Review ALAN WAKE

Spannung, Spiel und….Alan Wake. Eine Überraschung ist das neueste Werk der Max Payne-Schöpfer durchaus, wenn auch in einer anderen Hinsicht, als es der Xbox 360-Spieler vielleicht denken mag. Remedy serviert uns nach einer fünfjährigen Entwicklungszeit zwar ein fast schon handelsübliches Action-Adventure, welches allerdings durch ganz andere Stärken zu faszinieren weiß.


 

Urlaub der etwas anderen Art

Eigentlich könnte alles so schön sein: Der Bestseller-Autor Alan Wake fährt mit seiner geliebten Frau in den Urlaub, um dort von seiner Schreibblockade befreit zu werden und seiner Herzensdame wieder etwas näher zu kommen. Die Reise geht in das beschauliche Örtchen Bright Falls, das im wunderschönen US-Bundestaat Maine liegt. Also theoretisch, denn in Wirklichkeit entspringt die herrlich gestaltete Kleinstadt den Fantasien des Remedy-Autors Sam Lake. Dieser ließ sich vor allem von etlichen Film- und Literatur- Vorlagen inspirieren, unter anderem von der TV-Serie Twin Peaks oder diversen Stephen King – Geschichten aus dem Castle Rock-Zyklus. King erfand in den letzten Jahrzehnten ein komplexes Universum rund um die Stadt Castle Rock, die sich ebenfalls in Maine befindet. Bright Falls könnte fast ein Mix aus Castle Rock und besagtem Twin Peaks sein, doch wirkt die gesamte Szenerie trotzdem völlig eigenständig und überraschend frisch. Dass die tiefgründige und wendungsreiche Handlung auch noch in sechs Kapitel im TV-Serien-Stil unterteilt ist, verdeutlicht ebenfalls die Ziele von Sam Lake: Er wollte unbedingt ein interaktives Erlebnis auf Film-Niveau erschaffen. Und gleich vorweg: Es ist ihm absolut gelungen.

Die Geschichte voller Mysterien, düsterer Geheimnisse und rätselhafter Ereignisse ist herausragend und fesselnd. Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte: So etwas wie Alan Wake hat man in der Historie der Videospiele bisher sehr selten gesehen.  Dass Kinogänger und Kenner von Das geheime Fenster oder Silent Hill hier einige „Das kenne ich doch“-Szenen erhalten, fällt keinesfalls negativ ins Gewicht. Auf gewisse Weise unterstreicht dies die cineastische Atmosphäre von Alan Wake.  Störend ist höchstens, dass die mitreißenden  Zwischensequenzen farblich nicht ganz zum eigentlichen Spielgeschehen passt. Während die Action sehr düster präsentiert wird, sind die storyrelevanten Videos deutlich heller und etwas grober aufgelöst. Dies ist aber nur etwas Nörgelei am Rande und ein unwesentlicher Kritikpunkt.

Nicht alles perfekt

Es ist schon ein wenig kurios, dass das eigentliche Gameplay gegenüber der Geschichte ein wenig abfällt. Letztendlich ist Alan Wake nämlich ein fast gewöhnliches Action-Spiel mit Elementen, die die Beschreibung „Innovation“  nicht verdient haben. Aus der dritten Person steuert ihr stets Alan, der die Aufgabe hat, in den Kapiteln bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Meist muss er flüchten, einen vorgegebenen Ort erreichen oder ähnlich simpel gestrickte Herausforderungen überstehen. Fast ausschließlich rennt er durch unheimliche Landschaften und tritt gegen die Mächte der Dunkelheit an. Diese heißen nicht Darth Vader und Imperator, sondern sie hören auf den freundlichen Namen „Die Besessenen“. Das sind Schattenwesen, die Alan am besten mit der Taschenlampe attackiert. Durch Licht werden sie geschwächt, danach können sie bedenkenlos mit Pistole, Pumpgun oder gar Lichtpistole abgeknallt werden. Manche Feinde sind etwas stärker oder mit einer Motorsäge ausgestattet, häufig treten die Standard-Kontrahenten in Rudeln auf. Die Auseinandersetzungen sind durch die Licht/Waffen-Kombination sehr dynamisch und unterhaltsam, leider wird die immer gleiche Vorgehensweise in den letzten Abschnitten etwas eintönig. Dies liegt zusätzlich daran, dass die integrierten Rätsel nicht gerade anspruchsvoll sind und das Potential, was die Licht- und Dunkelheit- Thematik mit sich bringt, unzureichend genutzt wird. Viel zu schnell stellt sich dadurch die Routine ein und man sehnt sich nach Abwechslung. Diese wird immerhin durch die grandios designten Schauplätze geboten, die Aufgaben, die die grauen Zellen etwas stimulieren sollen, sind trotzdem ein wenig enttäuschend und nach einigen Stunden nicht mehr sehr einfallsreich.

