Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter im Test

Das Rätselraten mit Meisterdetektiv Sherlock Holmes und seinem treuen Gefährten Dr. Watson geht in die nächste Runde! Das neue Abenteuer von Frogwares bietet wieder spannende Fälle mit knackigen Puzzles an, das auch durch die ein oder andere Actionsequenz ergänzt wurden. Was genau uns beim Nachfolger The Devil‘s Daughter erwartet, erfahrt ihr hier bei uns im Test.

Altbekanntes mit ein paar Neuerungen

Wem bereits der Vorgänger Crimes and Punishments bekannt ist, der wird sich auch beim neuen Sherlock-Teil gleich wie Zuhause fühlen. Das Konzept der Falllösung, Minispiele und Puzzles ist nahezu dasselbe, lediglich der Fokus auf vermehrte Actionsequenzen wurde erhöht. Die Adventure-Reihe setzt auf Altbekanntes und erweitert lediglich die Spielmechanik um ein paar neue Features: So wird die meiste Zeit über unser charismatischer Detektiv gesteuert, der natürlich nach wie vor aus der Verfolger- oder Egosicht diverse Schauplätze in London aufsucht, um nach Spuren und Hinweisen zu suchen. Zeugen werden befragt, Leichen untersucht und Gegenstände gefunden. Vereinfacht wird diese Suche über Hotspots, die einem in der Regel ohne großartig zu suchen die passenden Hinweise liefern. Seine Gehirnzellen muss man bei Sherlock Holmes deshalb nur selten beanspruchen, da man lediglich nur die Hotspots anklicken muss, um in der Geschichte voranzukommen.

Sherlock-Holmes-1-e1465909521754 Sherlock Holmes: The Devil's Daughter im Test

Lediglich bei der Falllösung im Deduktionssystem wird es etwas anspruchsvoller und kniffliger. Denn um einen Fall aber überhaupt lösen zu können, muss Sherlock mit dem speziellen Detektivblick versteckte Spuren sichtbar machen. Diese werden danach von ihm in sein eigenes Tagebuch notiert, um daraus später Schlussfolgerung schließen zu können. Aber es reicht nicht nur, wenn wir als Spieler die Zusammenhänge im Spiel verstanden und kombiniert haben. Nein, Detektiv Holmes muss sie natürlich auch richtig deuten können. Deshalb verbindet man im sogenannten Deduktionssystem Synapsen bzw. Hinweise im Gehirn unseres Helden, indem man selbst entscheidet, wie er die Hinweise auszulegen und zu deuten hat. Hat man zwei Synapsen/Hinweise miteinander verbunden, ergeben sich daraus weitere Ergebnisse, die letztendlich in der ultimativen Entscheidung gipfeln, wer denn nun der Täter sein könnte. Aber aufgepasst! Es besteht durchaus die Möglichkeit falsche Schlussfolgerungen zu ziehen. Holmes und Watson könnten so auch den Falschen hinter Gittern bringen. Um den Schuldigen nicht unwissentlich laufen zu lassen, sollte man im Deduktionssystem alle Hinweise noch einmal in Ruhe durchgehen und nicht in Eile irgendwelche voreiligen Schlüsse ziehen.

Insgesamt werden uns in Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter fünf Fälle geboten, die auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben. Hier eine vermisste Person, da eine Leiche und dort ein Bombenanschlag. Aber was wäre eine gute Detektivgeschichte, wenn sie nicht eine große Rahmenhandlung aufweisen könnte! Deshalb werden auch in diesem Sherlock-Ableger die einzelnen Fälle in einen gemeinsamen Rahmen eingebettet, und dieser thematische Rahmen spannt sich um niemand geringeren als [Spoiler!] Sherlock Holmes eigene Adoptivtochter! Warum genau und wie sie in die Zusammenhänge der Geschichte verstrickt ist, verfährt man erst ganz am Ende des Spiels.

Sherlock Holmes 2.0

Wie erwähnt hat sich bei der Spielmechanik nicht wirklich etwas getan, allerdings scheint unser Detektiv dafür deutlich verändert: Nicht nur, dass er einem verjüngendem Face-Lift unterzogen wurde, auch sein ganzes Wesen scheint verändert worden zu sein. Ob man nun Fan der original Buchreihe von Sir Arthur Conan Doyle oder von der BBC-Verfilmung zu Sherlock ist, dieser Sherlock, der uns in Devil’s Daughter gezeigt wird, hat wirklich nichts mit dem großen Detektiv gemein. Anstelle des gelassenen Detektives, der auf eine gerissene Art und Weise jedem immer einen Schritt voraus ist, haben wir hier einen hitzköpfigen, mental etwas langsamen Sherlock, der sich noch dazu von anderen ausmanövrieren und übertölpeln lässt. Kaum etwas an seiner Person erinnert an den großen Detektiv Sherlock Holmes, den wir kennen und lieben gelernt haben. Auch das tolle Zusammenspiel von Holmes und Watson wird hier schmerzlich vermisst. Die beiden Charaktere koexistieren nebeneinander, entwickeln aber keine Duo-Dynamik.

