XCOM 2

Konsolenbesitzer freuten sich, als klar wurde, dass 2K Games das beliebte Echtzeit-Strategie-Spiel XCOM 2 auch auf aktuelle Konsolen bringen würde. Nachdem wir uns viele Stunden und mindestens genauso viele Tode durch den Titel gekämpft haben, steht fest, dass Strategie-Fans hier voll auf ihre Kosten kommen – vorausgesetzt sie bringen reichlich Geduld mit. Warum das so ist, klärt unser folgender Test.

Advent, Advent…

Im Jahr 2035 steht die Organisation XCOM quasi wieder am Anfang ihrer Bemühungen. Hintergangen von Verbündeten und lediglich auf den Trümmern ihrer eigenen Amibitionen stehend, versuchen sie den Widerstand gegen die Alienherrschafft erneut aufzubauen und diese zu zerschlagen. Während ADVENT, eine Propaganda-Abteilung der außerirdischen Invasoren den Menschen vorgaukelt, dass das neue Regime allein durch eine friedliche Übernahme an die Macht kam, sieht sich XCOM dem Auftrag verpflichtet die Wahrheit aufzudecken.

Als Spieler schlüpft man nun in die Rolle eines Commanders, der aus der Gefangenschaft der Aliens gerettet wurde und fortan die Kontrolle über die Avenger, das Luftschiff der XCOM übernimmt, um von dort aus Aktionen und Gegenschläge zu planen.

Planung, Aufbau und der Zeitdruck

Von der Avenger aus darf man als Spieler alle Einsätze planen und muss dabei mitunter auch im Vorfeld schon taktische Entscheidungen treffen. Das beginnt damit, dass man beispielsweise dem Wissenschaftsbereich verschiedene Projekte zuordnen kann, die dann innerhalb eines gewissen Zeitraums – der je nach Projekt auch stark varriieren kann – erforscht werden, während man sich im Technischen Bereich neue Aurüstung herstellen lassen und Mitglieder seines Einsatztrupps ausrüsten und nach erfolgreichen Missionen auch befördern kann. Es gibt aber auch verschüttete Bereiche, die anfangs noch unzugänglich sind, aber mit steigender Besatzungszahl freigeräumt und besser genutzt werden können. Sei es zur Ausbildung, weiterer Erforschung, und so weiter… Dabei sollte man aber auch immer die eigenen Ressourcen und die Stromversorgung im Auge behalten.

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Ist man mit seinen Entscheidungen und Vorbereitungen weitestgehend zufrieden, wechselt man auf Knopfdruck auf die Weltkarte, wo verschiedene Missionen genauso warten, wie Ressourcenlager, versteckte Einsätze und Kommunikationszentren, mittels derer man Kontakt zu den Widerstandsgruppen aufnehmen kann und auch muss, möchte man vorankommen. Dabei sitzt einem allerdings die Zeit immer im Nacken.

Denn jede Aktion lässt die interne Zeit voranschreiten. Fliegt ihr von Punkt A nach Punkt B dauert das eben. Gleiches gilt für Ressourcenabbau oder Scans der Landkarte. Das wäre alles nur halb so wild, würde nicht auch der Feind zwischenzeitlich seine Pläne vorantreiben. Man kann sich das quasi so vorstellen, dass die Aliens während ihr spielt, ihre eigene Kampagne zocken. Komplett mit Aufbau, Planung, Missionen und einem Ziel, nur dass die KI diesen Part übernimmt. Und genau wie beim Spieler vergeht eben auch dort die Zeit. Das Ziel der Gegner ist die Fertigstellung des sogenannten Avatar-Projekts. Dazu füllt sich mit der Zeit auf dem Bildschirm eine Leiste. Erreichen die Aliens das Ziel, endet das Spiel automatisch und man hat verloren.

Als wäre das noch nicht genug, haben die Aliens aber nebenher auch noch das Ziel den Widerstand zu schwächen. Düstere Ereignisse nennen sich diese “Missionen” der Gegner, die ihnen auf Dauer zum Beispiel starke Boni im Kampf verleihen und dem Spieler somit das Leben noch schwerer machen. Zum Glück lässt sich sowohl das Avatar-Projekt aufhalten und die Leiste zurücksetzen, wie jene Düstere Ereignisse ausbremsen. Doch dazu müssen Missionen erfolgreich beendet werden.

Auf in den Kampf

Auch wenn es innerhalb der taktisch immer anspruchsvollen Missionen unterschiedliche Ziele zu erfüllen gilt, sind sie vom Aufbau alle sehr ähnlich.

Anfangs wählt man das Team aus, mit dem man die Mission bestreiten möchte und wiegt die vorhandenen Klassen gegeneinander auf. Neben dem Ranger, der mittels einer Klinge oder optionalen Stealth-Fähigkeiten auch aus der Deckung kraftvoll zuschlagen kann, gibt es den obligatorischen Scharfschützen, einen Grenadier, der den Gegnern mit ordentlich Feuerkraft einheizt, oder auch Unterstützer, die dank einer Drohne auch aus der Ferne effektiv für Unterstützung sorgen können. Da jede Klasse noch einmal über zwei mögliche Skillungstypen verfügt – Offensiv und Defensiv – lassen sich so unterschiedliche Soldaten heranzüchten. Alleine diese taktische Tiefe überzeugt auf ganzer Linie!

