweder der japanischen Synchro lauscht oder die englischsprachigen Texte liest. Letztere kann man dabei automatisch ablaufen lassen oder selbst weiter drücken. Von Zeit zu Zeit müssen Entscheidungen in Form von Multiple-Choice-Fragen getroffen werden, die Einfluss auf die weitere Geschichte oder auch das Ende haben können, von denen es mehrere zu entdecken gibt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Statisch inszenierte Animefiguren vor schön gezeichneten, aber unspektakulären Hintergründen, die sich unterhalten.

Wer sich also auf der Suche nach Gameplay befindet, dem sei gesagt: Es gibt keines. Aus diesem Grund wird es auch nicht Bestandteil der finalen Wertung sein.

28535825136_5d4b08c8f2_z

Präsentation, Grafik & Sound

Der Anime-Look und die grafische Präsentation stammen direkt aus der Vorlage und werden gerade Fans sehr gut gefallen. Tatsächlich gibt es technisch und optisch gar nichts auszusetzen. Allerdings gibt es auch weder Animationen, noch grafisch aufwändigere Effekte zu bestaunen. Als Spieler begutachtet man ausschließlich statische Bilder, während man die dazu passenden Texte liest. Davon gibt es allerdings reichlich und auch wenn sie lediglich in englischer Sprache vorliegen, würde ich aus eigener Erfahrung sagen, dass man mit ordentlichem Schulenglisch (bis auf einige Begriffe) alles versteht.

Der Soundtrack ist gelungen und pendelt sich irgendwo zwischen “aufdringlich aber passend” und “subtil stimmungsvoll” ein. Keine Melodien, die im Ohr bleiben würden, aber immer situativ angepasst. Wer die Anime-Serie im O-Ton schaut darf sich über die originalen Synchronsprecher freuen, die im Spiel den Charakteren ihre Stimmen leihen. Wer bei der Erwähnung von O-Ton bereits mit den Augen gerollt hat, sollte wahrscheinlich Abstand von dem Spiel nehmen. Denn leider bietet Psycho-Pass: Mandatory Happiness ausschließlich eine japanische Sprachausgabe, was zwar zur Anime-Atmosphäre beiträgt, aber nicht jedem gefallen wird.

28490348771_f8c4aa5bd1_z

FAZIT

Wer sich den Text durchgelesen und dann einen Blick auf den Wertungskasten geworfen hat, wird sich vielleicht über die hohe Zahl wundern. Ja, man macht tatsächlich nicht viel mehr als Texte zu lesen, sich unbewegte Bilder anzuschauen und von Zeit zu Zeit mal eine von mehreren Antwortmöglichkeiten auszuwählen. Und wer damit nichts anfangen kann, darf dem Spiel gerne ganze 76 Punkte abziehen und sollte niemals wieder einen Gedanken daran verschwenden. Aber innerhalb der starren Präsentation des Genres Visual Novel macht Psycho-Pass: Mandatory Happiness kaum etwas falsch und weiß durch eine tolle Story, mehrere Enden, interessante Charaktere und tolle Zeichnungen zu gefallen.

Es ist eben wie mit einem guten Buch: Mehr als lesen und umblättern gibt es erst einmal nicht zu tun, aber wenn der Inhalt stimmt, beginnt das Gehirn zu arbeiten. Und das schafft auch die hier getestete Visual Novel.

[youtube id=”hrJYOyhh5Bw” width=”600″ height=”350″]

Schreibe einen Kommentar