Resistance 3 – Testbericht

Mit Resistance führten die Entwickler von Insomniac zum Verkaufsstart der PlayStation 3 eine neue Shooter-Marke ein. Nun steht bereits die vierte Episode (inkl. PSP-Ableger) an, die die finstere Geschichte rund um die widerlichen Chimera fortführt. Doch abseits der durchaus außergewöhnlichen Handlung kann Resistance 3 gut unterhalten.

 

Kein Ende

Seit den letzten Ereignissen aus Resistance 2 ist einiges passiert. Die letzten Überlebenden konnten einen Impfstoff gewinnen, der es den Chimera unmöglich macht, die Menschen in wilde Bestien zu verwandeln. Dieses Mal schlüpft ihr aus gutem Grund nicht mehr in die Rolle von Nathan Hale, sondern in seinen ehemaligen Kollegen Joseph Capelli. Er hat mittlerweile geheiratet und ein Kind, gemeinsam wohnen sie in einer kleinen Siedlung mit Freunden. Doch auch diese beschauliche Ortschaft ist vor den außerirdischen Kreaturen nicht sicher, und so flüchten die letzten Überbleibsel der humanoiden Gesellschaft vor der Gefahr. Auch die Chimera haben sich verändert: Sie sammeln die Menschen nicht mehr ein, sondern töten sie schlichtweg. Außerdem sind sie emsig damit beschäftigt, mittels Terraformer-Maschinen die Durchschnittstemperatur auf dem Planeten zu senken. Wieso? Das erfahrt ihr im Verlauf der Solo-Kampagne, die mit einer Spielzeit von bis zu zehn Stunden angemessen lang ausgefallen ist.

Joseph Capelli muss natürlich einen wichtigen Auftrag erledigen, nämlich nach New York reisen. Gemeinsam mit Doktor Malikov soll er dort das Mutterschiff der Chimera finden und die Terraformer deaktivieren. Denn sonst ist der blaue Planet am Ende. Das wäre ungünstig, schließlich möchte Insomniac ja noch weitere Resistance-Storys erzählen. Davon abgesehen: Von Überraschungen kann bei der aktuellen Ausgabe wahrlich nicht die Rede sein. Typische Klischees, ein etwas zu harter Held, böse Monster – alles schon einmal erlebt. Zum Beispiel in den Vorgängern. Oder auch in ähnlich gearteten Genrevertretern der letzten Monate und Jahre Offenbar ließen sich die Entwickler etwas zu sehr von Half-Life 2, Metro 2033, Call of Duty, Gears of War und irgendwie auch Homefront inspirieren – zumindest was manche Schauplätze, Handlungsstränge und atmosphärische Elemente betrifft. Das ist nicht allzu tragisch, denn nach wie vor ist das Resistance-Universum eigenständig genug, um zu unterhalten. Allein das Intro von Resistance 3 ist eine Wucht und erzählt enorm stimmungsvoll, was bisher geschah. Lasst ihr euch auf die Hintergrunde ein, giert ihr schnell nach mehr Informationen über die Alien-Zombies – oder was die Chimera auch sein mögen. Dass die Autoren zu keiner Zeit das cineastische Potential nutzen, ist zwar bedauerlich, aber auf gewisse Weise Genre-typisch.

Konventionell

Zum Spiel. Resistance 3 hält sich weitgehend an die Shooter-Konventionen. Das heißt, ihr ballert euch durch die linearen Abschnitte, häufig geht es nur dann weiter, wenn ihr alle Gegner in einer Zone erledigt habt. Auch könnt ihr euch in diversen Gebieten etwas flexibler umher bewegen, von einer spielerischen Freiheit ist aber zu keiner Zeit die Rede. Mit Höhepunkten geizten die Macher glücklicherweise nicht, oftmals geht ihr gegen gewaltige Chimera vor, flüchtet auf einem Boot oder erkämpft euch sichere Orte. Das ist spannend, keine Frage. Allerdings halten sich Überraschungsmomente arg in Grenzen, zu oft habt ihr Ähnliches schon in anderen Spielen erlebt. Es ist bedauerlich, dass sich Insomniac zu sehr auf Bewährtes verlassen hat. Dramaturgisch bleibt Resistance 3 auf der Höhe des Vorläufers stehen, neue Akzente sucht ihr vergebens. Daran ändern die kleinen Neuerungen nichts: Beispielsweise generiert der Held seine Gesundheit nicht mehr automatisch, jetzt müsst ihr in den Levels nach Medikits Ausschau halten. Dadurch ist Resistance 3 zwar etwas fordernder und spielt sich klassischer, auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad ist das aber keine enorme Herausforderung oder gar inhaltliche Bereicherung.

