Review: Shadow of the Beast

Ein Amiga-Klassiker, den heute zwar kaum noch jemand kennt, der aber nicht zuletzt wegen seiner für damalige Zeiten imposanten Grafik ein durchaus beeindruckender Titel war, hat ein Remake spendiert bekommen: Ja, die Rede ist von Shadow of the Beast. Ob das mit Hilfe von Sony entwickelte Update des Sidescrolling-Action-Spiels auch heute noch beeindrucken kann, klärt unser Test.

So war es, so ist es

Ja, Shadow of the Beast war für den Amiga in etwa das, was The Order: 1886 heute für die Playstation 4 ist: Ein grafisch durch und durch umwerfendes Spiel mit großen spielerischen Schwächen, die das Gesamtbild trüben. Eine Fangemeinde hat sich um beide Titel natürlich trotzdem aufgebaut und so werden viele Spieler in Anbetracht des Remakes die Nostalgiebrille putzen und sich wie die Honigkuchenpferde freuen.
Doch was damals schon ein bestenfalls durchschnittliches Spiel mit schicker Optik war, ist heute nur bedingt besser.
Zumal der Technikbonus dem aktuellen Shadow of the Beast kaum anzurechnen ist. Das Spiel sieht solide bis gut aus und läuft stabil, aber einerseits schwanken die Umgebungsgrafiken stark zwischen den insgesamt sieben Welten und andererseits sind die Animationen zwar in Ordnung, aber so sauber, wie man sich das heute vielleicht wünschen würde, sind sie leider nicht.
Der Soundtrack dümpelt auch eher im Hintergrund vor sich hin und wird niemanden hinter dem sprichwörtlichen Ofen hervorlocken.
Zum Glück lässt sich sowohl das originale Spiel, als auch der Originalsoundtrack freischalten und nach Belieben zu oder abschalten. Eine tolle Sache und schöner Bonus für Fans.

Shadow of the Beast 01

Motivierende Kämpfe mit taktischer Komponente

Was uns an der Neuauflage aber gut gefällt, ist das überarbeitete Kampfsystem. Held Aarbron kann neuerdings blocken, betäuben, ausweichen, Spezialattacken nutzen, Schattenversionen seiner selbst beschwören und taumelnde Gegner “anzapfen”, um die eigene Energie aufzufrischen.
Das sind tolle Dreingaben, die den häufig stattfindenden Arenakämpfen eine gewisse taktische Komponente geben, zumal die Gegnerwellen auch gerne mal von zwei Seiten gleichzeitig angreifen, was bei einem 2,5D-Sidescroller auch „von allen Seiten“ bedeutet.
Leider reagiert die Steuerung etwas träge, manchmal hat man fast das Gefühl das Spiel hätte einen Input-Lag. Das ist sehr schade und erschwert die Kämpfe gerade in höheren Stufen ungemein.
Doch wer sich mit dieser Verzögerung anfreunden kann und sich auf sie einlässt, kann dennoch tolle Kombos aktivieren und viele Gegner in einem einzigen Flow bezwingen.
Und wer diesen Punkt überschritten hat, wird gewiss eine eigenartige Motivation in den Kämpfen finden, immer bedacht auf einen höheren Highscore – Zumindest mir ging es so.
Alle Kämpfe sind machbar, aber die Steuerung ist gewiss nicht der größte Freund des Spielers.

Kurz und knapp

Wer sich überlegt das Spiel für einen einzigen Durchgang zuzulegen, wird von der reinen Spielzeit hierfür enttäuscht sein. Gerade mal 4 Stunden und der Abspann flimmert über den Bildschirm.
Zwar kann man sich danach in höheren Schwierigkeitsstufen austoben und versuchen Plätze in den entsprechenden Punktelisten aufzusteigen, doch sonst ist der Fortschritt künstlich in die Länge gezogen.
Denn wer alles an Geheimnissen, Artworks, Videos und Fähigkeiten des Protagonisten freischalten möchte, wird viele Stunden in den immer gleichen 7 Welten verbringen und Manapunkte sammeln müssen.

Shadow of the Beast 02
FAZIT

Shadow of the Beast ist kein besonders gutes Spiel, aber es kann doch richtig viel Spaß machen, wenn man sich darauf einlässt. Das Kampfsystem zu verstehen dauert nicht lange, es zu perfektionieren kann einen aber an den Rand des Wahnsinns treiben.
Hat man diese Schwelle aber überwunden, wartet ein durchaus motivierender 2D-Prügler, dessen Kämpfe taktisch fordern, dessen wenige Geschicklichkeitspassagen nervtötend sind und dessen reine Spielzeit leider viel zu kurz ist.
Für knapp 15 € erhält man so ein durchschnittliches Spiel, das in seinen besten Momenten zeigt was es hätte sein können, nämlich ein richtig gutes Hack`n`Slay vor zweidimensionaler Kulisse. Hätte man sich nur mehr auf die Ausarbeitung des Gameplays konzentriert und weniger darum den Fans eine Neuinterpretation bereits bekannten zu geben.
Denn auch das Original krankte bereits an ganz ähnlichen Ecken und Kanten.

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