Review DarK Void

Die Figur Nikola Tesla hat etwas Mystisches an sich. Um den bedeutenden kroatischen Erfinder und Elektro-Ingenieur ranken sich auch posthum vielerlei Gerüchte. Wohl deshalb ist bei Herstellern von Videospielen dermaßen beliebt. In Command & Conquer zeichnet er sich seit Veröffentlichung der Alarmstufe Rot-Serie für die todbringende Tesla-Spule verantwortlich. Das jüngste, ihm zugeschriebene Werk ist aber ein Raketenrucksack. Zugleich das zentrale Spielelement des Actioners Dark Void, das seit kurzem für Xbox 360 und PS3 im Handel erhältlich ist. Eine Garantie für ein gutes Spiel?

Abstürzen

Mitnichten. Doch von Anfang an: Will hat schon bessere Tage gesehen. Der ehemalige Soldat und Kampfpilot wurde unehrenhaft aus dem aktiven Dienst entlassen. Nun verdient er sich mit vergleichsweise langweiligen Transportflügen sein Brot. Lebensläufe von Helden lesen sich für gewöhnlich anders. Doch auch Will erhält seine Chance die Menschheit zu retten. Bei einem Routineflug stürzt er unfreiwillig mit seinem Flieger über dem sagenumwobenen Bermudadreieck ab. Dem Tod nur knapp entronnen, findet er sich kurzerhand in einer Paralleldimension wieder – und er ist nicht allein. Die dort ansässigen Menschen, die Angehörigen eines Aztekenstamms ähneln, werden von fiesen Aliens unterjocht. Diese sehen in euch natürlich als eine Art Messiahs, der vom Himmel gekommen ist, um sie von den Fesseln der Unterdrückung zu befreien. Ihr seht schon: eine Story mit typischen B-Movie-Flair.

Aufrüsten

Unter dem Menschenvolk verweilt auch euer stärkster Verbündeter, eben jener bereits angesprochener Erfinder Nikola Tesla. Er rüstet Will mit einem Prototypen seines selbst gebastelten Jetpacks aus. Zu Beginn des Abenteuers könnt ihr damit nur gleiten. Im weiteren Spielverlauf erweitert Tesla das Funktionsspektrum, womit ihr euch sogar frei in der Luft bewegen dürft. Allerdings ausschließlich in den dafür vorgesehenen Arealen, von denen es in Dark Void leider zu wenige gibt. Aufrüsten lassen sich auch die gefunden Schießprügel, von denen es sechs an der Zahl gibt. Dafür werden Technikpunkte benötigt, die Gegner nach ihrem Ablegen hinterlassen, aber auch häufig in der Umwelt versteckt liegen. Die Erforschung der Areale hat also durchaus seinen Reiz.

Angreifen

In einer ähnlichen Liga, wie die Handlung von Dark Void, bewegt sich auch die Spielmechanik. Am Boden kämpft ihr euch überwiegend durch streng lineare, grafisch wenig ansprechende Schlauchlevels. Eine echte Herausforderung stellen die Aliens, die von Einheimischen Beobachter genannt werden und erstaunliche Parallelen zu den Geth aus Mass Effect aufweisen, für euch nicht dar. Wie auch, verhält sich die K.I. in vielerlei Situationen dämlich. Was Deckung bedeutet, ist den Außerirdischen zwar in der Regel von Begriff. Gegen Granaten sind sie jedoch völlig machtlos. In der Luft bringen euch ganz andere Probleme ins Schwitzen. Etwa die unpräzise Steuerung, die gezielte Abschüsse trotz leichtem Autoaiming zu einem Glückspiel macht. Ausgerechnet hier hätte mehr Feintuning nicht geschadet. Denn unterhaltsam sind die Ausflüge über den Wolken allemal.

Für frischen Wind sorgt außerdem der Schlagabtausch aus der vertikalen Perspektive. In Dark Void warten nämlich viele Schluchten, die von euch erklommen werden müssen. Dabei wechselt das Spielgeschehen von der Horizontalen in die Vertikale. Anschließend hangelt man sich mittels Tastendruck von einem Felsvorsprung zum nächsten und erklimmt so Stockwerk für Stockwerk. An der Kampfmechanik ändert sich prinzipiell jedoch nichts, was schade ist. Während ein Bleigewitter der außerirdischen Blechkrieger auf euch herabfällt, nehmt ihr Deckung. In den Pausen dazwischen gebt ihr euch zu erkennen und ballert die Aliens einfach über den Haufen. Vorsicht ist nur beim Gebrauch von Granaten angesagt. Diese fallen aufgrund der Schwerkraft schon mal auf euch zurück.

Ansehen

Irgendwo im Mittelfeld spielt auch die grafische Präsentation. Während die Animationen der Figuren noch ansehnlich daher kommen, ist der Detailgrad der Umgebungen nicht. Matschige Texturen, antiquierte Effekte und häufige Pop-Ups trüben das Gesamtbild. Und das, obwohl Dark Void die leistungsfähige Unreal Engine 3 im Rücken hat. Auch das Artdesign bleibt ähnlich einfallslos. Dafür bleibt die Framerate auch während heftiger Scharmützel stabil. Wenig Kritik üben kann man hingegen beim Soundtrack. Dieser stammt aus der Feder von Bear McCreary, der auch die Filmmusik für die Sci-Fi-Serie Battlestar Galactia komponierte. Die Elektro-lastigen Beats sorgen gerade in den Kämpfen für eine packende Atmosphäre.

Fazit:

Dark Void kommt gefühlte drei Jahre zu spät in den Handel. Handlung, wie auch Spielmechanik sind stellenweise derart antiquiert, dass sie keinen Spieler mehr an den Bildschirm locken. Dabei weist Capcoms Action-Titel einige interessante Ideen auf. Der Raketenrucksack eröffnet etwa die Möglichkeit der Vertikal – und Luftschlachten. Beide neue Kampfmechaniken wurden aber nur halbherzig in dem Spiel umgesetzt. Ebenso lieblos präsentiert sich die grafische Aufmachung. Dabei zeigen doch Mass Effect und Bioshock, welches Potenzial in der Unreal Engine schlummert. So eignet sich Dark Void nur als netter Pausensnack für Zwischendurch.

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