Ebenfalls negativ zu bewerten sind leider die überaus nervigen Minispiele: Durch das gesamte Spiel hindurch meistert man Herausforderung, die einen zwingen z. B. schnell in der richtigen Reihenfolge Maustasten zu klicken, die Maus und Tastatur stabil in einem Kreis zu halten, reflexartig nach einem Gegenstand zu greifen, Holmes über Abgründe balancieren zu lassen oder Gegner k.o. zu hauen… Die Minispiele kommen allerdings seeehr häufig vor und ein falscher Klick oder Schritt bedeutet dann auch schon das Aus für Holmes und Watson. Ständiges Laden, um dann ohnehin wieder bei einem falschen Klick tot am Boden zu liegen, geht auf Dauer gewaltig auf die Nerven. Noch dazu liegt das Scheitern in einigen Situationen wirklich nicht an uns Spielern selbst, sondern einfach an der ruckeligen Steuerung: Sherlock bleibt ständig an irgendwelchen Hindernissen hängen, trifft nicht genau den Punkt, den man anvisiert hat, oder buggt so lange rum bis man gezwungen wird neu zu laden. Gott sei Dank lassen sich diese nervigen Minispiele überspringen. Allerdings geht dadurch ein großer Teil des Rätselratens des Spiels flöten. Immerhin will in einer Detektivgeschichte auch gerätselt werden…

Fazit

Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter bietet eine spannende Mischung aus Detektivgeschichte, einer soliden Spielmechanik (bis auf die holprige Steuerung) und teilweise ganz unterhaltsamen Charakteren. Einige Rätsel und Minispiele hätte man vereinfachen oder völlig anders gestalten können, wiederum hätte man die Hinweis-Suche via Hotspots ruhig etwas schwieriger gestalten und dafür gewisse Actionszenen streichen können. Der Frustpegel steigt leider mit zunehmender Spielzeit, nicht zum Teil auch dadurch bedingt, dass Charaktere wie Holmes und Watson kaum überzeugen können. Sherlock Holmes verdient kaum den Namen und Dr. Watson ist nichts weiter als ein Komparse, der mal hier und mal da einen Satz einwirft. Auch die deutsche Lokalisierung lässt einiges zu wünschen übrig: Nach einer halben Stunde musste ich gezwungenermaßen ins Englische wechseln, da das Deutsche kaum zu ertragen war. Die Sprachausgabe wirkt dermaßen unprofessionell und billig, dass mir vor lauter Lachen der Kaffee durch die Nase hochkam. Einzig Sherlocks Stimme ist erträglich, der Rest der Charaktere ist leider nur enttäuschend. Gut gemeinter Rat: Gleich von Anfang an auf Englisch schalten.

Überzeugen kann das Spiel letztendlich dann doch mit der gelungenen Grafik und den detailreichen Orten. Diese laden zu ausgiebigen Erkundungen ein und trösten so zumindest über das ein oder andere Manko hinweg. Eine Empfehlung spreche ich nur jenen aus, die sich wirklich als Hardcore-Fans von Sherlock Holmes bezeichnen würden, und einfach nichts aus dem gesamten Sherlock-Universum versäumen wollen. Adventure-Liebhabern, die ohnedies nicht so scharf auf Holmes und Watson sind, sollten allerdings dann doch zu etwas anderem greifen.

3 Gedanken zu „Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter im Test

  • dg87
    15. Juni 2016 um 15:57
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    Oha, ich hatte es mir erst bestellt und habe nicht erwartet dass es so abschneidet. Mal sehen ob es mir taugt – ich spiel es aber auf Konsole dann.

    Antwort
  • 16. Juni 2016 um 12:10
    Permalink

    Ich habe es zuhause liegen, aber noch nicht angespielt. Jetzt habe ich ein bißchen Angst.
    Schade auch, dass die deutsche Synchro so furchtbar sein soll.

    Dennoch toll geschriebener Test!

    Da ich mit Crimes & Punishments viel Spaß hatte, hoffe ich trotzdem auf das beste 😉

    Antwort
  • 2. August 2017 um 16:02
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    Kannste vergessen das Spiel. Außerdem Adventures sind einfach geiler aif dem PC zu zocken.

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