Batman: The Telltale Series – Episode 4 “Guardian of Gotham”

Nun ist es bald soweit und die erste Staffel der neuen Telltale-Reihe Batman: The Telltale Series erreicht ihr Ende. Die vierte Episode mit dem Namen “Guardian of Gotham” (Beschützer Gothams) ist gleichzeitig auch die vorletzte und – trotz einiger Höhepunkte – wohl leider auch die schlechteste. Zumindest technisch. Aber mehr dazu im folgenden Test, wobei diesmal festgehalten werden muss, dass diejenigen, die sich nicht spoilern lassen möchten, besser aufhören zu lesen. Denn mindestens ein neuer Charakter muss Erwähnung finden…

Beschützer von Gotham

Nach den dramatischen Ereignissen der dritten Folge, steht es um den selbsternannten Beschützer Gothams, beziehungsweise den Mann hinter der Fledermausmaske, Bruce Wayne, nicht besonders gut. Die Geschehnisse kapseln ihn von der Stadt ab und lassen sie ungeschützt zurück. Ohne die nächtlichen Streifzüge von Batman haben die Bösewichte und die in den anderen Episoden aufgetauchten Ganoven leichtes Spiel und die Stadt wandelt sich binnen kürzester Zeit in einen gefährlichen Ort.

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Doch davon bekommt Bruce erst einmal nur wenig mit. Nach seinem erzwungenen Angriff auf einen Rivalen am Ende der dritten Episode, sitzt er an einem Ort fest, der eng mit der Vergangenheit seiner Familie verbunden ist und das Heim vieler späterer Superschurken sein wird: Dem Arkham Asylum. Dort trifft er auf einen fies lachenden Verbündeten, dessen wahren Namen niemand kennt, von dem aber Fans sofort wissen, wer er ist – oder innerhalb des Telltale-Univsersums besser: sein wird. Nämlich der Joker. Und auch wenn der Rest der Story eher Mittelmaß ist und leider nicht ganz an vorherige Episoden anschließen kann, ist der erste Auftritt des zukünftigen Erzfeindes Batmans ein ganz großer Moment.

Man hat schon viele mögliche Versionen des Jokers gesehen, aber Telltales funtkioniert – obwohl noch so viele klassische Züge des Prince Clown of Crime fehlen – hervorragend. Irgendwie eine Mischung aus dem der Animated Series und dem aus Rocksteadys Arkham-Reihe, versprüht er jene durchgeknallte Unberechenbarkeit, die man von ihm erwarten würde. Und mehr noch: Er scheint mehr über Bruce Wayne und auch die Ereignisse außerhalb des Asylums zu wissen, als man annehmen sollte. Mehr soll dazu aber auch nicht verraten werden.

Die Qual der Wahl

So toll die Vorstellung des psychopathischen Clowns auch ist, so enttäuschend verläuft der Rest der Folge. Innerhalb der kurzen Zeit, die Bruce Wayne der Stadt fernbleiben musste, hat sich so viel verändert, dass man sich fragen muss, ob sich Telltale mit der Handlung nicht vielleicht ein wenig übernommen haben. Vielleicht waren fünf Episoden dann doch zu wenig, für das, was man erzählen wollte.

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Zum Ende der eineinhalb Stunden Spielzeit wird es aber nochmals richtig interessant. Wieder einmal muss man eine Entscheidung treffen, die den Ausgang der Episode und wahrscheinlich auch weitere Geschehnisse maßgeblich beeinflussen wird. Selten ist mir eine Wahl so schwer gefallen und schon jetzt weiß ich, dass ich Episode 4 und danach auch Episode 5 nochmals spielen werden muss, um alle Ausgänge der Geschichte zu erleben. So gefällt mir Telltales Entscheidungsansatz auf jeden Fall besser, als die oft konsequenzfreien Einblendungen, wie zum Beispiel “Person X wird sich daran erinnern”.

Sonst bleibt sich Telltale natürlich treu und erfindet auch für die vierte Episode das Rad nicht neu. Verlangt ja aber auch niemand. Die Nutzung der Detektiv-Sinne kehrt genauso zurück, wie die hervorragend choreografierten Action-Sequenzen und die obligatorischen Dialogoptionen. Trotz kleineren Story-Schwächen, die man auch getrost als Vorbereitung für das im Dezember erscheinende Finale abtun kann, könnte diese Episode eine Bewertung im 80er-Bereich erhalten, wäre da nicht die Technik…

Technik & Sound

Während Artdesign und Soundtrack noch immer über alle Zweifel erhaben sind und die Synchro durchwegs gut geworden ist. stört die Technik in Guardian of Gotham immens. Spät nachladende Texturen, Grafikfehler, Bildhänger und Framerateeinbrüche trüben das Gesamtbild genauso, wie die deutschen Untertitel. Falls man diese überhaupt so nennen kann. Ungelogen: Ich habe mindestens genauso oft englische Untertitel gelesen, wie deutsche. Selbst bei den Entscheidungen, die unter Zeitdruck getroffen werden müssen, konnte man einen Mischmasch beider Sprachen lesen.

Ich weiß nicht, was bei der Qualitätskontrolle dieses mal schiefgegangen ist, aber so schlimm wie in der vierten Episode waren Technik und Übersetzung noch nie. Schade.

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FAZIT

Wären der Joker und die letzte große Entscheidung nicht gewesen, Episode 4 von Batman: The Telltale Series hätte mich ziemlich kalt gelassen. Wobei, stimmt nicht. Wahrscheinlich hätte ich mich nur umso mehr über die technischen Unzulänglichkeiten und die Katastrophe, die Telltale Untertitel nennt, aufgeregt.

Nichtsdestotrotz – und jetzt kommt das große “Aber” – freue ich mich sehr auf das große Staffelfinale und auf den Ausgang der Geschichte, wobei ich persönlich mit einem Cliffhanger rechne. Außerdem freue ich mich auf noch mehr vom Joker und was passieren wird, wenn dieser und Batman das erste Mal aufeinander treffen. Dass das voraussichtlich erst in Staffel 2 passieren wird, ist zwar schade, aber Telltale sollte sich erst einmal darauf konzentrieren lose Fäden zu verknüpfen.

Ich werde nach dem Ende von Episode 5 auf jeden Fall noch einmal mit Episode 4 beginnen und eine meiner Entscheidungen ändern, um auch später behaupten zu können, ich hätte alles gesehen. Denn trotzdem ist die eigentliche Geschichte wahnsinnig interessant.

Getestet wurde Batman: The Telltale Series – Episode 4 „Guardian of Gotham“ auf der PlayStation 4 dank eines von Telltale bereit gestellten Codes.

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