Resident Evil Special: Teil 1

Erster Teil: Die Ur-Trilogie und Code Veronica

Resident Evil ist die erfolgreichste Horrorspiel-Reihe aller Zeiten. Mehr als zwei Dutzend Spiele sind im Rahmen der Serie bis heute erschienen, die sich gemeinsam über 78 Millionen Mal verkaufen konnten. Im Laufe seiner Geschichte erlebte Resident Evil zahlreiche Aufs und Abs. Mehrmals wurde es für tot erklärt, und mehr als einmal konnte es sich neu erfinden. Rund 20 Jahre nach dem Original erschien im Januar 2017 der viel diskutierte Serien-Neustart Resident Evil 7. Der ideale Zeitpunkt, die Reihe Revue passieren zu lassen.

Resident Evil (1996/2002)

Inzwischen dürfte sich herumgesprochen haben, dass Resident Evil das Genre des Survival-Horrors nicht begründet hat: Diese Ehre gebührt Infogrames Alone in the Dark (1992) oder sogar dem NES-Rollenspiel Sweet Home (1989), an dessen Entwicklung der spätere Resident-Evil-Produzent Tokuro Fujiwara sogar schon beteiligt war. Dennoch gilt Resident Evil als das einflussreichere Horrorspiel. Das liegt zum einen an seiner nachhaltigen Erfolgsgeschichte, die erst eine Reihe von Nachfolgern und schließlich ein multimediales Franchise mit Spielfilmen, Romanen, Comics und Merchandise nach sich zog. So verhalf Resident Evil auch dem Phänomen Zombie zu seinem bis heute andauernden Revival.

Dass es dazu kam, war keine Selbstverständlichkeit: Als Serienschöpfer Shinji Mikami 1994 mit der Arbeit am Spielkonzept begann, sollten zunächst Gespenster die Gegnerschaft des Spielers bilden. Obwohl Mikami persönlich nichts furchterregender fand als böse Geister, überarbeitete er nach einiger Zeit das Konzept, da er der Ansicht war, dass es einen physisch präsenteren Gegnertypus bräuchte, um dem Spieler ein Gefühl für die Auswirkungen seiner Angriffe zu vermitteln. Mikami erinnerte sich an den Film Dawn of the Dead, dessen Darstellung von Zombies schließlich das Vorbild von Resident Evil werden sollte.

Dass Resident Evil so einflussreich war, lag aber auch in seinen spielerischen und inszenatorischen Innovationen. Unter anderem zog der Titel sein Publikum mit asynchron erzählten Handlungssträngen in seinen Bann: Während der Spieler mit einem von zwei Protagonisten die Flucht aus einem unheimlichen Herrenhaus versucht, und auf diese Weise die Geschichte einer furchteinflößenden Nacht erlebt, deckt er parallel dazu die Geschehnisse der vorangegangenen Jahre und Monate auf, die zum Aufstieg der Umbrella-Corporation und schließlich zum Ausbruch des furchterregenden T-Virus geführt haben.

Grafisch ist allerdings gerade der erste Teil nicht gut gealtert und es ist nicht auszuschließen, dass die pixeligen Zombie-Horden statt Furcht zu erregen auf Spieler von heute eher unfreiwillig komisch wirken. Dankenswerterweise erschien 2002 das gleichnamige Remake des Klassikers für den Nintendo GameCube. Von Fans und Presse oft schlicht „REmake“ genannt, bot das Spiel überragende Grafiken mit einer bis dahin unerreichten Detailfülle, die sich selbst vor heutigen Spielen nicht verstecken müssen, dazu viele spielerische Verbesserungen und einige zusätzliche Areale. Für viele Fans gilt das „REmake“ damit als das beste aller klassischen Resident Evils. Nachdem es über ein Jahrzehnt nur auf Nintendo-Konsolen erhältlich war, erschien 2015 ein HD-Remaster des Spiels auf diversen Systemen (PS3, PS4, X360, XOne, Windows PC).

Resident Evil 2 (1998)

Nach dem Überraschungserfolg des Originals gelang der Reihe mit Teil 2 der endgültige Durchbruch. Resident Evil 2 bot eine deutlich detailliertere Grafik und eine in allen Punkten verbesserte Spielmechanik. Es etablierte die Innenstadt von Racoon City als Schauplatz und führte mit Leon S. Kennedy und Claire Redfield (nach Chris Redfield und Jill Valentine im Vorgänger) zwei weitere unvergessene Protagonisten ein. Auch wenn manche Fans der Meinung sind, dass das von Zombies überrannte Polizeirevier als Kulisse nicht ganz mit dem unheimlichen Herrenhaus des Erstlings mithalten konnte, gilt Resident Evil 2 für viele Spieler als womöglich bester Teil der Ur-Trilogie auf der PlayStation.

