Review Dante`s Inferno

Hölle

Seit wann sind Komödien ab 18 und wieso sollte selbige als göttlicher Button-Smasher die Krone vor Bayonetta oder God Of War 3 erklimmen oder besser hinabsteigen?

Mal wieder sind es die Frauen schuld und werden als Erzählungskraftfutter verwurstet. Die Liebste unseres Heroen Dante, Beatrice, verlief sich und nahm vom falschen Mann Naschkram. So sucht unser Recke nach seiner Holden in der Hölle des Leides und der Bitterschokolade.

# 35 mm Pathos

Ein Platz, denn noch nie ein Mensch zuvor betrat. Angereichert mit lebendigen Toten und einer angsteinflößenden lebensunwidrigen Welt, voll bizarrer Kreaturen im düstren Schattenreich.

Sodann fungiert Dante als Exekutive, Judikative und Legislative.

Jedoch sind Friede, Freude = Pustekuchen. Der Weg zu Beatrice scheint weit und die Aufgabe sie noch rechtzeitig zu befreien fast aussichtslos.

Aber unser Held wäre ein fieser Schuft, würde er nicht allen zwielichten Gestalten den Garaus machen, nur um Beatrice wieder in seine männlichen Arme zu schließen und der Hölle ein Liedchen zu fiedeln.

Purgatorio

Epochal und ambitioniert empfängt den Schlund der Hölle – Dante. Das Texturenkleid sitzt zumeist stramm und crisp, bei Makro-Kameraführung leider wenig detailliert.

Wie in God of War III wird die fixe Perspektive als Designelement genutzt, was leider häufig zur Teleobjektiv-Sicht führt und Dante nicht wie ein Zwerg unter Götterriesen wirkt, sondern eher wie Ministeck im Legoland.

Die konstanten 60 fps schmeicheln das Auge und erlauben so eine ruckelfreien Genuss auf wundervolle Lichteffekte und schöne Reflexionen.

Die Zwischensequenzen sind zwar grandios gerendert, leider wird hier eine unglaubwürdige Brücke zur Echtzeitgrafik geschlagen. Die Divergenz zwischen beiden Elementen ist zu groß, um ein symbiotisches Gesamtbild darzustellen. Gerade die Mienenspielpose in Echtzeitgrafik unseres ‘Alter Ego’, entlockt Kratos nur eine kecke Nasolabialfalte.

Paradiso

Wäre Dante`s Inferno eine Blaskapellen-Kombo, Sie hätte Ihre Uraufführung in der Semper-Oper. Eine fulminant wuchtiger Score verführt sirenengleich den Protagonisten und seine Zuhörer. In wenigen Passagen hätte ich mir als Stilmittel ein präziseres Gefühl zwischen lauten und leisen Momenten gewünscht. Nichtsdestotrotz wird hier aufgespielt als ob es kein Morgen gäbe.

Die Sound/FX sind gleichwohl gut und stimmig in die musikalische Suppe eingebunden. Der deutsche Synchronton ist gut, ihm mangelt es aber an differenzierten Klangfärbungen. Sonore Boshaft wird schnell langweilig, wenn sie zu einem Stereotyp verkommt.

Summa Summarum fährt das musikalische Feuerwerk auf einer achtspurigen Autobahn, leider ohne Blick in Gegenrichtung.

Commedia

Angriff der Klonkrieger. Die Gefahr bei Schattenspielen ist der Schatten und nicht der Werfer.

Was macht also Dante besser als Kratos oder Bayonetta?

Leider nichts und wäre die göttlichen Komödie ‘vor’ dem Kriegsgott erschienen, wäre Tragik seine Spiegelschrift und der Scherenschnitt-Narziss wäre im eigenen Spiegelbild ertrunken. Auch im Vergleich mit der reizenden Vorstadtsekretärin in Latex, bleibt unser Held ein schwach pigmentierter Nordeuropäer.

So bleibt ein Spieletitel von Visceral Games der unverschämt stibitzt, aber auch unverschämt gut. Gerade klassische Literatur zu versoften ist ein pfiffiger Kontrapunkt, in Zeiten von grenzdebilem Storytelling. Nebenbei wird dem Käufer das gespielte Reclam-Heft untergeschoben und ‘la comdia‘ frisst sich in Aug und Ohr.

Meine Bitte an Dante`s Inferno 2.0

Ein wenig mehr Brainstorming mit Ecken und Kanten und einen Protagonisten der selbige auch besitzt. Sonst reicht nämlich ein Pitbull im Senioren Landschulheim nicht mehr für ein gut, welches dann nicht mehr gut genug ist.

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