Reigns

Da ich schon immer mal der König über ein Land sein wollte, das ich mit der Lässigkeit eines Tinder-Nutzers regiere, indem ich entweder nach links oder rechts wische, kam mir die Veröffentlichung von Reigns, das von Devolver Digital vertrieben wird, gerade recht. Dass ich überhaupt wie ein solcher König regieren wollte, das sollte ich an dieser Stelle wohl nachreichen, wurde mir im übrigen erst klar, als ich das schwarzhumorige Smartphone-Game (von dem es auch einen PC-Port gibt) das erste mal spielte. Warum mir Reigns so gut gefallen hat und ob ich ein guter König war, das soll der folgende Test klären.

Der König ist tot…

Das Spiel beginnt erst einmal im Jahre 500 und damit, dass der vorherige König eines namenlosen Landes seine Herrschaft aufgrund seines vorzeitigen Ablebens leider beenden musste. Natürlich kommt der Nachfolger schnell an die Macht und der Spieler darf loslegen. Es liegt nun an ihm über das Land zu herrschen und möglichst lange an der Macht zu bleiben. Dass dies nicht einfach ist, zeigt sich schnell. Eine der unzähligen im Spiel enthaltenen minimalistisch gehaltenen Comickarten erscheint auf dem Bildschirm und es muss eine Entscheidung getroffen werden. Auf die meisten Fragen, die dem König gestellt werden, kann man mit Ja oder Nein antworten, wobei es auch komplexere Situationen zu meistern gilt. Dabei reichen die Entscheidungen, die getroffen werden müssen, von “Wir brauchen eine neue Burg. Bauen wir die bitte?”, über “Wenn ihr ein Tier wärt, welches wäre das wohl?”, bis hin zu “Die Nonnen eines Klosters haben begonnen, wie Katzen zu miauen. Das breitet sich ins Dorf aus”, wobei man jedes mal mit einem Wegwischen der Karte reagieren muss.

Um beim letzten Beispiel zu bleiben: Entweder man wischt nach links und reagiert mit einem desinteressierten “Was geht mich das an?” oder man wischt die Karte nach rechts und entsendet den eigenen General, um das Problem der miauenden Nonnen zu lösen. Jede Reaktion hat dabei meist weitreichende Konsequenzen, da sie sich auf mindestens eine der vier Statusleisten auswirkt. Immer im Blick behalten werden müssen “Glaube”, “Bevölkerung”, “Militär” und “Geld”. Ist eine der Leisten zu voll oder zu niedrig, endet das Spiel auch gerne und der König landet unter der Erde. Wichtig ist es also immer ein Gleichgewicht zu halten, damit man nicht allzu schnell das Zeitliche segnet, was gar nicht so einfach ist, da das Spiel einem zwar durchaus anzeigt auf welche Gruppe/n sich die Entscheidung auswirken wird, aber nicht ob im positiven oder negativen. Jede Entscheidung symbolisiert dabei ein Herrschaftsjahr, was am Ende einer Runde (sprich nach dem Tod des Regenten) akribisch festgehalten wird.

…Lang lebe der König

Wenn man stirbt – und das wird man zwangsläufig – ist das aber nicht das Ende des Spiels. Man schlüpft einfach in die Rolle des Nachfolgers, der gleichzeitig eine Reinkarnation des Vorgängers ist. Ja, Reigns hat auch eine Hintergrundgeschichte, die trotz des schwarzen Humors, der eindeutig im Vordergrund steht, spannend und interessant ist. Zu viel möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, aber natürlich hat dieser Wiedergeburtszyklus, in dem man gefangen ist, auch eine Bedeutung.

Jede Runde läuft dabei weitestgehend gleich ab: Man trifft Entscheidungen, wischt, überlegt und stirbt irgendwann. Dass das nicht langweilig wird, liegt zum einen an den herrlich witzigen Dialogen, Situationen und Entscheidungen, zum anderen aber auch an diversen Aufgaben, die es zu erfüllen gilt und die zum Start einer Runde angezeigt werden. Diese reichen von “Treffe den Flüsterer”, über “Finde das Kaltblut” bis hin zu “Starte einen Kreuzug”. Schade, dass es keine genaueren Beschreibungen für die Aufgaben gibt, denn so bleibt es unterm Strich dabei, dass man die verschiedenen Antwortmöglichkeiten immer und immer wieder durchprobieren muss, bis man zufällig die richtige Karte erwischt. Dabei wird man mit der Zeit auch neue Charaktere treffen, die neue Kartensätze ins Spiel bringen oder auch Boni freischalten, die über mehrere Runden aktiv bleiben. Ja, es mag das Ziel sein möglichst lange zu regieren, aber unterm Strich hatte ich den meisten Spaß dabei, als ich mitunter völlig willkürlich meine Meinungen zu bestimmten Institutionen verändert habe oder aber auch mal versehentlicht in die falsche Richtung wischte.

Zur Abwechslung tragen aber auch die kleineren Dungeons bei, in denen man mitunter Fechtduelle gegen geschwätzige Skelette gewinnen und einen Ausweg finden muss, sowie besondere Events wie Drachenbegegnungen und romantische Affären. Doch egal was kommt, Reigns macht dabei immer Spaß.

Technik, Sound und Steuerung

Grafisch sollte man von Reigns nicht allzu viel erwarten. Die Präsentation ist minimalistisch, hat aber einen eigenen, umwerfenden Charme, dem man fast erliegen muss. Alle Texte sind dabei auf Deutsch, dennoch wird der Humor sehr gut eingefangen. Der Sound ist okay, ich habe ihn aber recht schnell auf lautlos gestellt, auch da ich das Spiel viel unterwegs gespielt habe. Das Wischen funktioniert natürlich als Steuerungsmethode perfekt und ist sowohl einfach als auch ausreichend präzise. Man reagiert eben mit Lässigkeit!

FAZIT

Ich wurde noch niemals so richtig warm mit einem Smartphone-Spiel. Meist nerven mich die F2P-Motivation und das Grinding dahinter, die verhunzte Steuerung oder andere Kleinigkeiten. Doch Reigns ist für mich das (fast) perfekte Smartphone-Spiel, das ich immer mal wieder starte, um den nächsten Anlauf zu starten und meinen Rekord an Regierungszeit zu übertreffen. Dass die deutschen Bildschirmtexte so gut geworden sind, ist für mich ein weiterer großer Pluspunkt. Für einen Preis von 3,19 € für Android und Apple-Geräte macht man sicher nichts falsch. Ich freue mich auf diverse Erweiterungen, die noch kommen sollen und höre jetzt mal auf zu schreiben, um die Regentschaft von Jakob dem Uralten zu überbieten, der immerhin fast 36 Jahre lang sein Volk unterjocht … ähm… weise geführt hat.

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