In Deutschland war Resident Evil 2 infolge einer Indizierung lange Zeit nicht frei erhältlich und wurde von der Fachpresse oft nur unter Codenamen besprochen (so wurde die Nintendo-64-Fassung oft Resident Evil 64 genannt, ein Spiel, das als solches nie existierte). Glücklicherweise ist die Indizierung seit 2014 aufgehoben und Resident Evil 2 wieder frei erhältlich. Darüber hinaus kündigte Capcom 2015 ein lang herbeigesehntes Remake an – Erscheinungsdatum unbekannt.

Resident Evil 3: Nemesis (1999)

Das Spiel mit dem Untertitel Nemesis ist vermutlich der am wenigsten bekannte Serienteil aus der PlayStation-Ära. Resident Evil 3 orientiert sich eng am Vorgänger und macht eigentlich wenig falsch – trotzdem dürften nur die Wenigsten diesen Teil der Reihe als ihren Favoriten betrachten. Einerseits liegt das daran, dass Resident Evil 3 dem Vorgänger weder spielerisch noch atmosphärisch viel hinzufügte (außer etwas mehr Action). Die Straßen von Racoon City konnten nie die klaustrophobische Atmosphäre des Herrenhauses oder der Polizeistation erreichen und der titelgebende, nahezu unbesiegbare Widersacher Nemesis, vor dem die Heldin an zahlreichen Stellen im Spiel meist nur flüchten kann, wurde von vielen Spielern schlicht als nervig empfunden. Darüber hinaus bot Resident Evil 3 mit der aus dem Original bekannten Jill Valentine erstmals nur eine einzige Spielfigur, was Wiederspielwert und Spieldauer erheblich einschränkte.

Ein schlechtes Spiel ist Resident Evil 3: Nemesis deshalb nicht – tatsächlich ist es noch heute erstaunlich zugänglich und komfortabel spielbar, und selbst die Grafik besticht an vielen Punkten mit Details. Es war vielmehr nur so, dass Nemesis zum Zeitpunkt seines Erscheinens nicht länger auf der Höhe der Zeit war, und in der Tat hatte Capcom zeitgleich mit der Entwicklung eines weiteren Serienteils begonnen, der die Reihe fit für die nächsten Konsolengeneration machen sollte: Code Veronica.

Resident Evil: Code Veronica (2000)

Obwohl nicht durchnummeriert, wird Code Veronica üblicherweise als Bestandteil der Resident Evil-Hauptreihe betrachtet: Zeitlich zwischen Teil 2 und 3 angesiedelt, allerdings weit von Racoon City entfernt, auf einer wettergepeitschten Insel (und später sogar in der Antarktis) spielend, war Code Veronica der erste Teil der Reihe, der vollständig auf 3D-Grafiken setzte. Die überlegene Rechenleistung der SEGA Dreamcast machte es möglich, dass der Detailgrad der Umgebungen nicht allzu weit zurückgeschraubt werden musste, während die polygonalen 3D-Darstellungen eine ganz neue Dynamik erlaubten.

Das kam vor allem dem Gameplay zugute, das nun sehr viel flüssiger ablief und packendere Kämpfe bot, und außerdem seltener von Ladesequenzen unterbrochen wurde. Ansonsten bliebt Code Veronica der etablierten Resident-Evil-Formel treu und bot den bekannten Mix aus Erkundung und Action. Neu war, dass Code Veronica, statt sich auf eine Handlung zu konzentrieren, mehrere Geschichten parallel erzählt, die erst relativ spät zu einem Erzählstrang zusammengeführt werden. Der Atmosphäre war dieses Konzept nicht unbedingt zuträglich. Was allerdings die Dimensionen der Handlung und die Spielzeit angeht, ist Code Veronica bis heute eines der umfangreichsten Resident Evils überhaupt. Spätere Umsetzungen des Spiels auf die PlayStation 2 und den Nintendo GameCube tragen übrigens den Zusatz „X“ im Titel.

Obwohl Code Veronica ein Erfolg war, sollte es einige Jahre dauern, bis Capcom erneut auf dreidimensionale Umgebungen und Action setzte. Zunächst kehrte man zurück zu den Wurzeln – dazu mehr im nächsten Teil des großen Resident-Evil-Specials.

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