Resident Evil Special: Teil 3 Neuanfang und mehr

Resident Evil 6
Dritter Teil: Identitätskrise, Neuanfang und mehr

Im letzten Teil des Resident Evil-Specials geht es um die wechselhafte Ära zwischen den Teilen 6 und 7 und um die interessantesten Spiele abseits der Hauptreihe.

Resident Evil 6 (2012) Chris Redfield

Große Ambitionen ließ Resident Evil 6 nicht vermissen: Mit gleich vier parallelen Handlungssträngen wollte das Spiel nicht nur eine umfangreiche Story erzählen und eine lange Spieldauer bieten, sondern Fans seines actionreichen Vorgängers und Anhänger der rätselorientierten Klassiker gleichermaßen zufriedenstellen: Entsprechend bemühte sich der Handlungsstrang um Leon S. Kennedy um klassischen Horror, die Geschichte um Chris Redfield legt dagegen Wert auf Action. Ein anderer Handlungsstrang (um Albert Weskers Sohn) möchte besonders innovativ daherkommen, unterdessen Ada Wong viele Rätsel spendiert bekommt.

So vielversprechend das auch klingt, sah sich Resident Evil 6 nach seiner Veröffentlichung erheblich Kritik von Fans und Fachpresse ausgesetzt: Oft wirkt es wie ein Flickenteppich, der zudem mit erheblichen technischen Makeln und Bugs zu kämpfen hatte. Der Versuch, es allen recht zu machen und gleichzeitig auf die „Generation Call-of-Duty“ abzuzielen, ging nach hinten los und brachte Capcom und die Reihe ins Straucheln. Bald hatte das ambitionierte Resident Evil 6 den Ruf, Tiefpunkt der Hauptreihe zu sein.

Mit etwas Distanz betrachtet, ist Resident Evil 6 aber vermutlich gar nicht so schlecht. Wer über die technischen Makel und die Identitätskrise hinwegsehen kann, erlebt allemal ein unterhaltsames Spiel. Und auch die Verkaufszahlen konnten letzten Endes überzeugen. Dennoch war die Marke Resident Evil auf Jahre hinweg beschädigt; zum ersten Mal seit fast zwei Jahrzehnten spielte sie in der Riege der gewichtigen Triple-A-Franchises nicht mehr mit. Die Zeit war gekommen, sie ein zweites Mal ganz neu zu erfinden.

Resident Evil 7: Biohazard (2017)

Im Januar 2017 meldete sich die Resident Evil-Hauptreihe nach fast fünfjähriger Pause schließlich zurück. Zum ersten Mal seit Code Veronica trägt das Spiel dabei einen Untertitel, der allerdings nichts anderes ist, als der Name, unter dem die Reihe in Japan von Anfang an bekannt war. Nach den zunehmend action-orientierten und kontinuierlich schwächer werdenden Vorgängern, führt Resident Evil 7 die Reihe zunächst zurück ins Horrorgenre. Allerdings nicht etwa in Form des klassischen Survival-Horrors der frühen Teile, sondern im Stil jüngerer und frischerer Genre-Vertreter wie Outlast, SOMA oder Alien: Isolation.

Obwohl Resident Evil 7 einen zweiten großen Bruch in der Serie darstellt, ist es somit sehr viel weniger innovativ, als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Das gilt ebenso für seine Handlung und Schauplätze. Zwar traut sich das Spiel, den bisherigen Markenkern um Zombies, Raccoon City und die Umbrella Corporation hinter sich zu lassen, sich vom Zombie-Thema und allen bekannten Figuren zu verabschieden. Es nutzt stattdessen die amerikanischen Südstaaten als Kulisse und orientiert sich ästhetisch an Horrorfilmklassikern der 70er Jahre, wie Texas Chainsaw Massacre. Wirklich originell ist aber auch das nicht, und so wäre festzuhalten, dass Resident Evil 7 Horrorfans nicht viel Neues bieten kann.

Ein schlechtes Spiel ist es deshalb aber nicht – ganz im Gegenteil. Es ist eine der intensivsten und angsteinflößendsten Horrorerfahrungen aller Zeiten! Handwerklich ist das Spiel nämlich so gut umgesetzt, dass es die meisten seiner innovativeren Vorbilder locker übertrumpft; seine Schockeffekte, die Grafik und die Soundkulisse sind auf allerhöchstem Niveau. Hinzu kommt, dass Resident Evil 7 auch über PlayStation VR spielbar ist und bis heute als eine der besten Virtual-Reality-Erfahrungen bekannt ist.

Und nun, wo dieser Grundstein einmal gelegt ist, wäre zu hoffen, dass Capcom bei Teil 8 dort weitermacht und dann auch wieder etwas mehr Originalität und Selbstbewusstsein in Hinblick auf die Geschichte zeigt.

Spin-Offs abseits der Hauptreihe

Schon sehr früh, auf PSX und PS2, vor allem aber in den schwierigen Jahren zwischen Resident Evil 5 und 7 kamen diverse Spin-Off der Resident-Evil-Reihe auf fast alle erdenklichen Plattformen. Für Fans der etwas klassischeren Serienteile dürften insbesondere die mittlerweile zwei Episoden der erfolgreichen Revelations-Serie für Begeisterung sorgen, die 2012 auf dem Nintendo 3DS ihre Premiere feierte, mittlerweile aber für die unterschiedlichsten Systeme erhältlich ist.

Die älteste und „nischigste“ Spin-Off-Reihe ist allerdings „Survivor“, eine dreiteilige Reihe von Lightgun-Shootern, die bereits auf der ersten PlayStation ihre Premiere feierte. Weitere Exkurse ins Railshooter-Genre gab es schließlich auf der Wii, in Gestalt des mittelprächtigen Umbrella Chronicles, das in Deutschland nie offiziell erschienen ist, und seines sehr viel gelungeneren Nachfolgers Darkside Chronicles.

Mit Resident Evil Outbreak und Outbreak File #2 versuchte sich Capcom außerdem bereits zu PlayStation 2-Zeiten an einer kooperativen Online-Erfahrung. Spiele wie Resident Evil: Operation Raccoon City, The Mercenaries 3D und Umbrella Corps legen ihren Schwerpunkt auf die Söldner der Umbrella Corporation und sind sogar noch action-lastiger als die späteren Hauptreihenepisoden. Die größte Kuriosität in 20 Jahren Resident Evil dürfte aber das Top-Down-Action-Adventure Resident Evil Gaiden für den GameBoy Color sein. Fans der Reihe, die meinen schon alles zu kennen, könnten an diesem Ausflug auf ein von Zombies verseuchtes Kreuzfahrtschiff ihre ganz spezielle Freude haben.

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