Pineview Drive

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Der Horror-Titel Pineview Drive vom deutschen Entwicklerstudio VIS Games erschien bereits vor zweieinhalb Jahren für PC und ist nun auch für PS4 veröffentlicht worden. Nachdem ich eine halbe Stunde gespielt hatte, wunderte ich mich bereits, wie dieses Spiel überhaupt den Weg von der Steam-Resterampe zur Konsole finden konnte.

 

Pineview Drive – die Story

Klingt hart? Manchmal sind harte Worte nötig. Beginnen wir mit der Geschichte. In Pineview Drive spielt ihr einen namenlosen Mann, der zu einem Anwesen an der Küste zurückkehrt. Fragt nicht wo genau oder in welchem Land, denn das will das Spiel nicht verraten. Vor 20 Jahren verschwand seine Frau namens Linda in diesem Haus, und ihr mysteriöses Verschwinden will der Mann nun aufklären. Es gibt außerdem ein Gerücht, dass man es nicht länger als 30 Tage im Landhaus aushalten kann.

Das heißt also, es gibt 30 Spieltage, die ihr „überstehen“ müsst. Das Ende eines Tages ist immer dann erreicht, wenn ihr einen Zettel mit Text findet. Dann hält euer Charakter einen kurzen Monolog, der die Story voranbringen soll. Auch nur dann speichert das Spiel; manuelles Speichern ist nicht möglich. Am ersten Tag kommt ihr mit dem Auto an und seid ab diesem Zeitpunkt ausschließlich im Haus und ab und zu im Garten unterwegs.

Doch bevor ihr irgendwo unterwegs seid, stellt schon das Tor zum Anwesen die erste unnötige Barriere dar. Es ist verschlossen und ein Texthinweis verlangt nach einem Schlüssel. Dieser liegt direkt einen Meter entfernt auf dem Boden. Ich öffne damit das Tor und gehe zur Haustür. Diese ist verschlossen und verlangt wieder nach einem Schlüssel. Der Schlüssel liegt auf einer Fensterbank direkt neben der Tür. Ich öffne damit die Tür und bin endlich im Landhaus. Überraschung: Es ist voller Türen, von denen die meisten wieder verschlossen sind. Und jede dieser Türen verlangt nach einem anderen Schlüssel. Diese sind übrigens nicht mehr so leicht zu finden wie die ersten beiden und sind im ganzen Haus verstreut. Oft kommt man also per gefundenem Schlüssel in einen neuen Raum, in dem wiederum ein Schlüssel zu einem anderen verschlossenen Raum ist. Keyception.

Die Art vom Gameplay Pineview Drive erinnert mich doch gleich an die 90er. Der eigentliche Horror soll durch gruselige Geräusche, die ein oder andere geisterhafte Erscheinung und die vorherrschende Dunkelheit zustande kommen. Jeder Tag im Spiel beginnt nämlich kurz vor Sonnenuntergang, also ist es schon bald stockfinster. Lichtschalter können in jedem Raum betätigt werden, doch die Lampen beleuchten die Zimmer bestenfalls schummrig und manche Teile gar nicht. Deshalb kann man Streichhölzer finden und mit diesen die komischerweise viel heller leuchtenden Kerzen anzünden, die in einigen Räumen stehen. Für noch mehr Erleuchtung sorgt eine Taschenlampe, die aber mit Batterien gefüttert werden muss. All diese Gegenstände werden in einem Inventar abgelegt, das man dummerweise nicht sehen kann. Nur durch Zufall findet man also heraus, dass man nur eine begrenzte Anzahl Batterien und Streichhölzer mit sich tragen kann, und wie hoch diese Grenze ist. Das Absurde ist, dass man all diese Lichtquellen nicht zwingend braucht. Man kann sich auch einfach im (Halb-)Dunkeln vorantasten, ohne jemals ein „Game Over“ zu sehen. Nur ganz am Ende ist die Taschenlampe wirklich nötig.

Außer mit Türen kann nur mit wenigen anderen Gegenständen interagiert werden, z.B. kann plötzlich ein Gemälde untersucht werden, das in den Tagen davor nicht untersucht werden konnte. Wie kommt man dann darauf, damit zu interagieren? Gar nicht – bis die Spielfigur per Monolog den Hinweis darauf gibt. Die reichlich vorhandenen Schubladen und Schränke im Haus können übrigens nicht geöffnet werden.

Fazit

Bei all den verschlossenen Türen und versteckten Schlüsseln ist es kein Wunder, dass jeder nach 30 Tagen bzw. acht Spielstunden in diesem Geisterhaus wahnsinnig wird. Pineview Drive wirkt in jeglicher Hinsicht altbacken: veraltete Grafik, ödes Gameplay, sich ständig wiederholende Grusel-Sounds. Zuerst ist die Atmosphäre noch gut genug, um zumindest ein mulmiges Gefühl zu erzeugen. Der anfängliche Horror verfliegt aber, sobald man merkt, dass man gar nicht sterben kann. Und das Gameplay eines Spiels darf nicht zum Großteil daraus bestehen, Schlüssel zu finden und diese Schlüssel an jeder Tür im Spiel auszuprobieren, bis einer passt. Immer wieder. Acht bis zehn Stunden lang. Das ist zwar Horror vom Feinsten, aber hoffentlich nicht die Art Horror, die die Entwickler beabsichtigt hatten. Ja, ich weiß, es ist ein Indie-Titel. „Indie“ ist aber kein Freifahrtschein für schlechtes Gamedesign. Rein aus Interesse wollte ich noch wissen, wie viel dieser Re-Release von Pineview Drive eigentlich im PlayStation Store kostet…und fiel fast vom Stuhl. 30 Euro. Bei Steam kostet Pineview Drive außerdem immer noch 20 Euro – zweieinhalb Jahre nach Release. Das muss man nicht verstehen.

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