Keine Sorge, alles ist gut!

Nach zehn bis zwölf Stunden werdet ihr das Ende von Alan Wake erreicht haben, das Preis/Leistungsverhältnis ist demnach nicht optimal. Das wird euch aber überhaupt nicht stören, denn während dieser Zeit werdet ihr vorzüglich unterhalten. Dank der hervorragend inszenierten Story wollt ihr freiwillig gar keine Pause einlegen, ihr werdet kaum bemerken, wie die Minuten nur so verfliegen. Es ist quasi ein kleines Phänomen, was Remedy bei Alan Wake vollbracht hat: Die Geschichte nimmt euch so sehr in den Bann, dass ihr die Schwächen des eigentlichen Spielkonzeptes nicht registriert. Dazu sei sowieso gesagt: Das Kämpfen und Wandern durch die Wildnis macht schon Spaß, wenn auch nur auf einem gehobenen und nicht hochwertigen Niveau.

Neben dem schaurig schönen Hintergrund glänzt noch eine andere Seite von Alan Wake. Die Lichteffekte und die unglaublich liebevoll dargestellten Gebiete sind eine Wucht. Die visuelle Brillanz eines Unchartet 2 wird vielleicht nicht ganz erreicht, aber der Titel spielt fraglos ganz oben in der Liga der bestaussehendsten Spiele der aktuellen Konsolen-Generation. Und die ganzen Kleinigkeiten, die unzähligen TV- sowie Radiosendungen, die Straßenschilder, Hintergrundinfos – in Alan Wake steckt die Extraportion Leidenschaft, das merkt ihr von Anfang an. Ja, das ist heutzutage ungewöhnlich und erklärt wohl auch die lange Entwicklungszeit.

Erwähnt werden sollte noch die deutsche Lokalisierung: Diese ist gut, teils wurden offenbar die Sprecher von Heavy Rain engagiert. Ein besseres Erlebnis ist für englische Sprache, durch das Umstellen der Xbox 360 – Systemsprache könnt ihr diese aktivieren. Eine Option in den Menüs gibt es leider nicht.

Fazit: Ein Fest für die Sinne

Gegenüber einem Heavy Rain ist Alan Wake fast schon ein konventionelles Abenteuer, zumindest was das grundlegende Spielprinzip betrifft. Das Action-Adventure ist nett, aber nicht außergewöhnlich oder neuartig. Anders sieht dies bei der Geschichte aus, die die gesamte Spielzeit über unglaublich motiviert und euch nicht mehr loslässt. Die große Stärke von Alan Wake ist also das Storytelling und die komplette Handlung. Diese sind so dominant, dass ihr spielerische Schwächen nicht für voll nehmt oder über sie hinweg seht. Das ist auf gewisse Weise überraschend, zeigt aber deutlich, dass auch interaktives Entertainment mehr bieten kann als nur stupide Ballerei. Entsprechend ist Remedys Kreation ein Fest für die Sinne, das sich kein Xbox 360 – Besitzer entgehen lassen sollte. Wer die kurze Spielzeit bemängelt, der sollte womöglich einige Monate warten und zum halben Preis zuschlagen. Ich kann euch garantieren: Alan Wake wird ein zeitloser Klassiker, der auch in einem Jahr oder fünf Jahren noch zu begeistern weiß.

Mit Hilfe eines Prepaid Internet Accounts kann man jederzeit auch tolle Tipps und Tricks zu Alan Wake einsehen.

Schreibe einen Kommentar