Steht das Team bereit, werden sie auf der Missionskarte abgesetzt und das eigentliche Spiel beginnt. Innerhalb des Nebel des Krieges (also nicht von vorneherein sichtbare Bereiche der Map) verstecken sich sowohl Gegner, als auch eure Missionsziele. Im Rundenrhythmus geht es es nun voran, wobei jeder Charakter in jeder Runde maximal zwei Aktionen ausführen kann. Dazu zählt die Bewegung innerhalb eines Radius genauso, wie die Nutzung weiterer Fähigkeiten. Bewegt man den Charakter aus diesem definierten Radius heraus, gelten sogar beide Aktionen als verbraucht. Das allerdings ist durch einen Farbwechsel des Bereichs und Cursors gut sichtbar gemacht.

Ansonsten bewegt man sich beispielsweise voran, kann als nächste Aktion direkt den Gegner attackieren, oder – was eigentlich immer sinnvoller ist – bringt zuerst alle Teammitglieder in vorteilhafte Positionen. Zum Beispiel des Scharfschützen auf das Dach, den Ranger in Reichweite der Gegner und den Grandier auf die rechte Flanke. So lassen sich toll Hinterhalte arrangieren und auch ganze Gegnergruppen schnell zerschlagen. Ich möchte und kann  hier nicht alle Möglichkeiten aufzeigen, aber es ist ein Genuss mit Planung und Bedacht voranzugehen und den Aliens den Garaus zu machen. Viel besser wird Echtzeit-Strategie so schnell nicht mehr.

Schade nur, dass die mitunter zickige Kamera, die Aktionen der Gegner – trotz manuellem Nachjustierens – manchmal verdeckt und der Ebenenwechsel (vom Boden aufs Dach zum Beispiel) nicht immer ganz so toll funktioniert. Auch hier zeigt die Kamera manchmal Dinge, die man gar nicht sehen sollte. Ein weiteres Manko ist die Controller-Belegung. Ich bin mir nicht sicher, ob man den Entwickler für die Lösung rügen kann, oder nicht. Wenn man sich die ganzen Steuerungsoptionen und -Möglichkeiten anschaut, die von Tastatur und Maus auf einen Controller übertragen wurden, dessen Eingabemöglichkeiten sehr beschränkt sind, dann ist da schon für sich eine Meisterleistung. Dennoch: Intuitiv ist anders. Der Controller ist eben mit Optionen überladen und das erschwert die ohnehin schon sehr schweren Missionen nur nochmals. Schade.

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Dann wäre da noch der allgemeine Schwierigkeitsgrad, der zumindest kurz erwähnt werden sollte. Ich bin nun wirklich niemand, der sich an einer Herausforderung stört, aber XCOM 2 ist richtig schwer. Nicht falsch verstehen, es macht einen Teil des Charmes aus, dass der kleinste Fehler bestraft wird, aber meine Güte… Wenn man innerhalb der ersten sechs, sieben Aufträge so oft stirbt, wie in Dark Souls an einem Abend, dann stellt man den Schwierigkeitsgrad eben runter. Das war bei mir der Fall, sonst gäbe es die nächsten Wochen noch keinen fertigen Test.

Wer sich auf einen knackigen Schwierigkeitsgrad einlassen kann und möchte, sollte sich XCOM 2 aber auf jeden Fall sichern.

Technik, Grafik und Sound

Grafisch ist XCOM 2 ein stimmiges Spiel. Die Umgebungen und Charaktermodelle passen wunderbar zueinander. Da das Spiel aus der isometrischen Perspektive gespielt wird, müssen wir zwar auf allzu viele Details verzichten, aber dennoch sieht der Strategie-Titel gut aus. Rein technisch hingegen konnte uns der Titel nicht so ganz überzeugen. Zum einen sind Ladezeiten von bis zu eineinhalb Minuten zwischen den Missionen schlichtweg zu lange und zum anderen kommt es immer wieder zu Rucklern und auch längerem Stocken des Bildes während des In-Game-Streams.

Und wer darüber hinwegsehen kann, den stören vielleicht die Tonaussetzer während des Briefings oder selten auch den Zwischensequenzen. Es wirkt beinahe so, als käme die Konsole nicht mit dem Laden nach, während das Spiel weiter macht. Ärgerlich, denn sowohl der Soundtrack, als auch Effekte und die deutsche Synchronisation sind hervorragend.

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Fazit

XCOM 2 ist ein verdammt gutes Strategie-Spiel.

Nein, noch mal anders:

XCOM 2 ist das beste Konsolen-Strategie-Spiel, das es aktuell gibt.

Das merkt man schon daran, dass es selbst mich, als bekennenden Strategie-Titel-Muffel, abgeholt hat und nicht mehr loslässt. Trotz der erwähnten technischen Mängel und der störrischen Kamera, sowie des mitunter frustrierenden Schwierigkeitsgrad (selbst auf “Leicht” zieht das Spiel späterhin gut an) ist es einfach ein richtig toller Titel, der viele Stunden motiviert. Wer Lust auf den Kampf gegen außerirdische Invasoren hat und ein wenig vorausschauend agieren kann, sollte unbedingt zuschlagen!

Getestet wurde die PlayStation 4-Version des Titels, dank eines von 2K Games bereitgestellten Codes.

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