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Aber wollen wir nicht zu viel nörgeln: Resistance 3 ist ein Shooter alter Schule. Das heißt konkret, dass ihr ohne großartigen Schnickschnack Action in Reinkultur erhaltet. An den richtigsten Stellen warten neue Waffen, Deckung nehmt ihr hinter großen Objekten und ohne zwingend zu drückende Tasten. Die Grafiker von Insomniac beweisen außerdem einmal mehr, dass sie ein Talent für stimmungsvolle Orte, großartige Lichtspielereien und bedrückende Endzeitstimmungen haben. Die Gestaltung der Gegner ist erstklassig. Nicht ganz so einfallsreich sind die weitgehend bekannten Tötungsspielzeuge. Diese verfügen über einen Sekundärmodus für andere Geschosse und verbessern ihre Effektivität automatisch beim ständigen Gebrauch. Mit dabei sind wie gewohnt Schrotflinte, das Bullseye, eine Magnum und diverse andere (Alien-)Werkzeuge. Neu ist eine Art Elektroschocker mit der Fähigkeit, Fieslinge in ein schwarzes Loch zu katapultieren. Hübsch und effektiv. Gelungen ist beiläufig erwähnt die Waffenauswahl: Durch das nicht ganz neue Weapon Wheel sucht ihr die bevorzugte Metzelmaschine aus, alternativ genügt ein kurzer Druck auf die Hoch-Taste, um zwischen den zwei aktuellen und bevorzugten zu switchen. Das geht flott von der Hand, wie eh die gesamte Steuerung. Hier reden wir aber nicht über die gewöhnungsbedürftige Kontrolle mit dem Move-Controller. Richtig warm werdet ihr mit dieser nicht.

Nicht unerwähnt sollte die prächtige Grafik sein. Sicher, die Klasse eines Crysis 2 erreichen die Entwickler nicht ganz, aber alles in allem gibt es genügend opulent inszeniert Passagen. Zerstörte Häuser, herumliegende Leichen, starke Windverwehungen, staubige Wüsten – wunderbar. Auf Wunsch genießt ihr Resistance 3 in 3D – entsprechende Peripherie vorausgesetzt. Zwar ist häufig die Fernsicht nicht ganz zufriedenstellend, allerdings sind das sichtlich beabsichtige Mittel zum Intensivieren der Stimmung. Etwas Kritik verdient sich die nicht übermäßig überzeugende Intelligenz der Gegner, wobei sie immerhin ihre eigenen Fähigkeiten (Schilde, Sprünge etc.) taktisch gebrauchen. Auch durch den knapp 700MB großen Patch steigt der IQ der Chimera nicht.

Noch mehr

Apropos: Das Update verbessert eh den Mehrspieler-Modus von Resistance 3. Dieser ist erneut sehr umfangreich. Die gesamte Kampagne könnt ihr an einer Konsole oder via PSN mit einem Freund bestreiten. Löblich. Möchtet ihr dagegen epische Schlachten mit mehreren Teilnehmern erleben, entscheidet ihr euch für die facettenreichen Multiplayer-Optionen. Jetzt dürfen zwar nur noch 16 Leute gegeneinander kämpfen, aber das genügt locker. Fortlaufend schaltet ihr neue Fähigkeiten frei, steigt im Erfahrungslevel und nutzt neckische Gadgets wie einen Tarnanzug. Das erinnert alles sicher nicht zufällig an Call of Duty, ist also gut verdaulich und wirkt nicht zu überfrachtet.

Fazit

Klar, Resistance 3 ist keine interaktive Sensation, dafür fehlt es an inhaltlicher Einmaligkeit. Diese bietet zwar die schaurige Endzeitwelt, jedoch nutzt Insomniac die Möglichkeiten nicht vollständig. Der Verlauf der Geschichte ist austauschbar und konservativ – nix Besonderes eben. Das gilt auch für das Spiel selbst, nur das ist nicht ganz so tragisch. Denn die Kämpfe sind intensiv, fesselnd und motivierend. Dazu gibt’s ein absolut zeitgemäßes Gewand, eine vorzügliche Akustik und ausschweifende Mehrspieler-Optionen, die sinnvoll zurecht gestutzt wurden (z.B. weniger Mitspieler). Alles in allem ist Resistance 3 eine gelungene Fortsetzung und ein reinrassiger Shooter-Spaß. Erwartet ihr keinen tiefschürfenden Anspruch und mochtet die Vorgänger, seid ihr auf der sicheren Seite.

 

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